Globalisierung: Reden Sie mit!

China ist ein großer Gewinner der Globalisierung. Bild: dpa

China ist ein großer Gewinner der Globalisierung. Bild: dpa

Die Globalisierung hat in den vergangenen 25 Jahren die Welt verändert wie nichts sonst. Vernetzte Warenströme und arbeitsteilige Produktion haben Waren verbilligt und überall verfügbar gemacht. Globalisierung hat Innovation befördert und den Austausch von Ideen. Wir nutzen heute wie selbstverständlich Dienstleistungen, die geschaffen sind für die vernetzte Welt. Und nicht zuletzt sind heute Länder teil des globalen Wirtschaftskreislaufs, die zuvor nur weiße Flecken waren auf der Weltkarte der Ökonomie.

Doch die Globalisierung hat viele Gegner – und es werden mehr. Besonders in den reichen Industrieländern, dort, wo es etwas zu verlieren gibt. Einfache Jobs, zum Beispiel. Schon wächst ein Gefühl der Ohnmacht gegen die Wucht der globalisierten Welt. Und Zorn. Und der Ruf nach Abschottung. Donald Trump will eine Mauer bauen, die Briten raus aus der EU und das Freihandelsabkommen TTIP ist tot.

Zu Gast bei makro ist Prof. Jens Südekum, der den Einfluss der Globalisierung auf lokale Arbeitsmärkte untersucht. Diskutieren Sie mit!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

52 Kommentare

  • Kohler Lars
    04.11.2016, 23:04 Uhr.

