Saaten: Reden Sie mit!

161216_mak_genver_soja_n#dpa Schon lange gewinnen Bauern nicht mehr ihr eigenes Saatgut. Das ist längst zum Geschäft von Züchtern geworden. Allen voran Bayer/Monsanto, Syngenta und DuPont.

Zu dieser Entwicklung hat in den 60er Jahren die „grüne Revolution“ beigetragen. Damals halfen Hybridzüchtungen und die Herstellung von Hochertragssorten in den Entwicklungsländern den Hunger zu bekämpfen. Doch ihre Verbreitung führte auch dazu, dass Saatgut im Rahmen einer industrialisierten Landwirtschaft eine profitable Unternehmung wurde.
Das hat fatale Folgen: Die Oligopole einiger Anbieter können dazu führen, dass armen Landwirten der Zugang zu Saatgut, einem für sie lebenswichtigen Produktionsmittel, verwehrt wird. Und sie können dazu führen, dass die Lebensmittelpreise steigen, wodurch die Lebensmittel für die Ärmsten noch weniger verfügbar werden. Ganz zu schweigen von der Biodiversität.

Zu Gast bei makro ist der promovierte Tierarzt Christoph Then. Er beschäftigt sich seit etwa 20 Jahren mit aktuellen Fragen der Gen-und Biotechnologie und ist gegen Patente auf Saatgut.
Diskutieren Sie mit. Muss das Saatgut genverändert und hocheffizient sein? Oder eher divers und angepasst!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

26 Kommentare

  • Henrik Müller
    21.01.2017, 1:15 Uhr.

    Die Welt wird mit der Gentechnologie wohl um ein vielfaches komplexer und wir Menschen haben unsere selbst geschaffene Welt jetzt schon nicht mehr so richtig im Griff. Niemand kann sagen, wie sich genveränderte Organismen auf Dauer in der Umwelt verhalten und was sie bewirken. Wenn auch manches an der Gentechnologie positiv sein könnte, der Zufall wird im Laufe des Gentechnikzeitalters wohl einen unkontrollierbaren Code ins Leben rufen, der der Menschheit entweder den Gar ausmacht, oder zumindest gravierende ungewollte Veränderungen in seinem Erbgut verursachen wird. Das Leben auf der Erde wird selbstverständlich weitergehen, insofern ist das kein großes Problem für den Planeten, eher für die Individuen, die sehr darunter leiden werden.
    Für die großen Konzerne ist die Gentechnologie so etwas wie das Perpetuum Mobile in der Energiewirtschaft: Die selbstbefruchtenden Profitmaximierungsmaschine. Man kann die Krankheit und die Medizin praktisch in einem Arbeitsgang schaffen und damit bombastische Geschäfte lukrieren. Vorsicht daher vor Konzernen, die sowohl in der Pharmabranche, als auch in der Landwirtschaft/Saatgutherstellung/Lebensmittelindustrie tätig sind oder Fusionierungen anstreben, die einen Megakonzern schaffen, der all diese Bereiche abdeckt.
    Greenpeace ist zwar gegen Gentechnologie beim Saatgut, trotzdem kann man Greenpeace auch kritisch sehen. Mittlerweile ist Greenpeace von der Größe her einem Konzern ähnlich und Konzerne haben naturgemäß Konzerninteressen, die da wären: Selbsterhaltungstrieb, Wachstum und Profitmaximierung, wobei der Profit bei NGOs wohl mehr durch die Zunahme an Einfluss auf politische Entscheidungen definiert sein könnte und weniger durch den finanziellen Gewinn. In diesem Zusammenhang werden von solchen Organisationen auch unter Umständen Kompromisse eingegangen und gerade beim Umweltschutz sollte es keine Kompromisse geben.

