Geldwäsche und Korruption in Mexico City

Blick über Mexiko City

Blick über Mexiko City

Auf den ersten und auch zweiten Blick erscheint mir Mexico City wie eine ganz normale Großstadt. Ein fast endloses Häusermeer mit ständigen Verkehrsstaus, es dauert Stunden, um von einem Drehort zum anderen zu kommen. Aber von Gewaltexzessen wie in Juarez ist hier nichts zu sehen und zu spüren.

Ausländische Firmenangehörige berichten mir zwar von Entführungsfällen, doch die Opfer werden nach Zahlung eines geringen Lösegeldes meist Stunden später wieder freigelassen. Wir sind überrascht, wie normal das Leben hier ist. Erst auf den dritten Blick offenbart sich, dass die Drogenmafia auch hier Fuß gefasst hat. Mexico City ist quasi das Finanz- und Verwaltungszentrum des organisierten Verbrechens.

Hinter den Glitzerfassaden der modernen Bürogebäude arbeiten Steuerberater und Anwälte für die Narcos. Geldwäsche im großen Stil findet vor allem durch den  Immobilienhandel statt. Die Gesetzeslage erlaubt es den Drogenbossen, ihre Milliarden relativ frei  zu investieren – ohne Angst vor Strafverfolgung. Hier in Mexico City verabschieden wir uns endgültig von der Vorstellung, es mit kruden Verbrechern zu tun zu haben, die ihre Geschäfte nur mit der Waffe erledigen.

Eine viel größere Gefahr für den Staat geht von der unheimlichen Verflechtung von Schattenwirtschaft und legaler Wirtschaft aus. Die Bandenchefs sind höchst erfolgreiche Geschäftsleute, die weitreichende Firmenimperien leiten. Der meistgesuchte und einflußreichste Drogenboss Mexikos, Joaquin Guzman, soll allein 3500 Firmen besitzen mit einem Jahresumsatz von 18 Milliarden Dollar. Die Korruption ist angesichts solcher Gelder ein großes Problem.

Viele der Narcos leben in teuren Villen in bester Lage, die Adressen sind bekannt. Einer soll jeden Morgen im Stadtpark joggen gehen, erzählt Producerin Alexandra. Ein anderer hat kürzlich ein rauschendes Fest gefeiert, bei dem reihenweise prominente mexikanische Entertainer, Sänger und Politgrößen gesichtet worden sein sollen. Die Polizei kam eine halbe Stunde, nachdem der letzte Gast gegangen war, heißt es. Wie so oft wurden die Bandenchefs von bezahlten Informanten von der bevorstehenden Polizeirazzia gewarnt.

Eine Frau, deren Sohn entführt und ermordet wurde, erzählt mir, dass sie die Polizei um Hilfe bat – und prompt von zwei Polizeibeamten bedroht wurde, sie solle keine Nachforschungen anstellen, sonst sei sie selbst die Nächste. Nur an der Oberfläche scheint das Leben hier normal. Dahinter verbergen sich die Machenschaften krimineller Finanzexperten, die auf internationalem Niveau und mit höchster Professionalität für die Kartelle arbeiten.

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