Fachkräftemangel: Reden Sie mit!

Der Arbeitsmarktexperte Prof. Stefan Sell, Hochschule Koblenz

Der Arbeitsmarktexperte Prof. Stefan Sell, Hochschule Koblenz

Ist der Fachkräftemangel nun real oder bloß eingebildet? Der Arbeitsmarktexperte Prof. Stefan Sell von der Hochschule Koblenz antwortet mit einem klaren Jein. Zwar gibt es ihn nicht überall, in bestimmten Berufen aber sehr wohl. Und weil dem Arbeitsmarkt jedes Jahr rund 300.000 Menschen verloren gehen, werde sich dieser Mangel noch verschärfen.

Das bedeute aber auch, so Sell, „dass man dort, wo die Nachfrage hoch ist, neue und zusätzliche Ausbildungskapazitäten schaffen muss“. Diskutieren Sie mit!

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makro

makro berichtet aus dem globalen Wirtschaftsdschungel. Mit Blick für den Menschen und fürs Detail, aber vor allem auch für die globalen Zusammenhänge. Immer freitags, immer um 21.00 Uhr.

47 Kommentare

  • Dipl.-Ing. H. Mauel
    09.06.2019, 16:03 Uhr.

    LKW fahrer: an dem Mangel ist die Logistik branche selber schuld, jahrzehnte lang hat man von der Schiene auf den LKW verlagert ohne die frage zu stellen wieviel t Ladung bewegt 1 LKW fahrer, wieviele t Bewegt 1 Lockführer? LKW fahrer wurden extrem ausgebeutet (Lenkzeit Lohnniveau) mit diesem dumping konnte der LKW die Schiene vom Markt verdrängen. In den Letzten 40 Jahren wurden mit wissen und willen des Verkehrsministeriums Schienenanschlüsse und Nebensterecken aufgegeben. Das rächt sich jetzt.
    MIT: Mein Beispiel: Wie ich mein Studium anfing war die Sicherheit des Berufseinstiegs der Grund der Fachauswahl für mich. 1993 Führte mich der ABSCHLUß im Fachbereich Maschinenbau Konstruktionstechnik in die sichere dauer Arbeitslosigkeit. Erst 2008 war ich froh als UNGELERNTER einen Dauerhaften Arbeitsplatz im nidriglohnsektor (Sauna) zu finden. Was soll eine gute Ausbildung wenn danach keine Einstellungsgarantie steht?
    Handwerk/Pflege: Problematisch ist das es jahre lang firmen gegeben hat die selbst nicht ausbilden und sich nicht an den Kosten für Lehre beteiligen, wer gutausgebildete Fachkräfte einstellen will MUSS sich auch an den Kosten für deren Ausbildung beteiligen! Wenn der Staat die Schulen verkommen lässt Wo sollen den dan die gut motivierten Jugentlichen herkommen?

  • M
    07.06.2019, 22:23 Uhr.

    Guten Abend,
    1. Die Definition des Fachkräftemangels ist schon fragwürdig, Stichwort 100 Stellenausschreibungen zu 200 Kandidaten.
    2. Wenn es wirklich den Fachkräftemangel gäbe, wo ist denn die Liste mit all den konkreten Stellen und dem zugehörigen Gehalt?
    3. Zur Frage nach den steigenden Löhnen: Löhne werden in Verhandlungen zw. Arbeitgeber und Arbeitnehmervertretung oder Arbeitnehmern ausgehandelt. Wie soll da eine faire Verhandlung laufen, wenn der Arbeitgeber jederzeit mit Verlagerung nach Nearshore in der EU oder Offshore drohen kann? Durch den Binnenmarkt sind die Bremsklötze Zölle für die Verlagerung entfallen.
    Die Machtbalance zw. Arbeitgebern und Gewerkschaften ist verschoben worden.
    4. Das Lohngefälle zw. Westeuropa und manchen Ländern beträgt bei einigen Jobs für Fachkräfte mit akad. Hintergrund Faktor 3-4. Da ist es kaum überraschend dass Fachkräfte aus Osteuropa nach Westeuropa abwandern und dort die Arbeitskräftemenge erhöhen und in Osteuropa fehlen diese für die Entwicklung der Wirtschaft und für den Konsum dort.
    Ein Lösungsansatz wäre, die Vorrausetzungen für europäische Tarifverhandlungen zu schaffen, um die Balance wieder zu erreichen.

  • Beate Gaiser
    07.06.2019, 22:12 Uhr.