    Sehr geehrter Prof.Südekum,

    soeben verfolge ich die Sendung. Wie Sie schon richtig sagten: Globalisierung nützt nicht Allen.
    Mit einem Wissen von diesem Effekt, dass es Verlierer gibt gilt es doch zu wissen, warum, wer und für was diese Globalisierung wirklich nützen sollte.
    Die Freihandelsabkommen wurden geschlossen ohne eine wirkliche effektive Schutzmassnahme für den europäischen Mittelstand. Auf der Demo in Berlin hätten Sie ausreichende Möglichkeiten gehabt die Wirtschaftsprognosen der waren Unternehmer zu hören. Die Gewinner werden nur Konzerne sein und deren Aktionäre (und diese sind im Ausland). Logisch, dass auch dies unser Land noch abhängiger machen wird und dieses Land und Europa in deren perversen Abhängigkeit treiben wird. Wollen wir das?
    Die Massnahmen der USA gegen VW ist nur ein Vorgeschmack was uns erwarten wird mit TTIP, CETA usw. Es geht um Geld, Machtverteilung und Einflussgewinn, Verteilung von Fleissig auf Reich (Empfehlung Prof. Hörmann und Prof. Popp, Wissensmanufaktur). Die USA sind Bankrott und bombardieren nur noch wer nicht mitspielt. Wie die Getoganster der Bronx, nichts können aber prügeln, erpressen usw.
    In der direkten Nachbarschaft sehe ich die Friseure mit 1000€ Netto. Die Bäckereiverkäuferin für 1000€ Netto. Mütter die schon kämpfen. Wie tief will uns dieses krankes Wirtschaftssystem denn noch treiben? Wir müssen endlich wieder verstehen, dass gross nicht das Beste ist. Wie eine Frucht einfach. Ertrag und Gewinn kann sicher immer mehr gesteigert werden. Aber wem nützt dies denn nun wirklich? Dem Arbeiter und folgende Generation nicht. Er wird aufgrund des Alters und seiner schwächeren Leistung gekündigt. Lohnstückkosten!!!
    Wir fördern nur den knallharten Kapitalismus mit der Globalisierung. Die Spezies Mensch auf der Erde ist aber nicht mehr im Mittelpunkt unseres täglichen Handelns geworden.
    Ich als Ingenieur bei einem deutschen Premiumhersteller entwickle nur mit dem Gedanken und dem Wunsch den Menschen dieser Welt eine Möglichkeit der Mobilität zu schaffen. Was bewegt wohl wirklich diese Marktwirtschaft?
    Märkte ohne wahre soziale Ziele sind so sinnlos für die Spezies Mensch. Sie bringt niemanden weiter. Es ist nur Monopoly spielen. Irgendwann ist alles Geld bei einem Spieler…und die anderen die Verlierer ohne Geld und Haus (Glücklich im Knast).
    Wir binden in der Globalisierung auch nicht Afrika ein, die Entwicklungsländer…da steckt es schon im Worte. Aber der Westen, alle hochverschuldet (warum wäre auch eine Analyse wert) schaft es nicht diese Länder mitzunehmen und schürt nur die grösser werdende Spannung.
    Wenn 60 Billionen Dollar um die Welt fliegen und nach Anlage mit Rendite verzweifelt suchen aber Menschen dieser Spezies keinen Penny besitzen, hat jedes wirtschaftliches únd ökonomisches tun doch wirklich sein Ziel verfehlt.
    Mit dem Abkommen schiffen und fliegen wir nun noch mehr Waren um die Welt die sich kaum noch jemand leisten kann. Abgase? CO2? Spielt keine Rolle und wird hier nicht in die mathematische Formel eingerechnet! Diese Strafzinsen zahlen ja andere. Wie egoistisch und selbstlos der „Kapitalisten“.
    Russland liegt so nah…Waren und Technologieaustausch. Diese Spezies Mensch in EUROPA lässt sich so aufbashen gegen Putin und Russland. Wenn Dummheit die Gier packt, sieht man leider erst wenn es weh tut das Ergebnis dieser mathematischen Formel(irrationale Zahl i=Irre)!
    Jeder Bürger spürt es, dass die USA (Regierung nicht das Volk) und diese Globalisierung zu viele Verlierer geben wird. Und zu den Verlierern gehören auch die Toten in die mathematische Statistik! Faktor Hunger, Krankheit, Umwelteinflüsse ungeschützt etc.
    Wir alle dienen leider nur noch dem Geld. Manche sogar nur für das Geld anderer, was die Ausbeutung dieses Systems doch deutlich in den aktuellen Zeiten zeigt.
    Würden wir es schaffen, dass das Geld und die tollen Innovationen die wir schaffen allen Menschen gleich dienen wird und zugute kommt, hätten wir einen Evolutionssprung dieser Spezies geschafft. Aber Zins und Zinseszins stehen dem entgegen und blockieren uns nun schon seit Jahrzehnten.
    Nullzins, Strafzins… welch erschreckende Worte? Japan hat dies schon lange. Nichts neues eigentlich, aber keiner denkt nach warum und wie stellen wir dieses Problem (das System) wirklich ab. Die Idee des Euro wurde schon damals von mir(18 Jahre!) verurteilt, dass dies nicht funktionieren kann. Es war doch den Verantwortlichen klar, dass es hier Verlierer geben muss! Logisch mehr als Gewinner (da ist es wieder Monopoly).
    Kaum zu glauben, dass auch noch an den Schulen noch immer gelehrt wird Profit ist alles. Fortschritt für die Spezies Mensch dieser Erde mit Moral zu begegnen ist wirklich mit diesen Lehrmeinungen nicht zu erreichen.
    Eine Welt in denen Menschen nicht mehr arbeiten müssten, weil Roboter dieses tun und der ökologische Wahnsinn endlich gestoppt wird…wie Alice in wonderland.
    Brexit in der Diskussion schon vergessen? Was nutzt das Grosse dem Griechenland? Es war doch nicht deren Schuld! Spanien, Italien und Portugal von der EU schnaufen nur noch auf einer halben Lunge. Europa war schon gross und auch mit der EU. Aber man sieht was solche Regelungen wie der Euro bringen. Noch mehr Verlierer und wenige wahre Gewinner. Zwanghaftes langfristiges binden mittels Verträge sind nicht gut von Dauer. Selbst Unternehmer wissen das.
    In Diskussionen im Fernsehen wünsche ich mir mehr die Spezies Mensch auf der ganzen Welt in Betracht gezogen. Alternativen gibt es genug. Es gibt genug Professoren die schon über die Alarmsignale dieses Monopoly-Spieles diskutieren mit sehr guten Ansätzen für Alle. Nehmen Sie sich Zeit in der Diskussion mit diesen besonderen Menschen.
    Es wird doch endlich Zeit für eine Entwicklung Mensch(Super HOMOSAPIENS). Noch mehr Kriege wegen Ressourcen, Macht, Gier und Perversion für einige wenige handvolle Gewinner?
    Verrückt…aus dem Sinn sprichwörtlich verrückt…Clowns erschrecken unsere Kinder und bringen Sie nicht mehr zum lachen. All dieser moralischer Verfall bringt dieser globale Wahnsinn mit. Wenn der Chef nicht Vorbild ist, Manager Million für einen Club hinterziehen, etc. und somit andere bestehlen.
    Lasst uns als Spezies denken mit einer Vielfalt an Variationen an tollen Menschen aller Nationen! Talente die sich entfalten könnten in einer freien und friedvollen Welt in der Geld wirklich dient.
    Generationen leiden unter dem jetzigen System, die Kinder werden leiden und selbst unsere jetzige Generation sieht das eigene Leiden und kann das Glück doch nicht wirklich geniessen, mit dem Wissen an unserem Wohlstand klebt das Blut der Armen.

