Unsere ersten Schmuggler

Am Grenzübergang Juarez - El Paso

Am Grenzübergang Juarez - El Paso

Gleich der erste Drehtag führt uns an die schwer bewachte Grenze. Panzer sind entlang der sechsspurigen Übergänge aufgefahren. Schon vor der Grenze stehen wir in einem kilometerlangen Stau. Es ist, als wolle das halbe Land auf die andere, sicherere Seite in die USA flüchten. Lange LKW-Schlangen, allesamt voll beladen mit Waren für die USA, blockieren die Zufahrt. Große amerikanische Straßenkreuzer und teure SUVs mit abgedunkelten Scheiben stehen neben auseinanderfallenden Rostlauben und heruntergekommenen Blechkarossen aus den 70er Jahren im Stau.

Das Armutsgefälle ist sofort offensichtlich. Auch die teuren Fahrzeuge gehören größtenteils Mexikanern, nicht Amerikanern, wie ich zunächst denke. Ich ertappe mich dabei, wie ich mich frage, wo die Besitzer wohl das viele Geld her haben. In dieser Stadt sei praktisch jeder in irgendeiner Weise am Drogenhandel beteiligt, sagt uns sogar der Militärsprecher, der uns in Empfang nimmt. Bei über einer Million Einwohnern wäre das schon eine ganze Menge Drogendealer auf einem Haufen, denke ich.

Ein paar davon lernen wir noch am selben Tag kennen: Der Grenzbereich für LKW-Abfertigung wird plötzlich mehrere Stunden lang abgeriegelt, für uns ohne erkennbaren Grund. Man erzählt uns etwas von einem General und einer wichtigen Konferenz. Das Team muss deshalb den Zollbereich verlassen.

Eine halbe Stunde, eine Stunde, zwei Stunden warten wir, werden immer wieder vertröstet, drehen derweil Bilder wie aus einem Bürgerkrieg: Gewehrläufe, Panzerketten, Soldaten in schusssicheren Westen, die Maschinengewehre im Anschlag und auf den Durchgangsverkehr gerichtet – und immer wieder dazwischen einfache Familien, die von ihrem Tagesjob auf der anderen Seite der Grenze zurückkommen, vollbepackte Tragetaschen fortschaffen oder ihre Kinder im Schlepptau haben.

Erst Stunden später bekommt Producerin Alexandra den wahren Grund für die Grenzsperrung heraus: Der Zoll hatte einen Lastwagen voller chinesischer Sandaletten durchgewunken. Als die Arrmee noch einmal nachkontrollierte, stellte sich heraus, dass in den Schuhen auch Kokain versteckt war. Fahrer und Zollbeamte wurden in Gewahrsam genommen. Uns wollte man nicht dabeihaben.

Schlagartig wird uns bewußt, welche Rolle man uns hier zugedacht hat: Hart durchgreifende Soldaten auf Patrouille, solche Aufnahmen sind erwünscht. Bestechliche Staatsbedienstete passen nicht so recht in das Bild, das man dem Team aus Deutschland gerne präsentieren möchte. Der Krieg gegen die Drogen ist auch hier gleichzeitig ein Kampf um die Informations- und Medien-Hoheit.

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