Mittelschicht: Reden Sie mit!

Der Soziologe Prof. Stephan Lessenich. Bild: Götz Schleser

Der Soziologe Prof. Stephan Lessenich. Bild: Götz Schleser

Ob die Mittelschicht in Deutschland schrumpft oder nicht, ist unter Wirtschaftsforschungsinstituten umstritten. Ziemlich klar ist jedoch, dass in vielen Industrieländern, sei es Frankreich oder die USA, die Mittelschicht unter Druck gerät.

Und auch bei uns beschleicht viele Menschen die Sorge, ob sie ihren Lebensstandard in Zukunft noch werden halten können. Die Belastungen nehmen ja nicht ab: Finanzierung der Rentner von heute, Ausbildung der Kinder, Vorsorge fürs eigene Alter, Digitalisierung, globale Konkurrenz.

Zu Gast bei makro ist der Soziologe Prof. Stephan Lessenich. Er sieht als zentrales Problem prekäre Jobs und befristete Verträge, das Ausfransen der Gesellschaft am unteren Ende. Er sagt: „Die wirtschaftlichen Ungleichheiten in dieser Gesellschaft sind größer geworden.“ Diskutieren Sie mit ihm direkt nach der Sendung hier in unserem Blog!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

93 Kommentare

  • neo top
    07.04.2017, 22:47 Uhr.

    3 Hilfreiche Links zum Thema:

    https://www.heise.de/tp/features/Globalisierung-und-Entwurzelung-3671717.html

    https://www.heise.de/tp/news/Portugals-Ausstieg-aus-der-Austeritaetspolitik-3583593.html

    https://www.heise.de/tp/features/Der-Albtraum-vom-Kapitalismus-ist-wahr-geworden-3608638.html

  • neo top
    07.04.2017, 22:35 Uhr.

    Interessante Ansätze und Fragen, Zahlen und Fakten, die leider einige Dinge ausklammerten oder versuchten zu relativieren und zu beruhigen, was einfach nicht relativiert gehört – schon gar nicht mit Hilfe öffentlich-rechtlicher Medien und der Wissenschaft:

    So erleben wir seit spätestens 2008/2012 den „größten Raubzug der Geschichte“ und eine Verschiebung der Verhältnisse, durch „Steuervermeidung“ im großen Stil (meistens Großverdiener und Konzerne) , einer aktiven Deregulation der Finanzmärkte und der Plünderung aller Sozialsysteme und der Arbeiterschaft durch verspäteten und zu niedrigen Mindestlohn, zu zähen Tarifverhandlungen, Korruption in Politik und Gewerkschaften, etc.!

    Das durch Internet, freien investigativen Journalismus und aktiven sozialen Bewegungen immer mehr Menschen Fragen stellen bzw. leider mittlerweile viele die Antworten (wegen niedrigen Bildungsstand und fremdenfeindlichen Abschottungstendenzen) bei den rechten Rattenfängern suchen, wurde bereits zu beginn der Finanzkrise (die eigentlich eine Bankenkrise und Systemkrise ist) von 50 unabhängigen Wissenschaftlern angemahnt bzw. vorausgesehen!

    Vorausgesetzt wurde damals, das die neoliberale Agenda und Eurorettungspolitik weitergeführt würde und weiterhin MILLIARDEN Steuergelder unter dem Vorwand „Rettungspakete“ zu sein, an Banken fliessen, die sich

    a) tierisch verzockten
    b) selbst nach der „Rettung“ zeigen, das sie NICHTS dazugelernt haben

    Alles unter dem Vorwand der „Systemrelevanz“, was nichts anderes als niedere Erpressung aller Staaten darstellt!

    Ich erinnere: DIESE MILLIARDEN FEHLEN IN SOZIAL-, GESUNDHEITS-, BILDUNGS-UND AUCH IM RENTENSYSTEM!

    Die KOLLEKTIVIERUNG VON PRIVATSCHULDEN (DER BANKEN) UND DIE HAFTUNG DES STEUERZAHLERS, trifft als erstes und in härtester Konsequenz die Unterschicht und nun auch die Mittelschicht!

    Das sind keine subjektiven Gefühle und Ängste, sondern immer mehr wahrnehmbare Fakten!

    Fragt auch mal die Menschen in Griechenland, Spanien und Portugal!

    Und so finde ich es mehr als schade, das dieses Klassensystem überhaupt noch existiert und nur noch vereinzelt (und meist im Nachtprogramm) hinterfragt und kritisiert wird! Gerade hier sollten Medien und Wissenschaftler wieder bessere Arbeit ablegen, als nur die neoliberale Agenda zu propagieren und die Menschen zu beruhigen.

    Was glaubt ihr eigentlich, woher dieser immense Vertrauensverlust her kommt!?

    Es ist das was ihr weg lasst oder falsch darstellt, ausserdem die Tendenz des ganzen, die immer mehr Menschen stutzig werden lässt.

    Der Kapitalismus ist die Krise – also lasst uns aufhören nur jeden Tag über Skandale und Symptome zu debatieren und ruht euch bitte auch nicht auf eure tollen Soziologen- und Moderatorengehältern aus.

    Es gilt zu hinterfragen, zu kritisieren, zu benennen und NICHT zu beruhigen:

    Die meisten Menschen in diesem Lande, die heute hart arbeiten gehen, werden eben wirklich keine oder nur geringe Rente bekommen, WENN das ganze Spiel so weiter geht: Dafür sorgen dann wiederum die Spekulanten, Zocker, Bankster und gierigen Vermögenden, die sich leider oft charakterlich eben NICHT dazu eignen, gesellschaftlich relevante oder andere wichtige Posten der hierarchischen Macht zu stellen, da sie mittlerweile eine große Gefahr für (sozialen) Frieden, Umwelt, Demokratie und Freiheit darstellen!

    Dies sind keine großen, leeren Worte, sondern lassen sich einzeln und ausführlich genauso faktisch präsentieren, wie Sie heute versucht haben mit nackten Zahlen die ganze Misere zu relativieren!

    Am Schlechtesten und Entlarvendsten fand ich den Satz (zu den Rechtspopulisten), das sie ja alle selber Schuld wären an Arbeitslosigkeit oder persönlichem Scheitern, und eben nicht, die Systemdynamiken und Verbrechen des Kapitalismus, die JEDEN TAG geschehen.

    Und schon wieder versucht man die Menschen untereinander zu spalten und gegeneinander aufzuhetzen, damit auch niemand mehr nach oben schaut!?