    Ihren Standpunkt wird man nicht ändern. Die Gründe spielen keine Rolle und ein persönlicher Angriff ist nicht mein Ziel. Aber ich bitte Sie wirklich die Dialoge mit den Kollegen zu führen und wirklich die andere Seite intensiver zu betrachten.

    Es bleibt alles immer einer Bilanz. Irgendwo wird bei einem Gewinn gemacht, also muss auch jemand was verlieren. Monopoly…

    Muss los, morgen startet die Schule in Brexitland.

    Mit freundlichen Grüssen

    Lars Kohler

  • Linh
    04.11.2016, 22:04 Uhr.

    Sehr geehrter Prof. Südekum,

    immer wieder zieht die Industrie in wettbewerbsfähigere Länder (Lohnniveau, Umweltstandards) Alles Länder stehen miteinander in Konkurenz. Wie lässt sich verhindern, dass Sozial- und Umweltstandards immer weiter abgesengt werden und zusätzlich deswegen andere Länder ihre Standards auch absenken müssen um noch wettbewerbsfähig zu sein? Wo liegen die Grenzen vom Wettbewerb?

  • Jochen
    04.11.2016, 22:03 Uhr.

    Guten Abend Herr Südekum,
    wie wird sich in Zukunft die Rolle der deutschen Wirtschaft in der globalisierten Welt verändern ? Wird Deutschland insgesamt eher ein Gewinner der Globalisierung bleiben oder werden auch Bereiche wie zum Beispiel die Wirtschaft oder soziale Standarts negativ beeinträchtigt werden ?
    vielen Dank für eine Antwort

  • makro
    makro
    04.11.2016, 22:02 Uhr.

    Das war`s für heute im makro-Blog. Herzlichen Dank für Ihr reges Interesse und vielen Dank auch an Prof. Jens Südekum für die Beantwortung der Fragen. makro gibt es wieder am nächsten Freitag um 21:00 Uhr. Dann geht es um Kuba. Geht die Annäherung zwischen der kleinen Karibikinsel und dem großen Nachbarn USA nach der US-Präsidentenwahl weiter? Wir wünschen Ihnen bis dahin eine gute Zeit! Ihr makro-Team

  • W.Kühn
    04.11.2016, 21:56 Uhr.

    M.E.werden die Effekte der rasanten Globalisierung unter den gesellschaftlich aktuellen Verhältnissen nicht in gleichermassen erlebbare soziale Fortschrittseffekte transformiert.Auch hier wieder: die negativen Effekte werden sozialisiert und die positiven Effekte vorwiegend privat wirksam.Das Bild des Normalbürgers sieht somit ganz anders aus, als aus der Position eines politischen und / oder wirtschaftlichen Funktionsträgers. Das Resultat ist eine zunehmende Abneigung , das Auseinandertriften der Ansichten zwischen der Masse und denen der Politik. Dann die Flucht in den Konservativismus und der Ruf nach alten und vertrauten Modellen bis hin in der Erstarkung nationaler Formen von Protektionismus bis in die übesten Formen einer Verhinderungspolitik. M.E. kann die einzigste gangbare Lösung in Richtung Fortschritt nur durch die Stärkung der Demokratie und die maximale Beteiligung der Mehrheit an den positiven Effekten der Globalisierung erfolgen. Das zu erreichen bedeutet kollosales Umdenken, bis hin zu revolutionären Veränderungen und dem Aufbrechen alter Strukturen.

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 22:02 Uhr.

