Griechenland: Reden Sie mit!

Auf dem Syntagma-Platz in Athen. Bild: dpa

Auf dem Syntagma-Platz in Athen. Bild: dpa

Das Ziel war ja einmal, der griechischen Wirtschaft zu Wettbewerbsfähigkeit zu verhelfen, damit der Staat wieder auf eigenen Beinen stehe. So halten seit Ausbruch der Eurokrise Europas Steuerzahler Hellas mit Rettungspaketen über Wasser, derweil sich Griechen von Aufpassern gegängelt fühlen.

Zwar ist der Absturz der griechischen Wirtschaft gestoppt. Doch ob es aufwärts geht, hängt an der Fähigkeit des Landes zu grundlegenden Reformen. Wie geht es da voran? Und was passiert, wenn das Hilfspaket Mitte 2018 ausläuft?

Sparen, investieren, reformieren oder einfach machen lassen? Zu Gast bei makro ist Prof. Matthias Fifka von der Universität Erlangen-Nürnberg. Diskutieren Sie mit!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

36 Kommentare

  • Daniel Maier
    12.05.2017, 21:53 Uhr.

    Ich hoffe nur, dass populistische Anti-EU Parteien die Sitation nicht ausnutzen, um für einen Grexit Stimmung zu machen. Danke für die Antworten und einen schönen Abend

  • makro
    makro
    12.05.2017, 21:52 Uhr.

    Das war`s für heute im makro-Blog. Herzlichen Dank für Ihre interessanten Fragen und Kommentare und vielen Dank auch an Prof. Matthias Fifka von der Universität Erlangen-Nürnberg seine Antworten. makro gibt es wieder am nächsten Freitag um 21:00 Uhr. Dann geht es um den zunehmenden Protektionismus im Welthandel. Wir wünschen Ihnen bis dahin eine gute Zeit!
    Ihr makro-Team

  • Regina
    12.05.2017, 21:47 Uhr.

    Alle genannten Möglichkeiten zur Verbesserung der Situation in Griechenland sind doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Warum nicht Griechenland aus der Eurozone entlassen, die alte Währung wieder einführen, abwerten lassen und neue Kraft für ein wirkliches Wirtschaftswachstum schöpfen. Die Kosten könnten die Gewinner-Staaten in der Eurokrise sicherlich verkraften, die haben ja eh schon genug profitiert

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:51 Uhr.

      Da bin ich ganz bei Ihnen. Ich habe ebenfalls für einen Austritt aus der Eurozone plädiert, weil es den Griechen die Möglichkeit gegeben hätte, über die Abwertung der eigenen Währung ihre Produkte wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Ein Grexit wäre zwar auch einem Schuldenschnitt gleichgekommen, da das Land dann noch weniger seine Schulden hätte zahlen können, und es hätte anderweitige Verwerfungen gegeben, aber es hätte dem Land zumindest eine Perspektive ermöglicht.

  • Daniel Maier
    12.05.2017, 21:46 Uhr.

    Würden Sie sagen, der Umstand, dass bisher kein Schuldenschnitt gewährt wurde, obwohl viele Experten seit langem diesen als unumgänglich bezeichnen, hat was mit der Steuerzahlungsmoral der Griechen zu tun oder nur wegen des Fehlens der wettbewerbsfähigen Branchen?

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:48 Uhr.

      Der Umstand, dass kein Schuldenschnitt gewährt wurde, liegt primär daran, dass er in vielen Ländern nicht zu kommunizieren wäre, v.a. bei uns in Deutschland. Frau Merkel hat ja mehrmals versprochen, dass es mit ihr keinen Schuldenschnitt geben wird. Gerade in Wahlkampfzeiten lässt sich so ein Versprechen kaum brechen. Ich bin mir aber sehr sicher, dass wir nach der Wahl Bewegung in dieser Sache sehen werden. Unliebsame Maßnahmen werden erfahrungsgemäß unmittelbar nach der Wahl getroffen.

      • Orest
        12.05.2017, 21:56 Uhr.

        Ich möchte darauf hinweisen dass Frau Merkel auch mehrmals versprochen hat niemals Griechenland mit deutschem Steuergeld zu unterstützen.

  • Dr. Styllou
    12.05.2017, 21:43 Uhr.

    Kann man beziffern (zeitlich und monetär) um wieviel die Flüchtlingskrise, die GR an der (EU-)Grenze bewältigt, in der eigenen Finanzkrise zurückwirft und kostet?