    Siehe dazu die Unterstützung von Greenpeace für das Lobbyprojekt Glühbirnenverbot in der EU und der damit einhergehenden Förderung der umweltschädlichen Energiesparlampen, die wesentlich mehr Schaden anrichten, als Nutzen bringen. Dieses Opfer wurde scheinbar auf dem Altar der ausgerufenen Energiewende gebracht.
    Ein weiteres Problem sind zu einseitig betrachtete Umweltschutzaspekte: Zum Beispiel töten die Inuit jedes Jahr eine große Anzahl an Robben, ihre Lebensgrundlage, das tägliche Essen. Das geschieht allerdings im Eigeninteresse in einer nachhaltigen Art und Weise, die Inuit wollen ja auch noch im Jahr darauf Robben essen. Die Felle dürfen Sie wegen der Politik von Greenpeace nicht mehr verkaufen, weshalb die Inuit nun andere Einnahmequellen benötigen um Ihr Überleben zu sichern. Eine davon ist die Arbeit in Minenbetrieben im sensiblen Gebiet der Arktis, wodurch teilweise unabsehbare Schäden an der Umwelt durch ausgeleitete Gifte entstehen. Die Inuit behaupten jedenfalls, dass die Greenpeace Leute einmal im Jahr für zwei Wochen kommen und dann Rückschlüsse auf die Ewigkeit ziehen, die immer dort anwesenden Inuit werden aber zu wenig nach Ihren Erfahrungen gefragt. Laut Inuit ist auch die Bedrohung der Eisbären durch den Klimawandel ein Märchen, es gibt mehr Eisbären denn je.
    Man sieht also Umweltschutz ist manchmal gar nicht so einfach.
    Einfach ist es jedoch mit der Saatgutherstellung: Wenn etwas mehr als tausend Jahre funktioniert hat, dann sollte man damit weitermachen. Ich meine also die herkömmliche Züchtung von naturnahen Saatgutsorten, deren Ernte auch wiederum keimfähig ist. Das ist die beste Grundlage für eine nachhaltige Saatgutwirtschaft für die nächsten Tausend Jahre.
    Eine gute Möglichkeit das zu Unterstützen ist die Förderung von Vereinen, die sich mit der Saatguterhaltung von alten Sorten befassen, z.B. die „Arche Noah“ in Österreich, es gibt mittlerweile in vielen Europäischen Ländern solche Vereine.

  • Werner Leßer
    17.12.2016, 8:55 Uhr.

    Ich hätte mir noch einen Hinweis auf das Buch „Food Crash“ von Felix von Löwenstein gewünscht; zwar schon etwas älter, hat es aber an Aktualität nichts verloren.
    Es zeigt, dass an eine nachhaltige, an ökolögischen Prinzipien ausgerichtete Landwirtschaft für das Überleben der Menschheit unabdingbar ist.

  • G.A:
    16.12.2016, 22:11 Uhr.

    hallo…hier werden große gedanken und auch sicher richtige gedanken eingebracht. Hier wird doch jeder konventoinel wirtschaftende Landwirt als vergifter der umwelt dargestellt. ich als Landwirt kann nur sagen das von dr Landwirtschaft nur Pflanzenschutzmittel und Dünger eingsetzt werden die von Staatlichen Stellen zugelassen werden! Und zum Thema Gentechnik kann ich nur sagen das hier in von keiner menschenseele dieses Saatgut verlangt wird

  • L.
    16.12.2016, 22:07 Uhr.

    Ich möchte mich Richard Kroll anschließen. Nur der Abbau der Überbevölkerung gibt uns die Chance auf ein Überleben. Vielleicht ist nicht einmal eine weltweite ein-Kind-Politik nötig, aber 2 Kinder pro Paar wären anzustreben, zumal es auch Menschen ohne Kinderwunsch gibt. Alle anderen Maßnahmen greifen zu kurz. Liebes Makro-Team: Macht doch bitte mal eine Sendung über diese Problematik und lanciert einen Appell an die Organisationen, sich in diesem Bereich zu engagieren. Seid Ihr eigentlich auch meiner Meinung?

  • makro
    makro
    16.12.2016, 22:06 Uhr.

    Das war`s für heute im makro-Blog. Wir bedanken uns für Ihr Interesse und bei unserem Studiogast, Dr. Christoph Then, für die Beantwortung der Fragen.
    Die nächste makro-Sendung sehen sie am 13. Januar zum Thema „Risiko Armut – Beruht unser Wohlstand auf der Not anderer?
    Wir wünschen Ihnen bis dahin ein geruhsames Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2017. Ihr makro-Team.

  • A. Graf
    16.12.2016, 21:57 Uhr.