      Bis zu Ihrem letzten Satz stimme ich Ihnen fast vollständig zu. Aber den letzten Satz finde ich nicht nachvollziehbar bzw er bedarf einer Erklärung, was Sie darunter verstehen.

  • D. Krautheimer
    04.11.2016, 21:56 Uhr.

    Bei Verträgen wie CETA oder TTIP hat sich gezeigt, dass hier nicht die Interessen der deutschen Bevölkerung, sondern die der deutschen Konzerne vertreten werden.
    Die Interessen deutscher Konzerne entsprechen weit mehr den Interessen amerikanischer bzw. kanadischer Konzerne als die der deutschen Verbraucher. Denn auch deutsche Konzerne haben Interesse an niedrigeren Verbraucher- und Umweltstandards.
    Wenn Bayer Gifte in Amerika verkaufen darf, die zu Recht hier in Europa verboten sind, hat Bayer natürlich ein Interesse daran, dass europäische Standards nach unten angepasst werden. Ganz offensichtlich wird dieser Interessenkonflikt durch die Übernahme von Monsanto, denn nun ist die Zulassung von Gentechnik auch deutsches Interesse.
    Der Einfluss von Konzernen auf die Politik muss unbedingt zurückgedrängt werden, da dies der Allgemeinheit schadet.
    Generell gilt:
    Wenn man zulässt, dass Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen Standortvorteile sind geht es eben den Arbeitern und der Umwelt in diesen Ländern dreckig.
    Wenn man unbedingt Globalisierung will, dann sollte man mit den Menschenrechten anfangen.

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 22:00 Uhr.

      In gewissem Maße gebe ich Ihnen recht. Aber Sie dürfen die handfesten Vorteile der wirtschaftlichen Globalisierung auch nicht unterschätzen.
      Nur weil Großkonzerne mehr davon profitieren als kleinere Unternehmen, heißt das noch lange nicht, dass deswegen die Bevölkerung verliert.
      Großkonzerne haben ihre Größe auch nicht umsonst: Sie sind sehr effizient und haben gute Produkte und Vorteile werden auch an die Konsumenten dieser Produkte weiter gegeben.

      • D. Krautheimer
        04.11.2016, 22:32 Uhr.

        Großkonzerne erreichen ihre Größe oft nur Übernahmen. Die Effizienz entsteht dann durch Entlassungen und Standortverlagerungen in Billiglohnländer und Steuervermeidung. Der Preis für den Konsumenten entsteht durch Wettbewerb. Wenn nur noch wenige große Anbieter gibt ist es für diese profitabler den Markt unter sich aufzuteilen als Preiskämpfe zu führen.

  • Ringelnitz
    04.11.2016, 21:42 Uhr.

    Eine zunehmende Globalisierung verschiebt die optimale Betriebsgröße vermutlich in vielen Fällen zu größeren Einheiten.
    Aber wo liegt ein Optimum in der Größe der Betriebe, so daß die meisten Player davon profitieren können?
    Wie unterscheidet sich dies für unterschiedliche Branchen.
    z.B. Halbleiterindustrie oder Landwirtschaft ..

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:58 Uhr.

      Sie haben Recht! Mehr Handel führt oftmals dazu, dass kleinere und unproduktivere Unternehmen aus dem Markt ausscheiden und größere und produktivere hinzu gewinnen. Das ist die Essenz des Modell von Marc Melitz, das unter Handelsökonomen sehr bekannt ist.
      Erstmal klingt das schlecht, aber es gibt auch einen Vorteil: Produktivere Unternehmen können den Kunden oftmals bessere und günstigere Produkte anbieten.
      Es gibt aber, wie Sie richtig schreiben, auch Unterschiede zwischen den Branchen.

    • Ringelnitz
      04.11.2016, 22:08 Uhr.

      Danke für die Anregung!:=)

  • Christian Wiermann
    04.11.2016, 21:42 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Südekum,

    Vielen Dank für Ihre interessanten Beiträge. Ist die zentrale Antwort auf die von Ihnen aufgeworfene Frage der Verteilung nicht Bildung, Bildung, Bildung. Müssen wir nicht Handelsgewinne gezielt in die Ausbildung unserer Bevölkerung investieren, um langfristig in den kapitalintensiven Branchen auch weiterhin komparative Vorteile zu haben?

