Frankreich: Reden Sie mit!

Der Eiffelturm in Paris. Bild: colourbox.de

Der Eiffelturm in Paris. Bild: colourbox.de

Für die Franzosen geht es bei dieser Präsidentschaftswahl um sehr viel. Sie versuchen, eine Antwort zu finden, auf den gefühlten und tatsächlichen schleichenden Niedergang ihres Landes. Dieser manifestiert sich in hoher Arbeitslosigkeit, sinkender Wettbewerbsfähigkeit und steigenden Schulden. Der ökonomische Rivale Deutschland zieht davon, Südeuropas Krisenländer kommen näher. Das nagt am Stolz.

Und es weckt Zweifel am zentralistisch-etatistischen französischen Wirtschaftsmodell. Zudem lässt sich Frankreichs üppiger Sozialstaat mit einer schwachen Wirtschaft nicht finanzieren. Bislang allerdings ist noch jeder Reformversuch in einem wütenden Proteststurm untergegangen.

Zu Gast bei makro ist der Frankreich-Kenner Prof. Henrik Uterwedde vom Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg. Er sagt, Frankreich sei nicht vollkommen anders als Deutschland: „Reformen, vor allem wenn sie Besitzstände angreifen, sind unpopulär.“ Diskutieren Sie mit!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

32 Kommentare

  • ProfessorY
    21.04.2017, 22:12 Uhr.

    Ich habe bis vor kurzem in einem französischen Unternehmen gearbeitet und bin enttäuscht dass die Ursachen der wirtschaftlichen Schieflage in Frankreich mit so wenig Tiefgang behandelt wurden. Mehr Roboter, Lohnkosten senken? Das Problem liegt ganz woanders. Schauen Sie auf dem Land in Frankreich, z.B. in Lothringen und anderen grenznahen Regionen, hat die EU mit ihrem Zwang zur Globalisierung massenweise Jobs vernichtet, die Immobilienpreise sind z.T. um mehr als drei Viertel eingebrochen in den letzten zehn Jahren. Massenweise sterben gerade die kleinen und mittelständischen Unternehmen, weil Aufträge nach Osteuropa und Asien verlagert werden, zum Teil ganze Produktionsstandorte von Großkonzernen mit EU-Mitteln gefördert nach Polen, Ungarn und Rumänien verlagert werden. Und nun überziehen auch noch die deutschen Aldis und Lidls flächendeckend die französische Provinz mit ihren Billig-Produkten. Französische Produkte zu teuer aufgrund der hohen Arbeits- und Sozialstandards? Sehe ich nicht so. Ein Peugeot 308 mit Euro6 ist um gut ein Drittel billiger im Listenpreis als ein vergleichbarer VW Golf 6 Kombi mit Betrugssoftware. Doch leider setzen die Deutschen immer noch auf unlauteren Wettbewerb in vielen Bereichen als auf eine faire Zusammenarbeit der europäischen Mitgliedsstaaten.

    Woher kommt denn das französische Außenhandelsdefizit wenn nicht daher, dass wir Deutschen seit Jahren sehr gut am Außenhandel mit Frankreich und anderen europäischen Mitgliedsstaaten verdienen, die dabei regelrecht ausbluten.

  • makro
    makro
    21.04.2017, 21:56 Uhr.

    Das war`s für heute im makro-Blog. Herzlichen Dank für Ihr Interesse und vielen Dank auch an Prof. Henrik Uterwedde vom Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg für die Beantwortung der Fragen. makro gibt es wieder am nächsten Freitag um 21:00 Uhr. Dann geht es um die „letzte“ Zigarette. Ist die Zigarette ein Auslaufmodell? Welche Zukunft hat die E-Zigarette? Wir wünschen Ihnen bis dahin eine gute Zeit! Ihr makro-Team

  • Henrik Birkemeyer
    21.04.2017, 21:44 Uhr.

    Guten Abend Herr Uterwedde,
    diese Sendung war die erste gelungene, die ich zum Thema Wahl in Frankreich gesehen habe.
    Im Interview sagten Sie, die Lohnkosten in Frankreich seien zu hoch gemessen an der Qualität der Produkte, die hergestellt werden.
    Allerdings ist es doch ebenfalls so, dass sich in Deutschland die Wachstumsgewinne der letzten Jahre nicht oder kaum in höheren Löhnen und Gehältern widergespiegelt haben, die Arbeitnehmer in Deutschland also kaum profitiert haben. So sind doch in Deutschland die Löhne eigentlich zu niedrig und dann ist es ja kein Wunder, dass ein Land wie Frankreich im Vergleich mit Deutschland nicht mehr mithalten kann.
    Darüber hinaus bin ich Student und jobbe im Moment als Leiharbeiter. Ich kann Frankreich nur davor warnen, den Weg der Agendapolitik zu gehen. Im Lager bei uns sind von 20 Mitarbeitern 9 von der Leiharbeiterfirma. Und die füllen ganz normale Jobs aus, und decken keine „Auftragsspitzen“ ab. In Deutschland nutzen die Unternehmen ihre Möglichkeiten ziemlich schamlos aus, ich würde mir ein wenig mehr französische Aufmüpfigkeit der Arbeiter und bessere Rechte wünschen!
    Vielen Dank fürs Lesen und Beantworten, Herr Uterwedde.