    Ich will als Verbraucherin keine Pestizide und keine Gentechnik, die Pflanzen gegen bestimmte Pestizide resisstent macht.
    Ich will kein Gift essen und es nicht im Boden haben. Ich will keine Patente auf Lebensmittel und ich will Artenvielfalt!
    Ein Biobauer bei uns in der Nähe zeigt, dass es gute Alternativen gibt. Sein Bereich bezieht sich auf Kühe. Allein eine längere Lebensdauer der Tiere, die möglich ist, wenn eine Kuh keine Hochleistungskuh sein muss, vermindert den Methanausstoß um 20 %. Die konventionellen Kühe sind nach kurzer Zeit „durch“. So wie ich es mir gemerkt habe, sind dann Hufe und Leber kaputt.
    Wenn Kühe nur Heu und Gras und kein Silo/ Kraftfutter fressen, vermindert sich der Methanausstoß weiter und im Fleisch sind – auch das so wie ich es mir gemerkt habe – KEINE Ecolibakterien und Clamydien. Diese Ernährung vier Wochen vor dem Schlachten bringt anscheinend auch schon enorm viel.
    Mein Fazit – nicht alles, was möglich ist und die „Leistung“ erhöht ist wirklich ein Gewinn. Was ist Fortschritt????? Diese Frage stellt sich auch in Bezug auf Gentechnik.
    Eine Frage zu Saatgut. Wir haben Mais von Hopiindianern aus USA geschenkt bekommen, der dort in einer sehr trockenen, wüstenähnlichen Gegend angebaut wird. Vielleicht könnte man diesen Mais auch in Afrika anbauen. Gibt es Möglichkeiten diesbezüglich Kontakte zu knüpfen? An welche Stelle könnte man sich wenden?
    Danke

    • Dr. Christoph Then
      16.12.2016, 22:01 Uhr.

      Es gibt in Afrika viele regional angepasste Maissorten, deswegen ist vielleicht die Sorte aus den USA gar nicht so geeignet. Aber es gibt Saatgutinitiativen die sich auf den Austausch von altem Saatgut spezialisiert haben. Versuchen Sie z.B. den Verein Kultursaat e.V. zu kontaktieren.

  • Stefan
    16.12.2016, 21:50 Uhr.

    Wenn Züchter und pflanzenschutzfirma zusammen in einer Hand sind, ist es fast ausgeschlossen, das zB. Bei Kartoffeln eine gegen krautfäule resistente Sorte gezüchtet wird. Ohne krautfäule kein fungizideinsatz mehr notwendig, also keine Gewinne in dem Pflanzenschutz also kontraproduktiv für den Konzern.krautfäulebekämpfung mit Fungiziden ist ein großer Kostenfaktor in der kartoffelproduktion Solche Sorten werden dann aus eigenintresse verworfen.

    • kurt
      16.12.2016, 21:56 Uhr.

      unglaublich, oder? in was für einer kranken welt wir mittlerweile leben. wenn man ein wenig hinter die kulissen blickt kann man nur noch den kopf schütteln…

  • R.
    16.12.2016, 21:49 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Then,
    mich würde interessieren, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Gen- und Biotechnologie in der Landwirtschaft und dem vermehrten Einsatz von phosphathaltigem Dünger bzw. ob die Gentechnik den Verbrauch von Phosphat steigert ?

    • Dr. Christoph Then
      16.12.2016, 21:53 Uhr.

      Gentechnikpflanzen verringern zumindestens den Phosphatbedarf nicht. Generell geht der Anbau von Hochleistungspflanzen oft mit einem höheren Einsatz von Düngemittel einher.

  • kurt
    16.12.2016, 21:46 Uhr.

    ich bin selbst arzt und umweltmediziner und langjähriger unterstützer von greenpeace und anderen umweltschutzorganisationen. ich möchte ja nicht wissen wie die welt ohne sie aussehen würde.
    stichwort zika-virus und angeblicher grund für die gehäuften mikrozephaliefälle in südamerika. argentinische ärzte haben ja festgestellt dass es einen zusammenhang gibt zwischen bestimmten pestiziden die ins grundwasser gelangten – na klar, von monsanto! von wem sonst?! – und dem auftreten dieser anomalie. und jeder der sich nicht vertieft mit bspw. diesem thema auseinandersetzt ist nach wie vor der meinung dass die bösen mücken dafür verantwortlich sind.
    es muss endlich die ganze schweinerei dieser geldgierigen und zerstörerischen chemieriesen wie monsanto und co aufs tapet!! und es braucht konsequenzen!!!

  • Jolana Kodal
    16.12.2016, 21:40 Uhr.

    was kann man denn als Verbraucher tun, um die Vielfalt an Saatgut zu unterstützen? Ich kaufe gerne samenfestes Gemüse – ich denke, da ist wenigstens jegliche Genveränderung ausgeschlossen. Allerdings finde ich nur sehr selten Informationen dazu. Eine Deklarationspflicht gibt es ja nicht?! Was ich mich da auch frage: was ist der Unterschied zwischen Hybriden und tatsächlicher Genmanipulation?