    Viele Grüsse

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:55 Uhr.

      Lieber Herr Wiermann,
      Mehr Investitionen in Bildung sind eine politische Forderung, die niemals falsch ist. Inbesondere in einem Land wie Deutschland, das über keine anderen Rohstoffe verfügt. Insofern gilt das auch hier. Beste Grüße!

  • Herr Franz
    04.11.2016, 21:41 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Südekum,
    ich möchte Ihnen freundlichste Grüße aus Fulda zukommen lassen!
    Bis bald…

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:54 Uhr.

      Vielen Dank, Manuel!

  • Batista
    04.11.2016, 21:40 Uhr.

    Guten Tag Herr Südekum,
    werden von CETA vorrangig kanadische oder eher deutsche Unternehmen profitieren ?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:53 Uhr.

      Aus meiner Sicht werden vor allem mittelständische Unternehmen auf beiden Seiten gewinnen. Vielleicht prozentual etwas stärker in Kanada, denn bei Abkommen gewinnt typischerweise der kleinere Partner stärker.

  • Andreas Hesse
    04.11.2016, 21:40 Uhr.

    Wenn die maximale Rendite, oberstes Ziel des Kapitals, im freien Welthandel ist, dann ist die Rendite hier am höchsten, wo die Menchen in sozial und -umweltfeindlichen Umgebungen gefangen sind. Renditemaximierung nützt denjenigen die Kapital haben und schadet denjenigen, welche keins haben. Das ist der Quell für die weltweite soziale Schere. Dies ist eine Ursache für weltweite Flüchtlingsströme, Umweltzerstörung und politische Instabilität. Die einseitige Golbalisierung des Kapitals, ohne Globalisierung auf sozialen und ökologischen Gebieten, zu gunsten des höheren Standarts stürtzt die Welt in den Abgrund.

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:52 Uhr.

      Ich glaube diese Darstellung ist etwas zu einseitig. Wie gesagt: In China sind Millionen von Menschen der Armut entkommen – durch die Globalisierung! Das darf man nicht vergessen. Es geht der Menschheit heute IM DURCHSCHNITT materiell viel besser als noch vor 40 Jahren, daran besteht kein Zweifel.

      • Andreas Hesse
        04.11.2016, 22:07 Uhr.

        Ja, etwas einseitig vielleicht, aber die Funktionsstruktur ist richtig. Auch in China geht die soziale Schere auseiander, es gibt kaum Arbeitnehmerrechte, Arbeitssicherheit, sehr großse Umweltzerstörung, ein sehr istabilen Kapitalmarkt, Gendrifizierung, etc..
        Es geht den Chinesen in Durchschnitt sicher besser, aber langfristig auf Kosten von Umwelt und sozialem Frieden.

  • Reinhold Faller
    04.11.2016, 21:38 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Südekum,
    sie sprachen in der Sendung an, dass bei Verhandlungen zu Freihandelsabkommen, die Umverteilung zu wenig diskutiert wird. Wie würden Sie dies besser machen wollen?
    Wie sollte dies geregelt werden, damit es in Zukunft weniger Verlierer der Globalisierung gibt?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:51 Uhr.

      Dieser Zusammenhang zwischen Globalisierung und Verteilung muss zunächst einmal allen Akteuren bewusst sein. Ökonomen reden seit 70 Jahren darüber (seit Stolper und Samuelson, 1941). Aber in der Diskussion um TTIP kommt dieser Punkt nicht vor. Für mich schwer nachvollziehbar.

  • SMNK
    04.11.2016, 21:38 Uhr.

    Hallo Herr Südekum,

    Halten Sie Protektionismus in gewissen Bereichen, wie z.B. der Landwirtschschaft nicht als wirksamen Hebel um Bereiche aus der Globalisiersung auszuschließen die offensichtlich nicht von der Globalisierung profitieren.
    Globalisierung schön und gut, ich kaufe auch ein Handy aus Korea. Aber die Milch die ich trinke und das Schnitzel dass ich esse darf doch gerne aus der Region kommen, auch wenn das nicht zu Dumping Preisen geht. Und wenn billig Weizen aus Industrieländern die Nahrungsversorgung in Afrika gefärdert ist das genauso wenig erstrebenswert. Globalisierung sollte Grenzen haben. Ansonsten wird die Welt am globalisierten Transport ersticken.