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:48 Uhr.

      Im Kern sehe ich das ähnlich. IN Frankreich mobilisiert „die Straße“, in Deutschland sollten wir der IG Metall zutrauen, solche Missstände zu bekämpfen. Zu den Lohnkosten: Ja, wir hatten zu lange Lohnzurückhaltung, das ist aber seit einigen Jahren anders geworden. Was in Frankreich (noch) nicht stimmt, ist das Verhältnis zwischen Lohnkosten und Qualität der Produktion.

      • C.Ritter
        21.04.2017, 21:54 Uhr.

        Woran messen Sie denn die mindere Qualität der Produktion in Frankreich im Verhältnis zu den Kosten?

    • makro
      makro
      21.04.2017, 22:02 Uhr.

      Danke!

  • Anton
    21.04.2017, 21:41 Uhr.

    Hallo Herr Uterwedde,

    Im Film haben wir gesehen dass bisher die meiste Reform versuchen im Frankreich gescheitert sind am Streiks. Wie soll ein Macron es dann überhaupt schaffen Änderungen durchzusetzen, egal wie gut seine Vorschläge und Pläne wohl sein werden…..?

    MfG

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:45 Uhr.

      Ich glaube, man muss den Mut haben, Klartext zu reden und dann auch notwendige Veränderungen erklären und durchzusetzen. Das gab es auch schon, bei manchen Rentenreformen zum Beispiel. Also: Macron traue ich es durchaus zu, einen solchen Kurs zu fahren und dabei Reformen nicht als „Strafaktion“ wirken zu lassen wie das bei Fillon z,.B. anklingt.

  • Felix Czernin
    21.04.2017, 21:39 Uhr.

    Sehr geehrter Professor Uterwedde,

    sie sprachen zuletzt von den Stärken Frankreichs. Wie bewerten sie die französische Besonderheit der immer noch starken Staatskonzerne? Sehen sie darin eher eine Stärke oder Schwäche?

    Vielen Dank für die Antwort.

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:44 Uhr.

      Im Prinzip eher skeptisch, weil es teilweise Riesenorganisationen wie EDF sind, die nicht immer erneuerungsfähig sind. Manchmal aber hat der STaat auch einen guten Einfluss. Mein Lieblingsbeispiel: TGV, für mich viel weniger pannenanfällig als der ICE.

  • mister-ede
    21.04.2017, 21:37 Uhr.

    Steht Mélenchon für ein soziales, solidarisches und humanes Europa? Ein Europa der Bürger, nicht der Großkonzerne? Ein Frankreich, das untere Einkommensschichten fördert, statt Großverdiener zu subventionieren?

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:42 Uhr.

      Würde ich sagen, ja. Auf jeden Fall wäre es falsch ihn in irgendeine (bequeme) politische Ecke zu stellen.

      • mister-ede
        21.04.2017, 21:46 Uhr.

        Danke für die Antwort. Vermutlich wäre Mélenchon dann meine Wahl, weil Hamon so weit abgeschlagen ist.

  • Erwin Theuerkauf
    21.04.2017, 21:37 Uhr.

    Pardon fuer den Fehler in der Anrede

  • Chris leBon
    21.04.2017, 21:36 Uhr.

    Diese Sendung trieft vor Neoliberalismus…soziale Gerechtigkeit wird hier als teure Wohltat bezeichnet, Reformen ala Agenda 2010 als notwendig um Konkurrenzfähig zu werden, d.h. die Stückkosten sollen gesenkt werden um konkurrenzfähig zu werden, hier wird Deutschland u Italien als vorbildlich dargestellt. D.h. im Umkehrschluss eine weitere Senkung des Lohnniveaus, Rentenniveau u sozialer Absicherung um Deutschlands Export Überschuss beizubehalten u die Schere zwischen arm u reich weiter zu öffnen. Und dann wird sich über den Zulauf zu populistischen Parteien gewundert. Es gibt kein endloses Wachstum, dieses geschieht immer auf Kosten der anderen Nationen u der eigenen Bevölkerung sprich Arbeitnehmern durch Senkung der Löhne, staatlichen Absicherungen u dem Ausbau des Niedrig Lohn Sektors, Aushöhlung des Tarifrecht es etc pp. Hier so einseitig neoliberalen zu berichten und o.g. als Allheilmittel zu verkaufen ist de Facto kontraproduktiv u ein mitVerlaub journalistisches Endlager, hier muss dringend Ursachen Forschung betrieben werden

    • Chris leBon
      21.04.2017, 21:38 Uhr.