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:46 Uhr.

      Da kann ich nur mutmaßen; die EU zahlt Griechenland erhebliche Unterstützungsgelder zur Bewältigung der Krise, die außerhalb der anderen Kreditzahlungen laufen. Dass die Bewältigung der Krise das Land wirtschaftlich zurückwirft, erscheint mir also eher unwahrscheinlich.

      • Dr. Styllou
        12.05.2017, 22:01 Uhr.

        Nachtrag: In wieweit hat die negative Beeinträchtigung der griechischen Tourismusbranche durch die Flüchtlingskrise in der Bewältigung der Finanzkrise GR wirtschaftlich belastet. Könnte die Einführung einer „Tourismustaxe“ (analog einer „Kurtaxe“), wie es sie in D u.a. Ländern gibt die Wirtschaft stützen, und wieviel könnte eine Einnahme dieser Art einbringen.

  • Ulrich Pehle
    12.05.2017, 21:38 Uhr.

    Warum sind in Griechenland die Strompreise doppelt so hoch als im
    benachbarten Bulgarien?

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:44 Uhr.

      Ich fürchte, da kann ich nur raten, was die bulgarische Seite betrifft, auf der man u.U. schon privatisiert hat. In Griechenland waren öffentliche Versorger seit je her in öffentlicher Hand (was in vielen anderen Ländern auch der Fall war), aber in Griechenland haben sie sehr ineffizient gewirtschaftet, weil sie sehr hohe Kosten hatten. Dies lag vor allem an den Personalkosten, weil man im Rahmen der Klientelwirtschaft Parteifreunden und Unterstützern dort hoch dotierte Jobs verschafft hat.

  • Orest
    12.05.2017, 21:37 Uhr.

    Ich kann Herrn Ganz nur zustimmen. Griechenland ist reich an Erdgas, Eröl und auf der Chalkidiki an Gold. Interessant ist, das sich bereits ausländische Investoren eingekauft haben, um hier Ihre „Pfründe“ zu sichern.

  • mister-ede
    12.05.2017, 21:34 Uhr.

    Griechenland hatte laut Eurostat 2016 eine Zinslastquote von 3,2%, also weit geringer als Italien oder Portugal. Wenn Sie also einen Schuldenschnitt für Griechenland fordern, um den Schuldendienst zu reduzieren, müssten Sie dann nicht zuerst einen Schuldenschnitt für Portugal oder Italien einfordern?

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:41 Uhr.

      Der Schuldendienst für Griechenland ist, wie in der Sendung erwähnt, nur deshalb so gering, weil man dem Land äußerst großzügige Konditionen eingeräumt hat. So zahlt das Land für die Kredite aus dem zweiten Paket erst ab 2022 Zinsen, um nur ein Beispiel zu nennen. Man hat das Problem in die Zukunft verschoben. Zudem haben Portugal und auch Italien wettbewerbsfähige Branchen, was in Griechenland fehlt. Schuldendienst muss nicht immer ein Problem sein, wenn es auf der Einnahmenseite stimmt.

      • mister-ede
        12.05.2017, 21:43 Uhr.

        Danke Herr Fifka, diese Argumentation kann ich nachvollziehen.

    • peter pan
      12.05.2017, 21:49 Uhr.

      wenn Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg keinen Schuldenerlass in London erfahren hätte,hätte der Marshall Pan auch nicht zum tragen kommen können.
      Heute sind wir es, die auf die Kreditrückzahlung Bestehen.

      • mister-ede
        12.05.2017, 21:58 Uhr.

        Wenn man bedenkt, dass Deutschland zuvor Europa in Schutt und Asche gelegt hat, schon eine wahnsinnige Solidarität damals. Und dann der Vergleich zum heutigen nationalen Egoismus der Bundesregierung. Da muss man sich schon für schämen…

  • Karin Kiefer
    12.05.2017, 21:32 Uhr.

    …glaubt denn tatsächlich noch jemand an all die Systeme, in denen wir leben?
    Wirtschafts -Finanz-Gesellschaftssystem…
    Es kollabiert doch schon so lange so ziemlich alles…
    Irgendwie erscheinen mir in Anbetracht dessen derartige Debatten ein „water fall chasing “ ….Ich hoffe, ich habe mit diesem Kommentar nicht die Netiquette verletzt .

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:39 Uhr.

