Japans Öffnung- Reden Sie mit!

Japanologe Harald Fuess

Japan hat ein Demografie-Problem. Die Bevölkerung des Landes schrumpft rapide und wird immer älter. Es gibt immer weniger Arbeitskräfte. Ein Weg das zu kompensieren, wäre es Einwanderung zu erlauben.

Ob das mit dem neuen Kaiser  Naruhito gelingt? Er ist in der Nachkriegszeit geboren und hat im Ausland studiert. Japan-Experte Harald Fuess meint, dass man von ihm keine politischen Impulse erwarten kann. Diskutieren sie mit!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

26 Kommentare

  • makro
    makro
    03.05.2019, 22:05 Uhr.

    Das war`s für heute in unserem Blog. Wir bedanken uns für Ihr Interesse und bei unserem Studiogast, Professor Harald Fuess, für die Beantwortung der Fragen. Sie können untereinander natürlich gerne weiterdiskutieren. In der kommenden Woche geht es bei makro um sogenannte FinTechs, die mit neuen Ideen die Finanzbranche umkrempeln. Wir wünschen ihnen bis dahin eine gute Zeit!

    • Almut Bauriedl
      03.05.2019, 22:08 Uhr.

      Danke sehr! Ein schönes Wochenende!

      • makro
        makro
        03.05.2019, 22:10 Uhr.

        Das wünschen wir Ihnen auch!

  • Christoph
    03.05.2019, 21:58 Uhr.

    Eine andere Frage: Besteht durch die steigende Touristenzahl vielleicht auch die Gefahr, dass die Öffnung ins Gegenteil umschlägt? Vor einigen Jahren ist man als Tourist oft völlig untergegangen, was mir vergangenen Monat aber aufgefallen ist, ist die signifikante Zahl chinesischer Touristen, die zum einen durch ihre Sprache, aber – ohne zu verallgemeinern wollen – öfter durch ein Verhalten hervortun, das selbst für einen Deutschen als rüpelhaft durchgehen würde. Ich kann mir vorstellen, dass das in Japan sehr schlecht ankommt, da die Einheimischen auffällig rücksichtsvoll sind.

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 22:04 Uhr.

      Es gibt in Japan den Begriff der Tourist Pollution, dass eben zu viele Leute die Temple besuchen und die Busse benutzen. Chinesen sind als groesste Gruppe natuerlich besondere Zielgruppe des Unmuts. Zu laut, sie stellen sich nicht richtig in die Schlage, sie wissen nicht wie die Muelltrennung funktioniert usw. Inzwischen fangen sich die Touristenorte aber auf diese Gruppen einzustellen und ensprechende Verkaeufer mit chinesischen Sprachkenntnissen bedienen diese neuen Kundengruppen.

  • Fischer
    03.05.2019, 21:47 Uhr.

    Sehr geehrter Herr Fuess,

    uns ist bei unseren Aufenthalten in Japan immer die Sicherheit im Land sehr positiv aufgefallen. Statistiken belegen die geringe Kriminaität.
    Worauf führen Sie, als Experte des Landes, die geringe Kriminalität zurück?
    Vielen Dank.

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 22:00 Uhr.

      Sicherheit ist in Japan wichtig und in der Nachkriegszeit war die Kriminalitaet sogar ruecklauefig. Die Polizei hat in den Nachbarschaften kleine Haeusschen und ist sehr gut informiert, was in den Regionen vor sich geht. Allerdings gibt es auch effektive System der Abschreckung. Einfaches Beispiel Fahrraeder werde selbst in den Staedten manchmal unabgeschlossen vor Supermaerkten abgestellt, da jedes Rad eine Nummer hat die beim Kauf bei der Polizei registriert ist und man sofort nachsehen kann wer der Besitzer ist. ich wurde dreimal von der Polizei angehalten, weil es auffaellig erschien, dass ich als Mann mit einem Fahrrad mit Kindersitzen fahren wuerde, d.h. der Verdacht lag nahe, dass ich ein Rad mitgenommen haben koennte.

  • Kusat Teru
    03.05.2019, 21:44 Uhr.

    Wenn die LDP-Regierung es wirklich wollte dass mehr Babies geboren werden, dann hätten sie längst entsprechend gehandelt. Es geht schließlich nur um Erhalt ihrer eigenen Macht und darum, die Forderungen der USA zu erfüllen. Diese wiederum wollen einfach ihre Stützpunkte behalten und ihre Waffen und Agrarprodukte verkaufen.

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 21:55 Uhr.

      Die Regierung will vieles und kann sich bei den Prioritaeten nicht entscheiden. Frauen sollen sowohl arbeiten und Kinder bekommen ohne das sich das japanische Senioritaetssytem veraendert. Offensichtlich funktioniert dieses nicht.

      • Kusat Teru
        03.05.2019, 22:03 Uhr.

        Herr Professor, Sie haben absolut Recht.
        Vielleicht fehlt es einfach an mutigen Frauen, die etwas mehr erreichen wollen..

  • Lange
    03.05.2019, 21:40 Uhr.

    Wieso setzt die Regierung nicht vermehrt auf die Ausbildung der weiblichen Bevölkerung in „atypische“ Berufe? Taffe Frauen, die trotzdem sich liebevoll noch um die Familie kümmern können.
    In einem anderen Beitrag hatte ich mal gesehen, dass Mädchen aufgrund der wenigen beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten teilweise in das Rotlichtmilieu abrutschen. Auch scheinen auswandern dieser Bevölkerungsgruppe in die USA beliebter zu werden.

