Frankreich in Bewegung: Reden Sie mit!

Henrik Uterwedde, Professor für Politikwissenschaft

Als Emanuel Macron vor zwei Jahren zum französischen Präsidenten gewählt wurde, galt er als Hoffnungsträger und mutiger Reformer. Seit November 2018 steht seine Politik durch die Proteste der Gelbwesten jedoch anhaltend in der Kritik: Er sei ein einseitiger Reformer. Ein „Präsident der Reichen“.

Um der Vertrauenskrise der vergangenen Monate zu begegnen, machte er nun zahlreiche Zugeständnisse zur Entlastung der Mittelschicht. Auch hat „Macron die zahlreichen Probleme in Wirtschaft und Gesellschaft klar benannt und begonnen anzupacken – die Richtung stimmt“. Darauf deutet nach Henrik Uterwedde z.B. der Rückgang der Arbeitslosigkeit und das verbesserte Klima für Investoren hin. Werden diese Maßnahmen reichen um die Wähler und Wählerinnen bei den Europawahlen im Mai 2019 hinter sich zu versammeln? Oder werden sie ihm dort einen Denkzettel verpassen? Diskutieren Sie mit!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

19 Kommentare

  • Lutz Rogosinsky
    12.04.2019, 22:07 Uhr.

    Wenn die Rep. Frankreich nicht den kleinen Weltpolizisten spielen würde, wären auch die Mittel für die Lösung der sozialen Probleme vorhanden . Auch Frankreich sollte sich auf seine innerstaatliche Probleme konzentrieren und die Ausgaben für die Verteidigung auf 1 % des BIP reduziere, entgegen den NATO – Festlegungen.

  • Alegna Thiremag
    12.04.2019, 21:59 Uhr.

    Guten Abend, Herr Professor Utterwedde,

    die Kinder in Frankreich beginnen ihre Bildungslaufbahn praktisch durchgehend mit bereits drei Jahren, und verbringen den ganzen Tag dort. Wie kann es sein, dass dann so viele junge Menschen keinen Schul- oder Berufsabschluss machen. Das vernachlässigte duale Ausbildungssystem mag einer der Gründe sein, aber da scheint in den vielen Jahren der Ganztagsschulzeit nicht alles rund zu laufen. Vielleicht ist die Pädagogik veraltet oder sind es die Lehrinhalte? Vielleicht könnte sich Frankreich in Europa umsehen und das eine oder andere übernehmen. Wurden in den vergangenen zwei Jahren Bildungspolitische Akzente gesetzt oder ist das geplant. Jedenfalls sind 20% Jugenarbeitslosigkeit mehr als ein Warnsignal. Ich freue mich auf Ihre Antwort zu so später Stunde.

  • makro
    makro
    12.04.2019, 21:58 Uhr.

    Das war`s für heute in unserem Blog. Wir bedanken uns für Ihr Interesse und bei unserem Studiogast, Professor Henrik Uterwedde, für die Beantwortung der Fragen. Sie können untereinander natürlich gerne weiterdiskutieren. makro gibt es nach Ostern wieder. Dann widmen wir uns der Flugbranche. Die Luftfahrtindustrie erwartet in den nächsten 15 Jahren eine Verdopplung des globalen Luftverkehrs. Doch noch nie gab es so viele Pleiten bei den Airlines. Wir wünschen ihnen bis dahin eine gute Zeit!

  • Michel D.
    12.04.2019, 21:37 Uhr.

    Guten Abend! Meine Frage:
    Warum ist die Arbeitslosigkeit in Frankreich im Vergleich zu Deutschland so hoch, obwohl sich Frankreich im Gegensatz zu Deutschland an die vereinbarten 1,9 % Inflation der Maastricht Kriterien der Lohnstückkosten gehalten hat? Ich meine: im Grunde wurde doch richtig gewirtschaftet – wie kann die Arbeitslosigkeit so hoch sein?
    Danke und herzliche Grüße

    • Professor Uterwedde
      12.04.2019, 21:40 Uhr.

      Guten Abend,
      die hohe Arbeitslosigkeit hat andere Gründe als die Inflation. Z.B ist die mangelnnde Berufsauzsbildung ein Thema – keine dualen Ausbildungsformen in der Menge wie in Deutschland. Das führt regelmäßig zu einer sehr hohen Jugendaarbeitslosigkeit.

      • Michel D.
        12.04.2019, 21:49 Uhr.

        Aber wie kann es soweit kommen? Gibt es also den Bedarf an Fachkräften, aber es wird nicht ausreichend ausgebildet? Müsste sich sowas nicht selbst regulieren? Hat es vielleicht mit der eingeschränkten Zugänglichkeit aufgrund von Ausbildungs- bzw. Studienkosten zu tun?

        • Professor Uterwedde
          12.04.2019, 21:53 Uhr.