    Der Moderatorin und Ihnen als Soziologen unterstelle ich noch nichtmals bezahlte Auftragsarbeit für gewisse Kreise (wie einige Kollegen) abzuliefern- viel schlimmer noch: Sie glauben wahrscheinlich selber noch, was Sie uns da heute gemeinsam präsentierten, und genau diese Tendenzen in Medien, Politik und Wissenschaft – sowie deren Verbandelungen mit Hochfinanz, Pharmalobby und Rüstungs-/Autoindustrie (..) ODER Ignoranz und Naivität macht mir mehr als Sorgen!

    Deshalb werde ich bestimmt keine Rechten wählen – aber einen neuen DVBT2 HD-Empfänger werde ich mir trotzdem nicht kaufen und ihre Kanaäle nur noch mit Vorsicht über das Internet streamen!

    Der idiologische Kampf um Deutungshoheit läuft ja schon länger – leider bei sinkendem Niveau!

    Wissenschaft sollte (junge) Menschen motivieren wieder Fragen zu stellen, Alternativen zu entwickeln und aufmüpfig zu sein!

    Schule, Uni und Medien verkommen leider immer mehr zu reinen Kaderschmieden für Eliten und Wirtschaft!

    Eine angepasste Jugend und konsumierende Mittelschicht sollte jedenfalls niemandes Ziel sein.

    Ich hoffe, Sie finden zurück zu echter Wissenschaft und scheuen sich nicht, ALLE Fakten in Ihre Berechnungen zu vereinen, die den menschen helfen könnten, Zusammenhänge und Folgen zu überblicken und richtig einzuschätzen!

    Nur so, kann wehrhafte Demokratie entstehen bzw. erhalten bleiben:

    Wenn Menschen auf Grund von genug Informationen richtig entscheiden können.

    Und eben nicht, aufgrund von Desinformation, falschen Zahlen und Relativierungen.

    Na ja, wenigstens habt ihr ansatzweise die Veränderung durch die Agenda 2010 erwähnt und das es seitdem für viele, viele Menschen echt übel aussieht!

    Auch und gerade im Hinblick auf die Rente!

    Ein bedingungsloses Grundeinkommen und anderes (vereinfachtes) Steuersystem würde nicht nur Konsum und Wirtschaft ankurbeln, sondern auch WÜRDEVOLLES LEBEN ermöglichen!

    Gut war, das Sie mehrmals auf die größer werdene Schere zwischen Arm und Reich hinwiesen.

    Das nur noch wenige Menschen, Familien und Konzerne fast ALLES besitzen (3/4) und den neoliberalen Takt vorgeben, darf nicht sein und sollte verboten bzw. reguliert werden!

    Lasst ruhig ein paar Banken pleite gehen und Konzerne zur Kasse bitten:

    Soviele Steuern, wie die geprellt haben, könnte diesen Planeten 14x retten!

    Kapiert dochmal endlich, das der Kapitalismus kein System, sondern eine eiskalte Idiologie darstellt!

    Wir sind aber Menschen, brauchen soziales.. Wärme, Liebe, Nähe, Gemeinschaft, Solidarität, Musik, Kultur und Freiheit!

    Die Utopie von ewigen Wachstum, Deregulierung, Konkurrenzkampf und Monopolisierung widerspricht allem, was Menschen und Natur wirklich brauchen.

    Ich hoffe, ich konnte Sie mit diesen etwas harten (aber sachlichen) Worten inspirieren!

    Die heutige Sendung bewirkte bei mir eher das Gegenteil!

  • makro
    makro
    07.04.2017, 22:11 Uhr.

    Das war’s. Herzlichen Dank für die rege Diskussion. Nächste Woche ist Feiertag. In 14 Tagen schauen wir dann bei makro nach Frankreich kurz vor den Wahlen. Bis dahin!

  • J. v. Lippe
    07.04.2017, 22:05 Uhr.

    Guten Abend Herr Lessenich,
    der soeben abgelaufene Beitrag in der Sendung Makro über die vielen Schichten in unserer Gesellschaft (Mittelschichten) mit den vielen Facetten ist richtig und soweit stimmig. Jedoch wird auch die Mittelschicht zur Unterschicht sowie man das Rentendasein erreicht. Durch eigene Berechnungen mit Zins und Zinseszins müsste die Rente weit mehr als doppelt so hoch wie ausgewiesen sein. Schon viel zu lang wird diskutiert, ohne konkrete Reformen. Meiner Meinung nach müssen die Renten um den Faktor 2,x erhöht werden statt mit einem Helikopter die Scheine abzuwerfen. Ist die Sichtweise falsch oder richtig?

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 22:10 Uhr.

      Ich weiß nicht welchen Scheinhelikopter Sie meinen, aber aus meiner Sicht müssten insbesondere die kleineren Renten angehoben werden. Schon mit Erlass der Rentenreform 2001 war klar absehbar, welche Probleme sich daraus in Zukunft ergeben würden – seltsam, dass die handelnden Personen es erst heute merken…

      • björn leipelt
        08.04.2017, 11:36 Uhr.

        sehr geehrter hr. lessenich,
        vielen dank für ihre ehrliche und unvoreingenommene bestandsaufnahme und die aufgeführten lösungsnöglichkeiten!ihredabei liegen die tatsachen doch mehr oder weniger auf der hand…

  • Doris
    07.04.2017, 22:01 Uhr.

    Habe vielleicht einmal zur Mittelschicht gehört – studiert mit Abschluss, teilweise nicht schlecht verdient, wegen Krankheit aber früher berentet (nicht im Staatsdienst und ohne Betriebsrente) und sehe mich jetzt in der Altersarmut. Alle schauen auf Deutschland als wirtschaftlich erfolgreiche Nation; könnte Deutschland sich bei dem Gedanken an seine den Staat finanzierenden Bewohner nicht einmal ein Beispiel nehmen an einige Nachbarländer wie Schweden, Niederlande, Schweiz oder Österreich bezüglich eines Lebens in Würde im Alter.

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 22:08 Uhr.

      In der Tat, das ist ein eklatanter Widerspruch – Deutschland ist Gewinner der europäischen Finanzkrisen des letzten Jahrzehnts und schafft es aber nicht, den geschaffenen Wohlstand gerechter zu verteilen. Da sind andere Länder in Europa, zumal die von Ihnen genannten, erfolgreicher.

      • Ulrich R.
        07.04.2017, 22:59 Uhr.