      In der Tat wurden auf vielen Ebenen Systeme geschaffen, die sehr fragil sind. Was eben so wichtig ist, ist, dass sich die Menschen von diesen Konstellationen bedroht fühlen, auch weil sie sie nicht mehr verstehen. Phänomene wie der Brexit oder auch die Wahl Herrn Trumps sind Ausdruck dieser Unsicherheit. Man möchte sich auf eine „kleinere Welt“ zurückbegeben, was natürlich kaum möglich ist, aber der Wunsch danach ist da. Es ist kein Zufall, dass Globalisierung von vielen Menschen eher als Bedrohung denn als Chance gesehen wird.

      • Karin Kiefer
        12.05.2017, 21:50 Uhr.

        …Danke für diese empathische Rückmeldung…
        Globalisierung sollte nicht bedrohlich wirken, sondern Räume eröffnen – den Menschen! Wem dienen all diese Systeme? Ich verstehe es tatsächlich nicht mehr…
        Mir ist sehr wohl bewusst, dass es hier nicht Ihre Aufgabe ist, zu kalmieren oder zu entwarnen…Ich finde es einfach spannend, dass es noch immer Menschen gibt, die daran glauben, dass dieser Wirtschafts (wer genau ist das eigentlich? ) -Zirkus tatsächlich Sinn macht…Sie als Experte müssen das wohl, wie ich vermute ..

    • WilS
      13.05.2017, 0:33 Uhr.

      Wir leben seit Jahrtausenden mit Geld – arbeiten dafür und damit. Selbst mit Hyperinflation oder Deflation geht es irgendwie weiter. Den meisten reicht das. Auch, wenn sie sich damit ruinieren.
      Mit Open Haushalt könnten Bürger den Etat analysieren. SIE können diese Parteien, die das wollen, wählen!

  • Michael Brenner
    12.05.2017, 21:29 Uhr.

    Seit 30 Jahren gehe ich nach Griechenland in den Urlaub. Mittlerweile habe ich dort auch gute Freunde, die mit mir natürlich auch über die wirtschaftliche Lage reden…
    Ich komme dabei immer wieder auf das gleiche Fazit:
    Wenn in GR JEDER Steuern bezahlte, dann wäre wahrlich genug Geld da. Aber es ist halt immer noch so, dass der Finanzbeamte regelmäßig bei bestimmten Menschen(die beispielsweise eine kleine Penson führen)auftauchen, um dort abzukassieren. Die größeren Hotelketten – so wurde man mir gesagt, bestechen den Beamten mit einigen hundert Euro, und bleiben verschont.
    Wenn man nun von Schuldenschnitt spricht, dann wäre es seitens der griechischen Regierung doch ein wohlwollendes Zeichen, diesen Missstand endlich zu beheben, aber selbst als Brüssel anbot, 150 Steuerbeamte zur Unterstützung nach GR zu schicken (u.a., um die Sache zu sigitalisieren), wurde dies von der griechischen Regierung abgelehnt…

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:36 Uhr.

      Das griechische Steuersystem ist in der Tat höchst ineffizient. Steuern zu erheben bzw zu erhöhen, das ist eine Sache, sie einzutreiben, eine andere. Die Griechen schulden ihrem Staat etwa €100 Mrd., also die Hälfte der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das ist also eine ganze Menge.

  • Roller
    12.05.2017, 21:29 Uhr.

    Wie hat sich die Kapitalkontrolle auf die Wirtschaft ausgewirkt?

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:34 Uhr.

      Die Kapitalkontrollen kamen mit etwas Vorlauf, von daher wurden die großen Vermögen noch vorher ins Ausland geschafft. Getroffen haben die damit verbundenen Maßnahmen vor allem die „kleinen Bürger“, weil man ja auch das Abheben von Bargeld limitiert hatte. Auf diesem Weg wurde es also schwieriger, Geld ins Ausland zu bringen, aber eben auch Geld für tägliche Ausgaben abzuheben.

  • mister-ede
    12.05.2017, 21:28 Uhr.

    An wen muss Griechenland im Juli die 7 Mrd. Euro zurückzahlen? Sind das ESM, EFSF und Co.?

    Nachdem Griechenland einen Primärüberschuss hat, braucht es die Hilfskredite nicht eigentlich nur noch, um die eben genannten Gläubiger zu bezahlen?

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:32 Uhr.

