Schwarzes Gold für Mexikos Staatskassen

 Ohne Schutzkleidung geht es auf der Bohrinsel KU-S nicht

Ohne Schutzkleidung geht es auf der Bohrinsel KU-S nicht.

Heute erfüllt sich der Lebenstraum unseres Kameramannes Andreas: einmal auf einer Bohrinsel drehen! Auch das entpuppte sich im Vorfeld schwieriger als gedacht. Bohrinseln sind Hochsicherheitstrakte auf dem Meer. Zugang haben nur wenige Außenstehende. Erst am Abend vor dem Dreh erhalten wir eine Drehgenehmigung vom Vorstand. Mit einem Firmenhubschrauber der staatseigenen Ölgesellschaft PEMEX geht es zunächst hinaus in den Golf von Mexiko.

Mehr als eine Flugstunde lang reiht sich unter uns im blauen Golf schier endlos Bohrinsel an Bohrinsel. Der gesamte Golf scheint gepflastert mit Bohrplattformen. Wer das sieht, bekommt viel deutlicher als durch jeden Börsen-Chart vermittelt, wie wichtig das schwarze Gold für das Schmieren der Weltwirtschaft ist.

Zunächst landen wir auf einer Bohrinsel, auf der emsig gearbeitet wird. Sie besteht aus einem Schlaf- und Wohnturm und einem Teil, auf dem eine Mannschaft von Technikern in Overall und gelben Schutzhelmen mit geübten Handgriffen Bohrstücke aneinandersetzt, um so ein langes Rohr in die Tiefe zu versenken. Kameramann Andreas ist begeistert: Endlich kann er frische Erdöl-Bilder drehen!

Doch nach kaum zehn Minuten gibt es Alarm. Wir müssen die Bohrinsel sofort verlassen – akute Explosionsgefahr! Anscheinend durchstoßen die Männer seit zwei Tagen eine im Meeresgrund eingebettete Gasblase, die jederzeit explodieren kann. Doch die Bilder sind gut, wir wollen uns nicht so schnell vertreiben lassen. Schließlich bleibt die Mannschaft ja auch hier, wie gefährlich kann es sein? Doch wir werden sehr nachdrücklich zurück in den Hubschrauber gedrängt. Zum Glück sieht unser Besucherprogramm noch eine weitere Plattform vor.

Wir sind das erste Team überhaupt, das auf KU-S, wie die Bohrinsel offiziell heißt, drehen darf. Schreiend gelb und unglaublich sauber ist sie, und die modernste Anlage, die Mexiko zu bieten hat. Präsident Calderon war zur Einweihung hier, berichtet die Mannschaft stolz. 1000 Meter unter uns liegen riesige Ölfelder im Boden. Die gesamte Bohrinsel vibriert leicht und macht die mächtige Technik, die in diesem Hochleistungs-Koloss steckt, spürbar. Die Ölförderung ist längst multinational – es steckt soviel Knowhow in der Technik, dass viele Spezialfirmen aus aller Herren Länder zusammenarbeiten müssen, um Plattformen wie KU-S zum Laufen zu bringen.

Es ist beeindruckend. Der strahlende Sonnenschein, die quietschgelbe Anlage im blauen Ozean, der reibungslose Ablauf der Ölförderung – hier ist die mexikanische Welt noch in Ordnung. Den Öl-Ingenieuren, die auf der Plattform arbeiten, ist ihre eigene Wichtigkeit durchaus bewusst. Hier ist alles hochprofessionell – so haben wir das in unserer gesamten Zeit in Mexiko noch nicht erlebt. Herrschte auf dem Festland oft eine liebenswerte Umständlichkeit, so regiert hier die pure Effizienz. Die Männer sind spürbar bestens ausgebildet und treten sehr selbstbewußt auf. Sie wissen genau, dass Mexiko ohne sie längst bankrott wäre. Etwa 40% des Staatshaushaltes bestreitet Mexiko aus Öleinnahmen. Ähnlich viel Geld wird hier nur noch mit dem Drogenhandel verdient.

Und auch hier verzahnen sich die beiden Welten: Zeitungsberichten entnehme ich, dass  die Drogenkartelle das schwarze Gold aus den Pipelines abzapfen, die Papiere für ganze Tankerschiffe fälschen, Ölarbeiter entführen und die Produktion so zum Erlahmen bringen. Von acht Häfen ist die Rede, die bereits unter Kontrolle der Narcos sein sollen. Die Zeitungen benennen die Hafenmeistereien ganz konkret. Schreiten die Behörden hier ein? Ich weiß es nicht. Von Razzien hat jedenfalls niemand etwas gehört.

Schreibe einen Kommentar