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:49 Uhr.

      Zunächst einmal haben Sie als Konsument die Möglichkeit, nur regionale landwirtschaftliche Produkte zu kaufen. Und bei vielen Handelsabkommen werden dezidiert bestimmte Wirtschaftszweige ausgenommen; oftmals auch die Landwirtschaft. Das geschieht aber manchmal auch deswegen, weil diese Branchen extrem effiziente Interessenvertreter haben, die sich Konkurrenz vom Hals halten wollen. Aber manchmal gibt es auch „gute“ Gründe für die Ausklammerung bestimmter Bereiche. Japan bietet da Anschauungsmaterial.

      • D. Krautheimer
        04.11.2016, 22:05 Uhr.

        Viele Menschen haben eben nicht mehr die Möglichkeit beim Bauern oder auf dem Markt einzukaufen. Sie sind auf Grund ihres Wohnortes auf Supermärkte und Discounter von Handelskonzernen angewiesen. Und die Nahrungsmittelindustrie verhindert (wahrscheinlich auch in Zusammenarbeit mit Handelskonzernen) eine aussagekräftige Kennzeichnung ihrer Produkte.
        So kann der Konsument keine bewusste Entscheidung treffen.

  • Lukas
    04.11.2016, 21:38 Uhr.

    Welche Rolle spielt die Zeit für alle Akteure in der Einführung solcher Verträge?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:49 Uhr.

      Kann die Frage nicht genau einordnen…Tut mir leid!

      • Lukas
        04.11.2016, 21:57 Uhr.

        Vorteile in der Produktion können sich verschieben, über Produkte hinzu Produzenten. Sollten solche Verträge nicht über eine längere Zeit mit der Bevölkerung diskutiert und ggfs.die Verlierer durch z.B. Bildungsprogramme gestärkt werden. Oder ist es ökönomisch sinnvoller schneller Gewinne einzufahren?

  • Peter Schertler
    04.11.2016, 21:37 Uhr.

    Guten Abend Herr Südekum,
    ich kann Herrn Maier nur zustimmen. Solange Globalisierung keine Umwelt- und Sozialstandards zwingend beinhaltet, wird Arbeit dorthin verlagert, wo sie halt noch sehr billig ist.
    Ich denke wir brauchen eine Welt die gerechter und vor allem ökologischer ist. Nicht der billigste Preis ist der richtige, sondern der, mit dem ökologisch nachhaltig produziert werden kann. Am Beispiel der Milch ist das für uns sehr gut sichtbar. Wir brauchen nicht billige, sondern gute Milch. Keine Massentierhaltung sondern ökologischer Freilandhaltung.
    Meine Frage: Wie kann solch ein Prinzip in das Wirtschaftssystem hineingenommen werden? Oder halten Sie es für nicht sinnvoll?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:46 Uhr.

      Man sollte die Macht der Konsumenten nicht unterschätzen. Viele Unternehmen, die zu extrem schlechten Konditionen produzieren, haben schon heute ein massives Imageproblem was sich dann mittelfristig auch auf ihre Gewinne negativ auswirkt.
      Eine politische Regulierung ist da schwieriger als eine gezielte Selbstorganisation der Konsumenten.

  • Gunnar Sohn
    04.11.2016, 21:35 Uhr.

    Sie sprachen von der Notwendigkeit flankierender Maßnahmen bei den Freihandelsabkommen, Herr Professor Südekum. Greift das nicht zu kurz. Geht es nicht auch um die Respektierung der res publica. Das öffentliche Aushandeln von Positionen. 90 Prozent der Themen, die in den Handelsabkommen TTIP und CETA verhandelt werden, betreffen öffentliche Interessen und sollten deswegen auch öffentlich besprochen werden. Wenn Big Business und Big Goverment zusammengehen, dann ist das kein Multi-Stakeholder-Modell. Brauchen wir hier nicht auch neue Regeln für Global Governance?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:44 Uhr.

      Ich gebe Ihnen recht: Die Art und Weise, wie TTIP hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde, war keine Glanzleistung der Demokratie. Das kann man besser machen und viele der kontroversen Elemente (wie Schiedsgerichte) müssten nicht zwingend ein Teil von TTIP sein.
      Trotzdem müssen wir festhalten, dass eine Intensivierung des Handels mit den USA unter dem Strich Wohlfahrtsgewinne in Europa erzeugen würde. Und wir müssen dafür sorgen, dass diese fair verteilt werden.