        Sehr geehrter Herr Lessenich, wie kommen Sie zu dem Ergebnis Deutschland waere der Gewinner der Finanzkrisen? Betrachtet man die Target-Salden und die vom deutschen Staat uebernommen Buergschaften komme ich zu einem anderen Ergebnis.Nur weil sich dieses bei der jetzigen Generation (hoffentlich) nicht manifestieren, sind sie doch vorhanden. Und wenn diese sich bei nachfolgenden Generationen auswirken und deren Handlungsspielraum deutlich einschraenken, werden diese die (Ihre) heutige Beurteilung anders bewerten. Auch Prof. Fuest kann das Ergebnis Deutschland waere der Gewinner der Waehrungsunion nicht teilen. Und was die gerechte Verteilung betrifft? Wie sehe denn nach Ihrer Ansicht eine solche aus? Ein Gini-Koeffizient von 0? MfG

    • Ulrich R.
      07.04.2017, 23:15 Uhr.

      Sehr geehrte Frau Doris, Oesterreich gibt m.W. pro eingenommenen Euro in der Rentenversicherung 2 Euro aus. Was glauben Sie wie lange das gut geht? Oder wie hoch soll der Beitrag fuer Arbeitnehmer und Arbeitgeber (asymmetrisch finanziert) steigen um die auch in Oesterreich vorhandene demografische Problematik zu loesen? Kurzfristige Loesungen sind immer moeglich, man darf aber nicht vergessen, dass diese zu Lasten zukuenftiger Generationen becshlossen werden. MfG

      • Doris
        08.04.2017, 0:14 Uhr.

        Österreich ist vielleicht eine Sondersituation. Ich wollte nur aufmerksam machen auf die prekäre Lage von manchen Rentnern in Deutschland, die unverschuldet in diese Lage geraten sind (geringes Entgelt/ Krankheit), denen in einem reichen Land wie Deutschland kein Leben in Würde mehr ermöglicht wird. Warum wird nicht mehr in die Sozialkassen eingezahlt? Könnten nicht wie in anderen Ländern alle Bezüge/Einkommen (von Beamten/Mieten/Kapitalerträge) sozial-/rentenversicherungspflichtig sein? Wäre es nicht sinnvoll, niedrige Renten prozentual mehr anzuheben und generell eine Obergrenze bei den Renten einzuführen? Beispiele gibt es genug in anderen Ländern. Am Ende würde der soziale Frieden das Zusammenleben in der Gesellschaft sicherlich bereichern und zwar zum Profit des Staates.

  • Heidi Muck
    07.04.2017, 21:57 Uhr.

    hallo, Herr Lessenich–Ihnen ist entgangen,daß Geld wie ein scheues Reh ist-will sagen : Menschen,die mit Intelligenz an Geld gekommen sind,oder geerbt haben, werden notfalls auswandern oder ihr Geld in Sicherheit bringen, um dieses bereits 1 mal versteuerte Geld nicht „umzuverteilen“ oder dem Staat zu überlassen! Da in Deutschland(im Gegensatz zu mediteranen Ländern mit 85%)knapp 50% der Bürger eine Immobilie besitzen& dieses Geld oft fürs Seniorenheim draufgeht,sind es n i c h t so viele Menschen,die Milliarden erben ! Der Staat hält sich bewußt auf Distanz zum Normalbürger mit seiner eigenen Rundumversorgung,der minder begabte Bürger soll aber für sich selbst vorsorgen–was bei der Zinslage nicht möglich ist seit Jahren! Aber die BRD zahlt so kaum Zinsen& macht enorme Gewinne auf Kosten der Bürger !

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 22:06 Uhr.

      Also ehrlich gesagt meine ich nicht, dass Minderbegabungen das eigentliche soziale Problem sind. Es gibt viele „hart arbeitende“ Menschen, die nicht der Mittelschicht angehören und am Ende des Monats ncht recht wissen, wofür sie eigentlich gearbeitet haben. Diesen Menschen müsste der Sozialstaat stärker unter die Arme greifen.

      • Ulrich R.
        07.04.2017, 23:42 Uhr.

        Sehr geehrter Herr Prof. Lessenich, wie hoch soll die Staatsquote und die Sozialleistungsquote steigen? Die Aussage „Diesen Menschen müsste der Sozialstaat stärker unter die Arme greifen.“ ist nicht sehr konkret. Ohne eine gewisse Operationalitaet verhaelt es sich mit dieser Aussage wie mit dem Begriff „soziale Gerechtigkeit“, den Hayek m.W.zu Recht als „Unfug“ bezeichnete. MfG

  • Heinz Kasten
    07.04.2017, 21:52 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Lessenich,

    zunächst vielen Dank für Ihre klaren Aussagen und Vorschläge, die allerdings mit Ausnahme Ihrer Auslassungen zu der Erbschaftssteuer meinen Widerspruch hervorrufen (Die Erbschaftssteuer ist in der Tat skandalös niedrig; deren Erhöhung bei gleichzeitiger Verringerung der Einkommenssteuer könnte sicherlich dazu führen, dass Leistung statt Stammbaum sich lohnt).

    Sehen Sie wirklich nicht das Problem, dass große Teile der „Mittelschicht“ durch die kalte Einkommensteuerprogression praktisch enteignet werden, so dass zusätzliche Leistung sich bei einem Grenzsteuersatz von über 42% inkl Kirchensteuer wirklich kaum noch lohnt, und man auch als wirklich gut verdienender Angestellter kaum die Möglichkeit hat, aus eigener Kraft ein Vermögen aufzubauen? Die Grenze von 54.000 EUR, ab der der Spitzensteuersatz gilt, stammt noch aus den 70er Jahren und ist nie angehoben – im Gegensatz zur Beitragsbemessungsgrenze in dem maroden gesetzlichen Rentensystem, das zu Lasten der jüngeren und schwächeren Generationen künstlich bis zum Bankrott aufrecht erhalten wird.

    Warum fokussieren Sie beim Thema Mittelschicht wiederum nur auf das untere Drittel? Das wird doch von der Linkspartei und anderen Illusionären schon genügend umworben.

    Mit freundlichem Gruß,
    HKasten

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 22:03 Uhr.

      Weil ich meine, dass die Probleme der unteren und der mittleren, geschweige denn der oberen Mittelschichten wirklich gänzlich andere sind – mit Blick auf Bildungschancen, Vermögensaufbau, Möglichkeiten des Rückgriffs auf elterliches Vermögen usw. Für meine Begriffe sind das die wirklichen Probleme.

  • Michael Hager
    07.04.2017, 21:49 Uhr.

