Kleines Schmuggel-Einmaleins

Grenzstreifen mit Rio Grande

Grenzstreifen mit Rio Grande

Mein kleines Schmuggel-Einmaleins nach drei Tagen Dreh: Autotüren klingen anders, wenn Kokainpäckchen darin versteckt sind. Unter dem Lenkrad der meisten Wagen ist ein beliebtes Schmuggelversteck, dort befindet sich ein unsichtbarer Hohlraum, der nur erkennbar wird, wenn man das Teil auseinanderschraubt. Aber man kann durch Klopfen feststellen, ob dieser Hohlraum gefüllt ist oder nicht. Und die gängigen Preise für ein Kilo Kokain beiderseits der Grenzen kennen wir nun auch.

Wenn das so weiter geht, kann ich bald selbst bei einem Kartell anheuern. Im Ernst: Diese Grenze ist wie aus einem schlechten Film. Der Rio Grande, der die Grenze zu den USA bildet, ist gar nicht grande, sondern ein müdes Rinnsal, eingebettet in eine breite, gut einsehbare  Betonlandschaft mit Stacheldrahtzäunen und vielen Wachposten. Ich fühle mich an die deutsch-deutsche Grenze erinnert, nur die Selbstschußanlagen fehlen.

Nachts hangeln sich die illegalen Einwanderer unter den Autobahnbrücken, über die der Grenzverkehr in die USA rollt, an den Stahlträgern entlang auf die andere Fluß-Seite und in ein neues Leben. Der von George W. Bush gebaute Grenzzaun endet ein paar Kilometer weiter im Nichts der Wüste. Er hört auf – einfach so. Amerikanische Grenzposten sind nicht in Sicht. Dafür sehen wir spielende mexikanische Kinder, die im seichten Rio Grande baden.

Als wir am nächsten Tag mit dem Hubschrauber die Grenze abfliegen, können wir von oben überall schmale, unregelmäßige Wege erkennen, die wie ein Netz die Hügel rund um Juarez überziehen: Es sind die Trampelpfade der Drogenschmuggler, und es sind viele, sehr viele. Uns wird schlagartig klar, wie schwer es ist, dieses unwegsame Gelände zu überwachen. Die Armee setzt auf ein neues Aufklärungsflugzeug, das die Amerikaner den Mexikanern im Kampf gegen die Drogen spendiert haben. Das Kokain wird seinen Weg in die USA immer finden, so lange der Bedarf dafür da ist.

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