  • Philipp F
    04.11.2016, 21:33 Uhr.

    Sehr geehrter Prof. Südekum,

    wie kann man am besten ein weltweites „race to the bottom“ verhindern?

    Danke für ihre Antwort

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:42 Uhr.

      „Race to the bottom“ ist nicht ganz zutreffend. Natürlich, China produziert heute keine Billig-T-Shirts mehr, das machen heute andere Länder. Aber dafür hat in China ein „race to the top“ eingesetzt: dort werden jetzt z.B. iPhones zusammengesetzt, zu wesentlich besseren Löhnen.
      Auch hier gilt: Es gibt Gewinner und Verlierer und auch über die Kompensation der Verlierer in China muss man sich Gedanken machen.

  • Erwin Schmutzer
    04.11.2016, 21:32 Uhr.

    Der Hinweis auf eine diffuse Angst vor Globalisierung würde sich erübrigen, wenn gezielt die Knackpunkte angesprochen würden: Unternehmensgewinnmaximierung geht vor Verbraucher und Umweltschutz, Unternehmen können dies in Schiedsgerichtes einklagen und kein Statt hätte die Möglichkeit sich zu wehren. Veränderung des Abkommens TTIP NACh Vertragsunterschrift – dann brauchts keinen Vertrag.
    Das grösste Problem aber seit TTIP & Co öffentlicher wurde: Warum sprechen Moderatoren nicht gezielt die Knackpunkte der Freihandelsabkommen an? Warum spricht Hr. Südekum diese nicht von sich aus gezielt an?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:40 Uhr.

      Ich denke ich habe genau den Knackpunkt von Globalisierung angesprochen: Verteilunsgwirkungen („Gewinner und Verlierer“). Die Argumentation mit den Interessen der Großkonzerne ist für mich weniger überzeugend und CETA/TTIP wird denen auch nicht in aller erster Linie dienen. Die sind nämlich schon längst globalisiert. Die Abkommen nutzen vor allem deutschen Mittelständlern.

      • D. Krautheimer
        04.11.2016, 22:19 Uhr.

        Oft stehen große ausländische Konzerne nationalen KMU als Konkurrenten gegenüber. Jeder noch so kleine Vorteil für Konzerne schadet den KMU, so dass sie leichter übernommen oder verdrängt werden können.
        Außerdem kann TTIP gar nicht für eine Vereinheitlichung der Normen in den USA, was immer als der größte Vorteil herausgestellt wurde, erfüllen, da Normen privat auf Ebene der Bundesstaaten geregelt werden. Wenn schon solche elementaren Fehler verschwiegen werden kann man den anderen Versprechungen auch nicht trauen.

  • Sebastian
    04.11.2016, 21:31 Uhr.

    Kann der Bürger in Deutschland das Handelsabkommen Ceta noch stoppen?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:38 Uhr.

      Theoretisch ja. CETA ist ja noch nicht ratifiziert und muss noch durchs EU-Parlament und den Bundestag. Aber aus meiner Sicht ist CETA ein gutes Handelsabkommen und niemand muss wirklich Angst davor haben. Viele der kritischen Punkte (wie z.B. Schiedsgerichte) wurden entschärft.

  • David A.
    04.11.2016, 21:31 Uhr.

    Musste zum Schluss schmunzeln. Verbraucher brauchen keine 3 Euro für ein Tshirt zu zahlen ? Unsere Löhne zwingen uns doch dazu

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:37 Uhr.

      Damit ist aber auch ein wichtiger Vorteil der Globalisierung angesprochen, der oftmals übersehen wird: Sinkende Preise für Produkte. Die T-Shirts für 3 Euro sind natürlich ein krasses Beispiel. Aber Smartphones zu bezahlbaren Preisen gäbe es ohne die Globalisierung nicht.

      • Silvia Schuler
        04.11.2016, 21:53 Uhr.

        Immer mehr und immer billiger zu produzieren kann doch nicht wirklich ein Ziel sein! Wir leben im Überfluss! Wir haben auf der Erde nur begrenzte Resourcen damit lässt sich nicht unbegrenzt Wachstum erzeugen. Nachhaltigkeit ist wichtig! Und es ist alles andere als nachhaltig, wenn wir Produkte, die regional erzeugt werden können um die Ganze Welt transportieren.