    Hallo Herr Professor,
    vielen Dank für die deutlichen Worte für ein soziales und humanes Gemeinwesen!
    Offensichtlich wird es immer klarer, dass der neoliberale Kurs seit den 80er Jahren in Deutschland uns in diese Misere gebracht hat.
    Wird es nicht höchste Zeit, den Kapitalismus wieder an die Leine zu nehmen, so dass dieser wieder im Dienst für das Gemeinwohl arbeitet. Dazu gehört ein anständiger Mindestlohn genauso wie eine – für alle – auskömmliche Rente. Dazu gehört auch eine humane Arbeitswelt usw..
    Es ist ein Skandal, dass all innerhalb einer Generation fast geräuschlos verloren ging bzw. auf dem Altar der Profite sozusagen alternativ geopfert wurde.

    Würden Sie zustimmen, dass unser demokratischer Staat und der soziale Friede existentiell gefährdet ist, wenn uns der Umbau hin zu einem wirklichen Sozialstaat, so wie er -allerdings ziemlich unbestimmt- von unserem GG gefordert wird, nicht gelingt.

    MfG
    M. Hager

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 22:01 Uhr.

      Ja, ohne dramatisieren zu wollen würde ich Ihnen recht geben. Die Stärkung des Sozialstaats ist immer auch eine Stärkung der Demokratie. Gerade in Deutschland zeigt das auch die historische Erfahrung.

      • Ulrich R.
        07.04.2017, 22:27 Uhr.

        Sehr geehrter Herr Prof. Lessenich, genauso wenig wie die Griechenlandhilfen geeignet sind die Fliehkraefte innerhalb des Euro-Raumes zu reduzieren, genauso wenig ist ein Mehr an Umverteilung innerhalb Deutschland geeignet die Demokratie zu stabilisieren. Vielmehr duerfte die Idee nach mehr Umverteilung und Gleichheit gerade das Gegenteil bewirken.MfG und schoenen Abend

    • Ulrich R.
      07.04.2017, 22:13 Uhr.

      Sehr geehrter Herr Hager, wie hoch sind die Sozialleistunegn des Deutschen Staates? 888 mrd. Euro oder 30 Cent von jedem Euro der in Deutschland erwirtschaftet wird. Das sind ungefaehr 100 Mrd. mehr als vor 3 Jahren. Rechnet man die „Nebenleistungemn“ hinzu erhoeht sich diese Summe noch. Insofern beansprucht der Staat im Rahmen dieser Umverteilung immer mehr von dem von den Buergern erwirtschafteten. Wie hoch soll Ihres Erachtens die gesamtwirtschaftliche Sozialleistungsquote wachsen? Der Sozialstaat waechst aktuell schneller als die Wirtschaft. Glauben Sie das geht lange Zeit gut? Mfg

  • Frank
    07.04.2017, 21:48 Uhr.

    Hallo Herr Stephan Lessenich,

    alles was im Bericht gesagt wurde kann ich nur bestätigen, aber sind die Menschen die für wenig Geld viel arbeiten gehen nicht selber an ihrer derzeitigen und später an der folgenden lage Schuld, wenn ich mal von mir ausgehe, dann muß ich sagen das ich in den letzten Jahren mehrere Job´s abgelehnt habe weil ich für den Lohn nicht arbeiten gehen kann, wenn ich weiß das ich zB. 1100,- € nettolohn erhalte, und alleine für mein eigene Situation, (wohnung, Heizung, Auto, Telefon, internet, Zwangsabgaben 950 -€ ausgebe, so das für essen und trinken nur 150,-€ bleiben für einen ganzen Monat dann lehne ich als Normal denkender Mensch doch diesen Job ab, da nehme ich doch lieber Hartz 4 da habe ich 350,-€ für essen und trinken, ist nicht viel aber viel mehr als wenn ich arbeiten gehe, Wäre eine Aufklärung der Menschen die immer meckern weil sie für wenig Geld arbeiten gehen da nicht besser?? Auch finde ich das die Politik da gefragt ist, die Vorgaben der Politik sind nicht eindeutig, zB. haben die Arbeitgeber die möglichkeit nur den Mindestlohn zu zahlen, selber verdienen die Arbeitgeber aber hier im Nordosten über eine Million pro Jahr und das nach Steuer, wären die Politiker intelligenter würden sie sagen ok du zahlst nur einen mindestlohn an deine Leute dann verlangen wir eine höhere Steuer weil wir ja mit Hartz aufstocken müßen und später die Rente auch aufstocken müßen, das wäre doch gerechter oder??

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 22:00 Uhr.

      Naja, ich glaube nicht, dass man die Niedrigverdienenden für Ihre Annahme von Niedriglohnjobs verantwortlich machen kann – wenn ich Sie da recht verstehe. Es müsste darum gehen, solche Arbeitsverhältnisse besser zu stellen.

      • Frank
        07.04.2017, 22:09 Uhr.

        Warum nicht aufklären?? wenn keiner für einen Hungerlohn arbeiten geht die Arbeit aber gemacht werden muß ist doch letztendlich der Arbeitgeber gezwungen einen besseren Lohn zu zahlen, ist wie damals bei den 165,- DM jobs, hat nach wegfall der möglichkeit doch viele vollzeitstellen gebracht, also sehr gut möglich, oder sehe ich das Falsch??

  • Arno Nühm
    07.04.2017, 21:46 Uhr.

    Hallo Hr. Lessenich,

    würde es etwas verbessern, wenn Einkommen aus Kapitalerträgen mit dem gleich hohen Satz besteuert werden wie Lohn aus gewöhnlicher Arbeit?

    • Ulrich R.
      07.04.2017, 21:55 Uhr.

      Sehr geehrter Herr Nuehm, kennen Sie die kleine Anfrage der Linken zu diesem Thema an die Bundesregierung? Warum wurde die Antwort von den Linken oder auch der SPD nicht veroeffentlicht? Sie werden ueberrascht sein von dem Ergebnis. MfG

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:58 Uhr.

      Aber sicher.

    • Michael Bayerlein
      07.04.2017, 22:03 Uhr.

      …aus meiner Sicht müssten Kapitalerträge vor allem sozialversicherungspflichtig werden. Dann können diese Beiträge sinken und die Sozialkassen hätten kein Demographieproblem mehr.

      • Ulrich R.
        07.04.2017, 23:28 Uhr.