      Ja, es handelt sich um Rückzahlungen an die diversen Institutionen, wobei die an den IWF am kritischsten sind. Bleiben diese aus, nehmen das die Rating-Agenturen als Kriterium für Zahlungsunfähigkeit. Die Hilfskredite sind zum einen notwendig für den Schuldendienst, aber auch für die Kapitalisierung der Banken.

      • mister-ede
        12.05.2017, 21:40 Uhr.

        Danke Herr Fifka. Das mit der Kapitalisierung der Banken verstehe ich allerdings nicht. Ich dachte, die drei größten gr. Banken gelten als systemrelevant und stünden unter der Aufsicht der EZB. Gibt es da nicht eine EU-Richtlinie, nach der in diesem Fall die Haftungskaskade zieht und Griechenland eigentlich gar kein Geld in die Banken stecken sollte?

  • Dieter Stucki
    12.05.2017, 21:25 Uhr.

    Guten Abend!
    Zwei Fragen:
    1. Griechenland hat, so sagten Sie, damals viele Kredite leicht bekommen. Wussten die Geber nicht, wem sie das Geld geben? Beispiel: Wusste Deutschland nicht, dass man besser keine U-Boote an GR verkauft?
    2. Es wird gesagt, die stinkreichen Reeder tragen wenig zur Lösung bei. Stimmt das? Wenn ja, warum geht man da nicht ran?
    Danke

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:31 Uhr.

      Doch, die privaten Geldgeber, vornehmlich europäische Großbanken wussten sehr genau, wem sie da Geld leihen und das dieses Geschäft riskant ist. Aber nach dem Beitritt zur Eurozone konnten sie davon ausgehen, dass die europäische Institutionen aushelfen, wenn es eng wird. Und genau das ist ja passiert.
      Die Reeder waren natürlich sehr lange eine hervorragend vernetzte Gruppe mit ganz engem Draht zu den Regierungen, egal welcher Färbung. Zudem wollte man natürlich die Reeder im internationalen Wettbewerb nicht benachteiligen. Auch nach wie vor geht man eher vorsichtig mit ihnen um, wenngleich man einige Steuererleichterungen abgeschafft hat.

  • Daniel Maier
    12.05.2017, 21:22 Uhr.

    Guten Tag
    Würden Sie sagen, dass ein Schuldenschnitt helfen würde und wie beurteilen Sie die harte Gangart der EU gegenüber Griechenland im Angesicht der EU-Spaltungs-Krise mit Hinblick auf evtl. bald kommende Probleme mit Italien/Spanien?

    • Matthias Fifka
      12.05.2017, 21:26 Uhr.

      Ein Schuldenschnitt ist sowieso unausweichlich, früher oder später. Griechenland wird das Geld nie zurückzahlen können. Gegenwärtig belaufen sich die Schulden auf ca. €300 Mrd., die jährliche Wirtschaftsleistung auf €200 Mrd. Die Griechen müssten also eineinhalb Jahre arbeiten, um ihre Schulden zu bezahlen. Ein Schuldenschnitt würde Klarheit schaffen und ermöglichen, das Geld, das jetzt bereits für den Schuldendienst draufgeht, in Bildung und Infrastruktur zu investieren. Das würde auch Wachstumsperspektiven eröffnen.

  • Matthias Fifka
    12.05.2017, 21:22 Uhr.

    In der Tat gibt es in der nördlichen Ägäis größere Erdöl- und Erdgasvorkommen, die Griechenland in den kommenden Jahren zu fördern gedenkt. Die Schätzungen des finanziellen Gegenwerts liegen zwischen €40 und €400 Mrd. Da wird sich sicherlich etwas bewegen.

  • Alex Ganz
    12.05.2017, 21:12 Uhr.

    Was mich bei der Griechenlanddiskussion wundert: hat von diesen ganzen hochbezahlten Politikern nie einer auf die Landkarte geschaut?
    Warum kümmert man sich nicht um das Erdgas vor der Küste und nimmt die Erträge zur Schuldentilgung? Wäre wohl zu einfach…

  • makro
    makro
    12.05.2017, 20:07 Uhr.

    Liebe Nutzer des makro-Blogs, wir wünschen ein offenes, freundliches und respektvolles Diskussionsklima. Bitte wahren Sie einen fairen und sachlichen Ton. Diese Diskussion wird moderiert und wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsere Netiquette missachten. Vielen Dank!

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