  • Holger Voss
    04.11.2016, 21:27 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Südekum,

    einerseits ist es ja bekanntlich so, dass die EU im gesamten als Handelspartner agiert. Gleichzeitig habe ich jedoch kürzlich mit Interesse von einem bilateralen Handelsabkommen zwischen der Volksrepublik China und unserer Bundesrepublik Deutschland gehört. Ist Ihnen zu letzterem näheres bekannt?

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:36 Uhr.

      Das kann so nicht stimmen. Deutschland betreibt keine autonome Handelspolitik mehr, sondern Verhandlungen zu Handelsabkommen mit Drittstaaten sind auf EU-Ebene angesiedelt, so wie auch TTIP und CETA

      • Holger Voss
        04.11.2016, 21:39 Uhr.

        Da wäre ich mir nicht so sicher. Auf jedenfall schon einmal danke fürs Interesse.

      • Holger Voss
        04.11.2016, 21:58 Uhr.

        Im Rahmen eines bestehenden Investitionsschutzabkommens zwischen Deutschland und China, welches zugunsten entsprechender Investitionsbedingungen beider Seiten vereinbart wurde, sollte ich wohl besser von einem bilateralen „Wirtschaftsabkommen“ sprechen. Mit Handel hat dies in der Tat nichts zu tun. Ich hatte eben von einem Abkommen bezüglich der wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder gehört. Und dank makro und den heute Beteiligten an der Sendung weiß ich nunmehr enicht näheres hierüber.

        • Holger Voss
          04.11.2016, 22:00 Uhr.

          endlich, nicht enicht.

  • Holger Maier
    04.11.2016, 21:23 Uhr.

    Das Hauptproblem der Globalisierung ist Angebot und Nachfrage.
    Angebot und Nachfrage bei den Arbeitnehmern.
    Plötzlich sind Millionen armer Arbeitnehmer verfügbar geworden, die sich gegenseitig die Löhne kaputt gemacht haben. Nur der billigste bekommt die Arbeit. Arbeitnehmer, die dank fehlender Sozialsystem bereit sind, für einen Hungerlohn zu arbeiten, weil sie müssen.

    Millionen Arbeitnehmer, mit denen man dank Globalisierung plötzlich auf Märkten verkaufen konnte, auf denen Kapital zu holen ist. Was dort die Produzenten zerstört hat.

    Deshalb verlieren weltweit (Afrika, Asien, Mexico, usw.) ALLE Arbeitnehmer. Es gibt zwar in den armen Ländern jetzt Arbeit, aber Arbeit, die kaum zum Leben reicht.
    Arbeit, die aus den bisherigen produzierenden Ländern abgezogen wurde.

    Und was noch schlimmer ist: Globalisierung zerstört auch noch das bisschen Wirtschaft, das in so manchem armen Land vorhanden ist.
    Dort geht Landwirtschaft kaputt, weil selbst die armen Bauern nicht gegen die industrialisierte und subventionierte Landwirtschaft ankommt. (siehe Milch, Mais, Hühnerfleisch, …) oder sich die armen Länder gegenseitig die Preise zerstört (siehe Baumwolle, Kaffee, …).

    Lokale Märkte erzeugen lokale Warenflüsse und maximale Arbeit.

    • Jens Südekum
      04.11.2016, 21:34 Uhr.

      Ich glaube das ist etwas zu drastisch dargestellt. Die Globalisierung hat – wie gesagt – Millionen von chinesischen Arbeitern einen bescheidenen Wohlstand beschert. Das hätte es ohne Handel nicht gegeben.

      • Silvia Schuler
        04.11.2016, 21:46 Uhr.

        Wie sehen Sie das Abkommen EPA? Haben wir Europäer dadurch in Afrika nicht Wirtschaftsstrukturen zerstört und die Afrikaner in die Abhängigkeit von uns und den Finazmärkten getrieben? Monsanto ist auch ein gutes Beispiel wie es nicht laufen sollte! Was da als „Fortschritt“ verkauft wird, schadet mehr als es nützt.

  • makro
    makro
    04.11.2016, 20:42 Uhr.

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