        Sehr geehrter Herr Bayerlein, was machen Sie im Fall von negativen Ergebnissen aus Kapitalertraegen, was ja durchaus moeglich ist? Erhaelt derjenigen dann eine Rueckerstattung der Sozialversicherungsbeitraegen? Oder schraenken Sie die Verrechnung ein und fuehren damit faktisch eine zusaetzliche Besteuerung ein? Mfg

  • Rico
    07.04.2017, 21:45 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Lessenich,

    Ihre Vorschläge hinsichtlich einer zukunftsfähigen Rentenversicherung (die gesamte arbeitende Bevölkerung zahlt ein, Angestellte, Selbständige, Beamte, Aufhebung Bemessungsgrenzen etc.) klangen sehr vielversprechend, nachvollziehbar, ja beinahe umsetzbar.
    Andererseits gibt es keine der großen Volksparteien, die dieses Thema adressiert. Wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen wird wohl das bestehende System kaum mehr funktionieren können.

    Weshalb hört man selbst von der Opposition solche konstruktiven Lösungs-Vorschläge kaum oder nur ganz leise? Was kann man als Wähler oder als Bürger tun, die Politik auf Lösungswege dieser Art aufmerksam zu machen?

    • Henning Straub
      07.04.2017, 21:52 Uhr.

      Gute Frage!

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:58 Uhr.

      Würde ich auch gerne wissen. Die Grünen sind mal rentenpolitisch in diese Richtung gegangen, aber eigentlich wäre es das selbstverständliche Thema der Sozialdemokratie. Fragen Sie mal ihren heimischen SPD-Bundestagskandidaten danach…

      • Rico
        07.04.2017, 22:03 Uhr.

        In diesem Fall „leider“ wohne ich in Bayern. Ob wir überhaupt einen SPD-Bundestagskandidaten haben, muß ich erst einmal heraussuchen ;=)
        Werde das aber jetzt tatsächlich tun.

    • Elisa
      07.04.2017, 22:12 Uhr.

      Er sagt, mit meinen Worten gesagt, die Flüchtlinge retten uns, wenn die geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen. Sind die Flüchtlinge wirklich besser als unsere eigene Jugend? Warum sollte das so sein?

  • Okan
    07.04.2017, 21:45 Uhr.

    Hallo Herr Lessenich,

    Ihre Argumentation finde ich sehr gut. Jedoch frage ich mich warum die großen Parteien in dieser Hinsicht nichts unternehmen. Meiner Meinung wird das Thema Umverteilung wie ein rohes Ei behandelt. Denken Sie wir werden in naher Zukunft eine Wende erleben bezüglich der Umverteilung?

    Viele Grüße.

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:56 Uhr.

      Denke schon, langsam pfeifen es ja wirklich die Spatzen von den Dächern. Gruß zurück!

  • Elisa
    07.04.2017, 21:41 Uhr.

    Glauben Sie, dass unser Sozialsystem mit den vielen unqualifizierten Flüchtlingen standhält? Ist es Ihrer Meinung nach wirtschaftlich vor- oder nachteilig wenn die vielen Angehörigen der Flüchtlinge nach Deutschland kommen?

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:56 Uhr.

      Alle langfristigen Daten, in Deutschland und anderswo, zeigen, dass es unter dem Strich ökonomische Gewinne von Zuwanderung gibt. Die Qualifikationen der Flüchtlinge der letzten Zeit sind sehr unterschiedlich, es gibt unqualifiezierte und aber auch viele Menschen, die in ihren eigenen Ländern selbst zur Mittelschicht zählten, gerade z.B. aus Syrien.

      • Ulrich R.
        07.04.2017, 22:44 Uhr.

        Sehr geehrter Herr Pof. Lessenich, da befinden Sie sich aber m.E. im Widerpruch zu ihren Kollegen Prof. Raffelhueschen und Prof. Sinn. Ich halte es vor dem Hintergrund der Ergebnisse der letzten Zuwanderungen fuer eine Illusion, das die aktuelle Zuwanderung in der Lage ist, die demografischen oder wirtschaftlichen Probleme Deutschlands zu verbessern. Vielmehr wird es zu Belastungen kommen. Das gehoert zur Ehrlichkeit und sollte nicht als Werbung fuer die AfD oder sonst eine kurde Partei verstanden werden. MfG

  • rgausmg
    07.04.2017, 21:41 Uhr.

    Politscher Mut. Wo ist er geblieben?

    Hallo Herr Lessenich,
    was muss nach Ihrer Einschätzung geschehen, dass sich unsere poltischen Parteien ihrer Verantwortung und ihres Mutes bewusst werden und gesellschaftsspaltende Probleme mit Veränderungswillen angehen?

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:54 Uhr.

      Hallo, na ich denke, dass es entsprechenden Druck aus der Gesellschaft geben muss. In der repräsentativen Demokratie müssen sich die Repräsentierten zu Wort melden.

  • U.W.
    07.04.2017, 21:37 Uhr.

    Warum werden diese Sendungen „nur“ auf 3SAT gezeigt, und nicht auf den 1. und 2. Programmen?
    Finde ich Seltsam.

    • Arno Nühm
      07.04.2017, 21:42 Uhr.

      Ist nicht dasselbe Bildungsniveau.
      Das wäre zumindest die am wenigsten kritische Annahme.

      • U.W.
        07.04.2017, 22:08 Uhr.

        Das sehe ich leider genau so.
        Schade eigentlich für unser Bildungsniveau.

    • makro
      makro
      07.04.2017, 21:44 Uhr.

      Na, seltsam ist es nicht. Eher schade. Wäre schön, wenn’s anders wäre!

      • Holger Voss
        07.04.2017, 21:49 Uhr.

        Meines Wissens nach gibt es aber, wenn man so will, Anknüpfungspuckte zwischen 3sat uns dem ZDF.

      • U.W.
        07.04.2017, 22:23 Uhr.

        Woraus auch sehr viel Unwissenheit ausgeht, da manche Leute nur glauben, was ihnen erzählt wird und Nichts hinterfragen.

        • Holger Voss
          08.04.2017, 7:38 Uhr.

          Wenn Sie das sagen, U.W., dann wird das so sein.

  • Frank
    07.04.2017, 21:36 Uhr.

    Wie stehen Sie zum Thema: bedingungsloses Grundeinkommen?

    • Elisa
      07.04.2017, 21:51 Uhr.

      Das geht meiner Meinung nach gar nicht. Wenn die Unter- und Mittelschicht nicht mehr arbeitet, schafft keiner mehr Produkte. Das kann man am Hartz 4 sehen. Viele Stellen werden nicht besetzt, weil sich für Fachkräfte in der Unterschicht, besonders mit mehreren Kindern, Arbeit nicht mehr lohnt. Wer soll noch Putzen, Alte pflegen, in der Ernte Rekord arbeiten, wenn er nicht muss?