    • Dr. Christoph Then
      16.12.2016, 21:45 Uhr.

      Sehr geehrte Frau Kodal,

      samenfeste Sorten bieten tatsächlich Vorteile, sie können auch in der nächsten Generation wieder ausgesät werden. Viele kleine Züchter versuchen auch alte Sorten zu verkaufen. Durch den Kauf des Gemüses leisten Sie einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Deklariert wird das nicht. Am ehesten arbeitet der ökologische Landbau mit diesen Sorten.

      Hybridzüchtung ist im engen Sinne keine Gentechnik sondern eine Züchtung bei der die Ernte nicht samenfest ist, somit muss man jedes Jahr das Saatgut neu kaufen.

  • Richard Kroll
    16.12.2016, 21:35 Uhr.

    An interesting program, but unfortunately it ignored the simplest solution to feeding the world: 2 to 3 generations of one-child families.

    Norman Borlaug, the founder of the Green Revolution, said in the 60’s that the Green Revolution should only be considered a stop gap measure to give mankind time to get their population numbers right.

  • Bill Wiss
    16.12.2016, 21:34 Uhr.

    Wieder mal ein Experte der soviel Ahnung hat…
    Danke!

  • Andrea Wandl
    16.12.2016, 21:32 Uhr.

    Hallo Herr Then.
    Danke für Ihre kritischen Worte. Seit Ihrem Vortrag bei unserer Schafhalter Vereinigung bin ich Ihr größter Anhänger und kämpfe privat und bei mir am Hof, gegen Gentechnik.
    Danke!!!

  • Holger Voss
    16.12.2016, 21:32 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Then, ist es aus Ihrer Sicht möglich, Biokerosin aus gentechnisch hergestelltem Saatgut herzustellen, um somit u.a. eine Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion zu verhindern?

    • Dr. Christoph Then
      16.12.2016, 21:37 Uhr.

      Sehr geehrter Herr Voss,

      mir ist nicht bekannt, dass die Gentechnik hier besondere Chancen bietet. Das Problem liegt auch darin, dass Nahrungspflanzen und Energiepflanzen auf dem Acker in Konkurrenz stehen. Daran ändert auch die Gentechnik nichts.

      • Holger Voss
        16.12.2016, 21:44 Uhr.

        Danke für die Antwort Herr Then. Es gilt also weiter zu forschen, inwiefern sich Genpflanzen zur Herstellung von Biokerosin eignen.

        • kurt
          16.12.2016, 21:48 Uhr.

          wir brauchen gar keine genmanipulierten pflanzen! auch nicht für „biokerosin“!

  • Rainer Becker
    16.12.2016, 21:30 Uhr.

    Warum sollte ich mit einem Tierarzt und langjährigen Greenpeacemitarbeiter, also ideoligiegetränkt diskutieren? Ich habe in der angewandten Genetik promoviert und diese Art Missinformationen wie in ihrer Sendung, sind seit 30 Jahren schwer auszuhalten. Laden Sie doch mal einen Experten ein und nicht einen Ideologen.

    • R.
      16.12.2016, 21:38 Uhr.

      Inwiefern handelt es sich denum fehlerhafte Ingormationen ?
      Konstruktive Kritik ist beim wahlosen Einsatz von Gentechnik im Bezug auf Saatgut (und die folgende Patentierung) ja wohl angebracht.

    • kurt
      16.12.2016, 21:40 Uhr.

      ich höre lieber einem promovierten tierarzt zu, der sich seit 20a mit diesem thema beschäftigt und bei einer unabhängigen und tollen organisation wie greenpeace arbeitete als irgendeinem promovierten genetiker, der vmtl nie über den tellerrand zu schauen vermochte.

      • Rainer Becker
        16.12.2016, 23:46 Uhr.

        113 Nobelpreisträger haben in diesem Jahr die Blockade der Gentechnik als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ bezeichnet. Greenpeace ist deren Meinung nach eine „Lobbyorganisation , die ihr Geld auch mit der Angst gegen Gentechnik verdient“. Mehr Informationen kann man googlen.

  • makro
    makro
    16.12.2016, 18:51 Uhr.

    Liebe Nutzer des makro-Blogs, wir wünschen ein offenes, freundliches und respektvolles Diskussionsklima. Bitte wahren Sie einen fairen und sachlichen Ton. Diese Diskussion wird moderiert und wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsere Netiquette missachten. Vielen Dank!

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