          Das ist sehr komplex. Zum einen fehlen tatsächlich gut ausgebildete Leute, wie es auch in einem Beitrag in makro erwähnt wurde. Dann sind viele junge Menschen zwar mit schulischenund universitären Diplomen überhäuft, es fehlt aber oft an der praktischen Erfahrung. Macron will z.B. die duale Ausbildung sow ähnlich wie in Deutschland aufwerten; bisher führt sie in Frankreich nur ein Schattendasein.Das halte ich für einen richtigen Ansatz. Ein weiteres Problem sind die hohen Mindestlöhne für nicht qualifizierte Mitarbeiter,, das schreckt manche Unternehmen ab.

  • Oliver Zimmermann
    12.04.2019, 21:37 Uhr.

    Hallo, ich arbeite seit acht Jahren bei der Deutsche Bahn als Zugchef auf den Zügen nach Paris und Marseille. Vom Studium her bin ich aber Soziologe und Politologe mit einem Magister.

    Ich leide manchmal sehr unter meinen SNCF Kollegen, mit denen ich dort arbeiten muss (wir sind immer zu zweit im Zug – Sie werden das kennen).

    Die ewigen Streiks, die unsinnige Suche nach Konfrontation, aber vor allem die Arbeitsmoral. Dass mal ein Satz wie „Mit denen ist kein Staat zu machen“ oder „Da muss mal Zucht und Ordnung rein“ aus meinem Mund (ich bin 50 Jahre alt, Kinder der 68er und von meiner Prägung her links, Atheist, habe immer Grün gewählt) kommen würde, ließ ich mir nicht träumen.

    Kürzlich dachte ich an Max Weber und sein Postulat von der „Protestantischen Arbeitsethik“ und kam zu der Hypothese, dass mit der Vertreibung der Hugenotten auch dieser Charakterzug aus Frankreich vertreiben wurde. Es gibt nur 2% Protestanten in Frankreich).

    Mir kam kürzlich der Spruch über die Lippen:
    Avant „Savoir vivre“ vient „Savoir travailler“!

    • Professor Uterwedde
      12.04.2019, 21:46 Uhr.

      Danke für Ihren Erfahrungsbericht. Ich wäre etwas vorsichtiger mit Verallgemeinerungen; aber wenn Deutsche und Franzosen zusammenarbeiten, gibt es oft jede Menge Reibereien, weil jeder die Sache etwas anders sieht und anpacken will. Das muss nicht immer in die Richtung gehen, die Sie erlebt haben!!!

      • Oliver Zimmermann
        12.04.2019, 21:48 Uhr.

        Von diesen Reibereien kann ich ein Lied singen… Ich wollte die Überlegung / Frage in den Rauf werfen: Kann es nicht nur an anderen Strukturen, sondern vielleicht auch an einer anderen Mentalität liegen, welche wirklich unglaublich tief verwurzelt ist?

        • Professor Uterwedde
          12.04.2019, 21:50 Uhr.

          Mit Sicherheit; nur darf man es sich nicht zu einfach damit machen. Ich kenne andere Beispiele, wo sich Franzosen und Deutsche in der ARbeit hervorragend ergänzen. Also vielleicht haben Sie einfach Pech in Ihrem Umfeld???

          • Oliver Zimmermann
            12.04.2019, 21:52 Uhr.

            Nun ja, Sie kennen bestimmt die SNCF und diese ist schon sehr speziell. Vielleicht ist sie auch nicht repräsentativ für den Rest der Grande Nation.

            • Professor Uterwedde
              12.04.2019, 21:54 Uhr.

              Darm hat Macron ja auch eine Reform gestartet, die er trotz wochenlanger Streiks durchgesetzt hat…

            • Professor Uterwedde
              12.04.2019, 21:57 Uhr.

              Deshalb hat Macron ja auch eine BBahnreform durchgesetzt, die dringend notwendig war. Hoffentlich hilft es, und wir korrespondieren in 2 Jahren mal wieder miteinander! Alles Gute, HU

              • Oliver Zimmermann
                12.04.2019, 21:58 Uhr.

                Sehr gerne. Vielleicht sieht man sich mal auf dem Zug, mit dem Sie bestimmt oft fahren. Sie hören mich 😉

  • Prof.Dr.Peter Schöttler
    12.04.2019, 21:36 Uhr.

    Selten so viele Banalitäten (Holzsprache) gehört, um die Situation in Frankreich schön zu färben. Ich empfehle eine Reise ins Departement Nord sowie, was die Macron-Clique angeht, die Lektüre von Juan Branco, « Crépuscule ». Nach anderthalb Jahren hat Macron bereits entscheidend an Legitimität eingebüßt. Gäbe es Neuwahlen, er wäre weg.

    • Professor Uterwedde
      12.04.2019, 21:40 Uhr.

      Jedem seine Wahrheit…

      • Prof.Dr. Peter Schöttler
        13.04.2019, 12:57 Uhr.

        Wenn ein Wissenschaftler meint, jeder habe seine eigene Wahrheit, also Wahrheit relativiert, dann stimmt etwas nicht. Also könnte man sich fragen, welche Funktion „das“ Deutsch-Französische-Institut, dem Sie vorstehen, tatsächlich hat: Ist es etwa weniger der wissenschaftlichen Wahrheit als der „Vermittlung“ (i.e. Apologie) deutsch-französischer Regierungspolitik verpflichtet?

  • makro
    makro
    12.04.2019, 21:32 Uhr.

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