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:52 Uhr.

      Hui, das kann ich so kurz nicht beantworten… Finde die Idee gut, aber sie muss eingebettet sein in weitere Reformen, es muss nicht nur die Verteilungsfrage demokratisiert werden, es muss auch an der Organisation des Wirtschaftssystems etwas verändert werden, sonst hängt das Grundeinkommen in der Luft.

  • Michael Bayerlein
    07.04.2017, 21:36 Uhr.

    Hallo Herr Lessenich,

    warum werden nicht alle Einkommensarten sozialversicherungspflichtig? Vor allem wenn in Zukunft immer mehr Einkommen aus Kapitalvermögen oder Mieten generiert werden wird.

    Nur über Arbeitnehmer und Arbeitgeber werden wir die Sozialversicherung nicht zukunftsfähig machen können. Ich sehe hier kein demografisches Problem, das ist, dass bestimmte Einkommensarten priveligiert werden, indem sie sozialversicherungsfrei sind. Das führt dazu, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter aufgeht.

    Warum sagt das kein Politiker?

    Vielen Dank für Ihre Gedanken dazu.

    Viele Grüße…

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:50 Uhr.

      Kann ich mich nur anschließen. Herzlichen Gruß!

  • Daniel Maier
    07.04.2017, 21:35 Uhr.

    Ich habe das Gefühl, dass früher die Menschen schneller auf die Strasse gingen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlte. Sehen Sie das auch so, wenn ja, woran mag es Ihrer Meinung nach liegen?

    • Arno Nühm
      07.04.2017, 21:39 Uhr.

      Abstumpfung, Resignation.

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:49 Uhr.

      In Deutschland? Bin mir nicht so sicher. Das scheint mir eher eine französische oder allgemein südeuropäische Tradition zu sein. Aber ich glaube, dass die Unzufriedenheit in der Tat zunimmt, aber die Leute nicht wirklich eingeübt sind in soziale Protestformen. Aber naja, was nicht ist kann ja noch werden.

  • Johannes Engl, selbst Unternehmer
    07.04.2017, 21:35 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Lessenich,
    man kann nicht dauernd die Unternehmen aus Ihrer Verantwortung aus ihrer Verantwortung für sozial verträgliche, gerechte Entlohnung rausreden. Wenn ich höre: man kann von den Unternehmen nicht verlangen, dass sie freiwillig existenzsichernde Löhne zahlen, dann halte ich entgegen, dass Unternehmen sehr wohl mitverantwortlich sind. Auch in den Unternehmen muss eine Umverteilung von oben nach unten stattfinden. Anstatt Profitmaximierung für an der Arbeit unbeteiligten Aktionäre könnte man schon mehr für die Mitarbeiter tun

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:48 Uhr.

      Sehr geehrter Herr Engl,
      Ihre Position ehrt sie und es sollte öfter solche Einstellungen auch in den Unternehmen geben. Aber ich meine, dass man sie in einem auf Profitabilität gepolten Wirtschaftssystem nicht erwarten kann, sondern dass in diesem Rahmen die entscheidenden Initiativen vom Gesetzgeber ausgehen müssen.

      • Johannes Engl
        07.04.2017, 21:53 Uhr.

        Wäre aus Ihrer Sicht die Gemeinwohlökonomie ein Weg aus dieser Werte-Krise ?

  • Thomas
    07.04.2017, 21:35 Uhr.

    Warum soll eine Erbschaftssteuer fair sein? Alle Vermögenswerte, die vererbt werden können, wurden durch bereits mehrfach versteuertes (Umsatzsteuer, Lohnsteuer etc) Geld erwirtschaftet. Die Erbschaftssteuer ist für mich nur eine Neidsteuer. Ich habe noch nichts geerbt und werde dies wohl auch nicht tun. Thomas 36 Jahre, Unternehmer

    • Johannes Engl, selbst Unternehmer
      07.04.2017, 21:39 Uhr.

      Vielleicht ist sie nicht fair – aber nötig ?
      Durch eine schrumpfende Kinderzahl bleibt für die (wenigen) Erben immer mehr übrig – sehr oft mehr als man im Leben bewältigen kann. Was macht es für einen Unterschied, ob man 100 oder 150 Mio. erbt ? Für den Erben: keinen..

      • Elisa
        07.04.2017, 21:45 Uhr.

        Ist es nicht ein Vorteil für die Wirtschaft, wenn die vielen Millionen zurückgehalten werden? Es ist doch nur Papier, das rumliegt. Erst wenn das Geld ausgegeben wird, wird der Markt gefährdet, weil die Nachfrage rasant steigt.

        • Johannes Engl
          07.04.2017, 21:47 Uhr.

          Es werden ja auch reale Sachwerte vererbt, oder nicht ?

        • Thomas
          07.04.2017, 21:56 Uhr.

          Es ist in der Tat für den Markt nicht gut, dass dieses Vermögen nur noch ungenutzt herumliegt.

          • Elisa
            07.04.2017, 22:06 Uhr.

            Warum? Die Werte wurden geschaffen, aber (moch) keine Gegenleistung gefordert.

      • Thomas
        07.04.2017, 21:55 Uhr.

        Dass es schön wäre mehr Geld durch die Erbschaftssteuer zu bekommen kann ich gut verstehen und nachvollziehen. Jedoch widerstrebt mir die Begründung, dass es egal wäre ob man 100 oder 150 Mio erbt. Das mag zwar so sein, aber dennoch ist es nicht fair, weil ja irgendjemand dieses Vermögen erarbeitet hat. Nach der Begründung könnte ja auch der Staat zu allen Hausbesitzern kommen, in denen nur 2 Personen wohnen und sagen: Sie brauchen ja gar nicht so viel Platz und daher müssen Sie jetzt ihr Haus gegen eine Wohnung tauschen.

        • Johannes Engl
          07.04.2017, 23:44 Uhr.

          Aus meiner Sicht gibt es eine (zugegebenermaßen nicht klar definierte) Grenze, über welche hinaus das Anhäufen von Vermögen keinen Sinn mehr ergibt.
          Diese Grenze liegt natürlich weit über dem von Ihnen angeführte Beispiel mit dem Haus und der Wohnung.

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:46 Uhr.