      Die Rechtschreibfehler können Sie behalten da mit Tablet erstellt, die Aussage bleibt korrekt.

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:41 Uhr.

      Na ja, manchmal tut es auch gut, Wahrheiten zur Kenntnis zu nehmen und nicht alles mit dem Totschlagargument „Neoliberalismus“ wegzuwischen.

      • SSA
        21.04.2017, 21:43 Uhr.

        Die Debatte hier ist absurd….

      • Chris leBon
        21.04.2017, 21:52 Uhr.

        Apropros Totschlag Argument…Wachstum, Konkurrenzfähigkeit, Wohltaten, Stückkosten, Abwanderung von Reichen etc PP, Sie Antworten leider nicht auf die Fakten sondern mit dem Totschlag Argument “ Neoliberalismus“ was ist denn so toll daran? Was bringt es den Rentnern, den Arbeitnehmern, dem Antipopulismus, der Zufriedenheit, der Korruption, Parteispenden, etc PP, die FDP hat dieses Jahr schon 600000 Euro von Unternehmen gespendet bekommen, mehr als die CDU, das nenne ich Neoliberalismus pur….als außerparlamentarische Opposition, eine Schande für die Demokratie…

    • SSA
      21.04.2017, 21:42 Uhr.

      Ich schließe mich LeBon an.

  • Erwin Theuerkauf
    21.04.2017, 21:34 Uhr.

    Sehr geehrter Professor Uterwegge, ich lade Sie gern an einem Sonntag nach 06140 Vence ein, Sie werden dann verstehen, warum wir Marine wählen Gruß aus Vence

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:40 Uhr.

      Danke, ich glaube auch so zu wissen, warum MLP so viele Wähler anzieht.

  • mister-ede
    21.04.2017, 21:33 Uhr.

    Ist Macron ein neoliberaler Reformer wie Gerhard Schröder?

    Bedeutet das dann in Frankreich Ausweitung von Niedriglohnsektor und prekären Beschäftigungsverhältnissen wie einst in Deutschland? Private Rente und vorprogrammierte Altersarmut? Abbau sozialer Leistungen, dafür Steuersenkungen für Reiche?

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:39 Uhr.

      Nein, würde ich nicht sagen. Er spricht sich für Veränderungen aus, darunter sind auch „liberale“ Reformen (was dem sehr dirigistischen Frankreich gut täte!), aber eben auch andere, wie z.B. die Reform der beruflichen Bildung.

  • SSA
    21.04.2017, 21:33 Uhr.

    In dem Porträt von Mélenchon sind 3 Fehler/ Falsch Infos gesagt worden:

    1) JLM will 35 Std / Woche und nicht 32 Std wie behauptet
    2) JLM Will nicht zum Franc zurück. Diese Behauptung ist falsch
    3) JLM Ist keine Europa Aussteiger wie behauptet. Kein Frexit oder sonst.

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:38 Uhr.

      Na ja, schauen Sie sich mal seine Aussagen/sein Programm an…

      • SSA
        21.04.2017, 21:41 Uhr.

        HABE ICH GETAN! Und auch Videos und Artikel gelesen, von Fion dun Macon ebenso.Dieser Beitrag heute ist komplett orientiert und hat null Objektivität.
        LG

  • Holger Voss
    21.04.2017, 20:47 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Uterwedde,

    ist Ihnen eventuell bekannt, ob es eine „Gemeinsame Innovationsstrategie Deutschland-Frankreich“, beispielsweise in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemische Industrie, Start-Up-Förderung von seiten der Europäischen Investitionsbank usw. gibt?

    • makro
      makro
      21.04.2017, 20:59 Uhr.

      Lieber Herr Voss,
      Sie kennen ja den Ablauf. Herr Uterwedde wird natürlich erst NACH der Sendung antworten. Jetzt ist er (hoffentlich) im Studio!

      • Holger Voss
        21.04.2017, 21:01 Uhr.

        Ja klar, danke.

    • Henrik Uterwedde
      21.04.2017, 21:37 Uhr.

      Es gibt verschiedene gemeinsame Projekte und Kooperationen, das bekannteste ist Airbus oder auch die Ariane-Rakete. Im Bereich Digitalisierung usw. haben beide Regierungen auch eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Aber es gäbe sicher noch sehr viel mehr sinnvolle Projekte…

  • makro
    makro
    21.04.2017, 20:14 Uhr.

    Liebe Nutzer des makro-Blogs, wir wünschen ein offenes, freundliches und respektvolles Diskussionsklima. Bitte wahren Sie einen fairen und sachlichen Ton. Diese Diskussion wird moderiert und wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsere Netiquette missachten. Vielen Dank!

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