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 21:53 Uhr.

      Ausbildung und Gesundheit der Frauen ist in Japan sehr hoch, trotzdem erhalten Frauen im Durchschnitt 25% weniger Lohn und sind nur etwa 10% der Unterhausmitglieder Frauen.

  • Patrick Biermann
    03.05.2019, 21:39 Uhr.

    Hallo Herr Fuss,
    worin hat sich das EInwanderungsgesetz in Japan verändert? Da hätte ich in der Sendung gerne mehr Details gehört. Ich versuche seit Jahren in Japan einen einen Fuß in die Arbeitswelt zu bekommen, das ist von außerhalb des Landes aber zuletzt absolut unmöglich gewesen.

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 21:48 Uhr.

      Es gibt 2 neue Visasysteme. Einmal 5 Jahre ohne Familie fuer Personen mit niedriger Qualifikation und ein andermal 10 Jahre mit Familie fuer Personen mit mittlerer Qualifikation. Im letzteren Fall kann auch eine Daueraufenthaltserlaubnis erlangt werden.

  • Almut Bauriedl
    03.05.2019, 21:38 Uhr.

    Welche Alternative zur Öffnung gäbe es für Japan? Eine Anknüpfung an die westliche Welt würde Japan mit dem allmählichen Verlust seiner einzigartigen Kultur bezahlen.

    • Simon
      03.05.2019, 21:44 Uhr.

      So sehe ich das auch! Die faszinierende Jahrtausende alte Kultur Japans sollte nicht auch noch dem Multikulturalismus geopfert werden. Ansonsten wird die Welt noch ein Stückchen monotoner und langweiliger.

      • Patrick Biermann
        03.05.2019, 21:48 Uhr.

        Fassen Sie das bitte als gut gemeinten Rat auf: Beschäftigen Sie sich bitte mal ein wenig mit transkultureller Theorie.

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 21:46 Uhr.

      Japan hat seine einzigartige Kultur im Dialog mit der oestlichen und der westlichen Welt geschaffen.

  • Christoph
    03.05.2019, 21:37 Uhr.

    Was mich wirklich interessieren würde ist, wie Japan die Unmenge an Jobs finanziert, die es bei uns einfach nicht geben würde. Beispiele: ich habe praktisch keine noch so kleine Baustelle gesehen, an der trotz Absperrung nicht vier Leute stehen würden, die aufpassen, dass keiner reinfällt; im Aquarium in Osaka gibt es Automaten, an denen man sein Ticket kauft, daneben steht aber ein Mitarbeiter, der dem Kunden ggf. erklärt, wie der Automat funktioniert und an jedem Ticket-Gate steht ein weiterer Mitarbeiter, der es dem Kunden abnimmt, dass der das Ticket selbst auf den Scanner legen muss. Bei einem derartigen Automatisierungsgrad würde es in Deutschland die Jobs einfach nicht mehr geben.

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 21:44 Uhr.

      Bei Baustellen sind diese Art von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen sehr auffaellig, jedoch gesetzlich vorgeschrieben. Die Personen sind meist Rentner, die vermutlich einen Mindestlohn erhalten.

  • Simon
    03.05.2019, 21:37 Uhr.

    Japan tut gut daran, die Grenzen nicht für Gering- und Unqualifizierte zu öffnen. Damit ist nichts gewonnen, sondern, im Gegenteil, es werden zusätzliche Probleme geschaffen. Letztlich ist es am Sinnvollsten eine aktive Bevölkerungspolitik zu machen, um die Geburtenrate zu steigern und als Ergänzung nur qualifizierte integrierbare Personen ins Land zu lassen. Ansonsten lässt sich der Wohlstand nicht erhalten, sondern es wird ein mittel- bis langfristiger Niedergang wie in Euopa eingeleitet. Das ist die harte Wahrheit.

    • Patrick Biermann
      03.05.2019, 21:41 Uhr.

      Aaah, die AfD hat offenbar auch zugeschaut…

      • Simon
        03.05.2019, 21:47 Uhr.

        Was hat das mit der AfD zu tun? Das ist eine ökonomische Tatsache. Die Menschen müssen in den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft integrierbar sein, ansonsten schafft man Parallelgesellschaften, die ökonomisch und gesellschaftlich abgekoppelt sind. Wollen Sie das etwa bestreiten?

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 21:42 Uhr.

      Es gibt in Japan jetzt schon Programme hochqualifizierte Arbeitskraefte zu gewinnen. Die Neuerung ist, dass jetzt Personen mit mittlerer Qualifikation bis zu 10 Jahre mit ihrer Familie kommen koennen. Allerdings muss das Schulsystem noch auf die neuen Familien eingestellt werden, deren Kinder auch erst einmal kein japanisch koennen.

  • Michael Goldberg
    03.05.2019, 21:33 Uhr.

    Man sagt dass man in Japan „das Gesicht verliert“ wenn man „nein“ sagt. Bitte erklären Sie das, vlt an einem Beispiel?

    • Professor Harald Fuess
      03.05.2019, 21:38 Uhr.

      Man verliert nicht sein Gesicht, aber wenn man die andere Person nicht verletzten will, versucht man ein Nein irgendwie zu umgehen oder eben lieber nicht zu antworten, was im Berufsleben auch sehr umstaendliche sein kann.

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