      Leider sagen das mit der Neidsteuer auch diejenigen, die von ihr profitieren würden – ein seltsames Phänomen. Die Möglichkeiten und Chancen, Vermögen zu erwirtschaften, sind sozial ungleich verteilt – es vererben diejenigen viel, die auch schon vorher privilegiert waren. In den USA gibt es eine viel strengere Erbschaftssteuerregelung als hierzulande.

    • Daniel Maier
      07.04.2017, 21:47 Uhr.

      Ich fände sie darum fair, weil die Reichen in den letzten Jahrzehnten stets von enormen Steuervergünstigungen profitiert haben. In den USA zahlten vor Reagan die Reichen bis zu über 90%, trotzdem lebten sie wie die Maden im Speck. Heute profitieren die Reichen nicht nur von tiefen Steuersätzen, sie betreiben oft auch Steueroptimierung. Daher fände ich einen höheren Beitrag, auch durch Steuererhöhungen allgemein, nicht nur fair, sondern mehr als angebracht.

      • Thomas
        07.04.2017, 21:51 Uhr.

        @Daniel Maier. Sie dürfen dabei nicht vergessen dass die Steuer prozentual erhoben wird und nicht absolut. Damit zahlen die Reichen (vorausgesetzt sie zahlen fair ihre Steuern und dafür ist der Staat verantwortlich) relativ viel und auch absolut sehr viel Steuern. Die unteren Einkommen zahlen ja fast keine Steuern.

    • Anna P.
      07.04.2017, 22:08 Uhr.

      Lieber Thomas,
      die „Vererbung“ sozialer Ungleichheit mal sehr vereinfacht erklärt: Gehören die Eltern der Oberschicht an (haben viel Geld und einen hohen Bildungsabschluss), bekommt das Kind statistisch gesehen die besten Voraussetzungen zur Erlangung eines hohen Bildungsabschlusses mitgegeben. Es erhält also im Durchschnitt einen wesentlich höheren Bildungsabschluss als ein Kind, dessen Eltern bspw. ihr Geld mit Putzen verdienen müssen, auch wenn beide gleich intelligent sind (das beginnt in der Schule schon damit, dass die Lehrerin dem Kind aus dem „besseren“ Elternhaus unbewusst mehr zutraut, weil es bessere Kleidung trägt, sich anders ausdrückt und mit den Eltern vllt. schon mal im Theater war – die Lehrerin macht das nicht zwangsläufig aus böder Absicht, es passiert ganz unbewusst – jeder von uns bewertet Menschen und hat ein gewisses „Schubladendenken“). Durch den hohen Abschluss verdient das Kind selbst später mehr (es hat durch seinen Abschluss, aber auch durch seine Ausdrucksweise, seine „Marnieren“ etc., die es von den Eltern erlernt hat bessere Chancen einen gut bezahlten Job zu bekommen; zusätzlich traut es sich selbst mehr zu: „Wenn mein Papa Banker sein kann, kann ich das auch.“). ZUSÄTZLICH dazu erbt es auch noch viel Geld von den Eltern, die wiederum nur so viel verdient haben, weil ihre Eltern aus „gutem Hause“ kamen. (Viele Jobs werden auch über soziales Kapital, d.h. über Beziehungen vermittelt.) ACHTUNG: Bitte jetzt nicht gleich mit dem Einwand kommen „Bei mir war das ganz anders“. Ja, jeder Lebenslauf ist einzigartig und das, was Soziologen anhand von Aussagen wie „Die Schicht/Klasse vererbt sich“ meinen, ist dass sich die Schicht/Klasse statistisch gesehen vererbt. Es gibt immer Ausnahmen und vllt. kennt man im Bekanntenkreis auch viele Ausnahmen. Deshalb nicht vergessen: Wir reden hier über 80 Millionen Menschen. Man selbst mag sich in einem Kreis von Menschen bewegen, in dem das evtl. anders gelaufen ist.
      Die Frage, ob eine Erbschaftssteuer „fair“ ist, ist eine normative Frage. Die Tatsache, dass sich sowohl wirtschaftliches Kapital, als auch soziales und kulturelles Kapital (Bildung etc.) vererbt ist nachgewiesen. Man kann nun der Meinung sein, dass Kind eines Putzmannes und einer Kassiererin sei selbst daran Schuld, Eltern mit geringem ökonomischen Kapital zu haben (was sie übrigens nicht zu schlechten Eltern macht). Man kann es auch so sehen, dass das Kind eines Bankers einfach Glück gehabt hat. Die Frage stellt sich trotzdem: Wollen wir die Chancengleichheit nicht etwas relativieren, bspw. durch ein geändertes Steuersystem? Wir leben jedenfalls NICHT in einer Leistungsgesellschaft. Die Herkunft hat viel größere Auswirkungen auf den Verlauf unseres gesamten Lebens (inkl. Einkommen und Erbschaft), als die meisten glauben und auch als den meisten lieb sein wird.
      Es geht meines Erachtens darum, Geld von GANZ OBEN umzuverteilen. Davon werden die meisten Personen, die hier einen Kommentar schreiben nicht einmal ansatzweise betroffen sein. Wir reden hier nicht von jemandem, der 5000 Euro brutto im Monat verdient oder 100.000 Euro vererben will. Hier geht es um Summen, von denen die meisten von uns sich nicht vorstellen können, was man damit anfangen könnte.
      Viele Grüße.

  • Hartmut Rüchel
    07.04.2017, 21:34 Uhr.

    Sehr gute Sendung, solltensich einmal die Politiker der GroKo ansehen

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:44 Uhr.

      Keine Zeit für sowas.

  • Nadine Schöneck-Voß
    07.04.2017, 21:34 Uhr.

    Lieber Herr Lessenich,
    besten Dank für die scharfen Analysen zur Lage der (unteren) Mittelschicht – für eine solche Analyse versuchten wir, Sie zugewinnen…

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:44 Uhr.

      Hallo, das ist ja lustig… nun denn, dann muss ich es mir ja wohl noch einmal überlegen 😉
      Herzlich
      SL

  • Paul
    07.04.2017, 21:34 Uhr.

    Noch mehr Umverteilung? Nein Danke! Von jedem Euro mehr Gehalt muss ich bereits 50% abgeben, da lässt die Lust auf produktive Arbeit nach. Dabei reicht das Geld gerade mal so aus. Warum kann ich als Arbeitnehmer nicht wenigstens Fahrtkosten voll absetzen? Und so geht es munter weiter.. Wir brauchen wenige Staat, mehr Anreize zum Arbeiten und endlich weniger Subventionen für jeden Quatsch. Mich wundert es nicht wenn die Mittelschicht solchen Dreck wie die AFD wählt
    Ich steh auch davor.. einfach nur aus Protest. Wenn ich mich unsere Staatsquote anschaue könnte man meinen wir leben im Sozialismus

    • Arno Nühm
      07.04.2017, 21:38 Uhr.

      Sind Sie ein Troll oder sind Sie wirklich dieser absolut widersinnigen Meinung?

    • Daniel Maier
      07.04.2017, 21:39 Uhr.

      Mit Umverteilung war glaube ich eher gemeint, dass mehr Geld von den Reichen zugunsten der ärmeren Bevölkerung verteilt werden sollte.

    • Hanna
      07.04.2017, 21:40 Uhr.

      Arbeite als pflegekraft, bin immer wieder erstaunt über solche Äußerungen, demnach könnte ich die alten im Dreck liegen lassen, ich bekomme ja nicht viel bezahlt.

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:43 Uhr.

      Denken Sie vielleicht auch einmal daran, was von der Staatsquote unsichtbar bei Ihnen ankommt: die gesamte öffentliche Infrastruktur zum Beispiel. Das Problem ist m.E. eher, dass die Steuerlast nicht gerecht verteilt ist, es müssten wie gesagt v.a. auch größere Vermögen und Erbschaften besteuert werden und nicht so einseitig die Arbeitseinkommen.

      • Arno Nühm
        07.04.2017, 21:49 Uhr.

        Exakt! Hr. Lessenich hat Recht.

  • uo
    07.04.2017, 21:33 Uhr.

    hallo Stephan Lessenich
    danke für das hervorragende Interview.
    welche Möglichkeiten haben Städte und Gemeinden, um zu grösserer sozialer Gerechtigkeit beizutragen?
    vielen Dank

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:41 Uhr.

      Leider im Rahmen der Finanzverfassung dieses Landes nur eingeschränkte. Aber vor allem liegen sie im Bereich der sozialen Infrastruktur: öffentliche Dienste und Einrichtungen für möglichst viele Schichten möglichst kostengünstig anbieten. Das wäre ein wichtiger Beitrag zu einer lokalen Umverteilungspolitik.

  • Michelle D.
    07.04.2017, 21:32 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Lessenich,

    warum könnte die Politik, ihrer Meinung nach, kein Interesse an einer gemeinsamen Rentenversicherung haben? Ist dies auf ein mangelndes öffentliches Interesse (Kein Stimmenfang möglich) zurück zu führen? Oder stehen dieser Idee andere Faktoren, bzw. politische Interessen diametral entgegen?
    Zum Thema Altersarmut: Ich bin 31 Jahre alt. Glauben Sie, dass ich, bei Beibehaltung des bestehenden Systems, überhaupt eine Rente bekommen werde?

    Vielen Dank im Voraus.

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:40 Uhr.

      Na klar werden Sie eine Rente bekommen, fragt sich nur in welcher Höhe und die hängt wesentlich von Ihrem beruflichen Werdegang ab. Warum „die“ Politik kein Interesse an einer Volksversicherung hat? Weil die Idee der „Leistungsgerechtigkeit“ in diesem Land so stark verankert ist. Und weil es starke Interessen der Versicherungswirtschaft gibt, an der privaten Alters- und Gesundheitsvorsorge festzuhalten.

  • Holger Voss
    07.04.2017, 21:25 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Lessenich,

    mein schulischer Werdegang war von einem Auf und Ab geprägt. Nachdem ich die Realschule mangels ausreichender schulischer Leistungen verlassen musste und eine Hauptschule als Zwischenstation besuchte, errang ich anschließend die Mittlere Reife an einer Wirtschaftsfachschule. Dieser Werdegang war also an meine schulischen Leistungen und nicht an meinen gesellschaftlichen Status geknüpft. Wieso spricht man trotzdem von Bildungschancen je nach Kassenlage des Elternhauses?

    • Arno Nühm
      07.04.2017, 21:35 Uhr.

      Ich finde Ihre Selbstkritik und Ehrlichkeit beeindruckend, allerdings steht ihr Fall sicherlich nicht exemplarisch für den Durchschnitt in den präkären Schichten.

      • Holger Voss
        07.04.2017, 21:46 Uhr.

        Arno Nühm: Ich kann in Ihrem Beitrag keinen inhaltlichen Zusammenhang zu meiner Diskussion mit Herrn Lessenich erkennen.

    • Stephan Lessenich
      07.04.2017, 21:37 Uhr.

      Weil in aller Regel die Voraussetzungen des Elternhaushalts maßgeblich darüber mitentscheiden, welchen Bildungsweg man einschlagen kann. Klar gibt es da auch individuelle Spielräume und Erfolggeschichten, aber die statistischen Zusammenhänge zwischen sozialem Status und Bildungserfolg sind eindeutig.

      • Holger Voss
        07.04.2017, 21:41 Uhr.

        Danke für Ihr interessantes Statement hierzu, Herr Lessenich.

    • Paul
      07.04.2017, 21:47 Uhr.

      sehe ich genauso. Ich habe nach Realschule und Ausbildung noch mein Abi nachholt und studiert. Und alles ohne Geld der Eltern, fast ohne Bafög und ohne Stipendium! Hatte am Ende zwar 12000 Schulden bei der Kfw aber das ist ok. wer sich bilden will kann es auch! hier hat es die Unterschicht sogar einfacher, da wird wenigstens Bafög bezahlt

  • müller j
    07.04.2017, 21:23 Uhr.

    wurde als werkzeugmechaniker nach 28 jahr durch insolvenz sofort arbeitslos. seitdem nur noch zeitarbeit u keinen festen job mehr! geboten werden löhne von 10 u 11 euro. vor hab ich 22 euro u 30tg urlaub u urlaubsgeld u wg gehabt.betrieb machte zwar gewinn, jedoch nicht über 1o prozent. deshalb wurde spekuliert diesen durch eigenregie abzuwickeln. es wurden ein halbes jahr kein auftrag mehr angenommen. wie nennt ihr so was?

    • Arno Nühm
      07.04.2017, 21:32 Uhr.

      Das ist bedauerlich.

  • makro
    makro
    07.04.2017, 20:14 Uhr.

    Liebe Nutzer des makro-Blogs, wir wünschen ein offenes, freundliches und respektvolles Diskussionsklima. Bitte wahren Sie einen fairen und sachlichen Ton. Diese Diskussion wird moderiert und wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsere Netiquette missachten. Vielen Dank!

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