    Guten Abend Herr Prof. Sell,
    in dem Beitrag fehlte mir mein Berufsfeld, nämlich die Hotellerie und Gastronomie. Viele Kollegen melden allerdings der Agentur für Arbeit offene Stellen schon gar nicht mehr, weil die Bewerber, die man dann genannt bekommt, in den allermeisten Fällen nicht geeignet sind. Die Löhne in unseren Berufen sind in den letzten Jahren gestiegen, auch wenn meistens nur die Negativbeispiele genannt werden. Viele Kollegen zahlen deutlich über Tarif und stellen sogar Autos u.a. den Mitarbeitern zur Verfügung (ländlicher Raum)! Allerdings können wir mit der Industrie natürlich nicht mithalten. Meiner Ansicht nach müsste generell darüber nachgedacht werden, ob personalintensive Dienstlesitungsbranchen anders in Sachen Lohnsteuer und Sozialabgaben behandelt werden sollten. Wir würden gerne noch deutlich bessere Löhne zahlen, wenn diese Belastungen geringer wären. Außerdem sollte, um den ländlichen Raum zu stärken, auch hier eine andere Berechnung der staatlichen Kosten angesetzt werden. Zudem kommt, dass eine berufliche Ausbildung anders wertgeschätz werden muss. Internats- und Schulkosten dürfen für die Betriebe und den Azubis gar nicht erst anfallen und die, die noch ausbilden, sollten von den Lohnkosten bei der Ausbildungsvergütung befreit werden.

  • Jörn
    07.06.2019, 22:10 Uhr.

    Ich glaube, dass der Fachkräftemangel das Ergebnis niedriger Löhne ist. Ich sehe das Problem aber nicht unbedingt bei raffgierigen Arbeitgebern, sondern auch bei der Politik. In den letzten Jahrzehnten sind die Lohnnebenkosten und die Mehrwertsteuer angestiegen. Die Industrie konnte durch die Digitalisierung und Automatisierung darauf reagieren. Der Mensch wurde einfach teilweise ersetzt. Das Handwerk, die Pflege und die Gastronomie nicht. Das sind alles Berufe, in denen der Mensch zum großen Teil an der Leistungserstellung beteiligt ist. Die Senkung der Mehrwertsteuer wäre ein Anfang.

  • Christoph
    07.06.2019, 22:05 Uhr.

    Ich bin Diplomingenieur Maschinenbau (angeblich ein Mangelberuf) und wurde 2015 überraschend arbeitslos. Damals schrieb ich ein Dutzend Bewerbungen, wo es wirklich passte. Kein einziges Vorstellungsgespräch.
    Mein Arbeitsberater sagte durch die Blume, dass selbst Ingenieure über 50 keine Chance mehr haben.
    Wenn ich mir ansehe, was mein Betrieb sucht (und selten findet), dann das: Jung, bestens ausgebildet, mehrsprachig, mobil, flexibel, anspruchslos, langjährige Erfahrung auf genau der ausgeschriebenen Stelle – und arbeitet für ’n Appel und ’n Ei.
    Ende der 60er- Jahre eröffnete Opel in Kaiserslautern (damals wie heute die strukturschwache Westpfalz) ein Komponentenwerk. Dort entstand der Spruch „Bäcker, Metzger und Friseure werden bei Opel Ingenieure“. Was als Spottvers auf Quereinsteiger gemünzt war, zeigte eine löbliche Wahrheit: Man behob seinen Fachkräftemangel, indem man nicht ganz so passgenaue Kräfte einstellte und auf eigene Kosten weiterqualifizierte. Diese Investition in die Zukunft wollen sich die Unternehmen heute sparen und schütten das Geld lieber an die Aktionäre aus.
    Mein Fazit: Der „Fachkräftemangel“ ist eine Lüge der Wirtschaftslobby. Man suggeriert, Deutschland brauche Einwanderung. Und hat Erfolg: Heute wurde ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Ziel der Propaganda ist aber nur ein Überangebot an Arbeitskräften. Das drückt die Löhne.

  • makro
    makro
    07.06.2019, 21:58 Uhr.

    Das war`s für heute im makro-Blog. Herzlichen Dank für Ihr reges Interesse, die fundierten Kommentare und spannenden Fragen. Vielen Dank auch an unseren Experten Prof. Stefan Sell für die ausführlichen Antworten. makro gibt es wieder am nächsten Freitag um 21:00 Uhr. Dann geht es um Alternativen zum Auto in unseren Städten. Wir wünschen Ihnen eine gute Zeit!
    Ihr makro-Team

  • R. Ilg
    07.06.2019, 21:58 Uhr.

    Guten abend
    Eingangs in der Sendung wurde es gesagt. Es ist schwer verständlich, weshalb trotz Mangel die Preise nicht adequat ansteigen? Funktioniert so Markt?
    Sind da möglicherweise die Tarifpartner keine Interessenvertreter von denen deren Interessen sie eigentlich zu vertreten vortäuschen? Hat der Gestzgeber möglicherweise nicht die erforderliche Kompetenz sich ein Bild von der Realität zu machen und läßt sich deshalb von falschen Beratern leiten?

  • Rüdiger
    07.06.2019, 21:57 Uhr.

    Dem angeblichen Mangel an Fachkräften steht der Überfluss an Akademikern, Abgeordneten, Parlamentariern und Bürokraten gegenüber. Stichwort Akademikerschwemme.

  • Stefan
    07.06.2019, 21:56 Uhr.

    Guten Abend, mich würde interessieren ob es bei potenziellen Arbeitgebern noch nicht angekommenen ist, das bei eingereichten Bewerbungsunterlagen ( auch in automatisierte Portale) auch die DatenschutzGrundVerOrdnung (DSGVO) bzw. nach Bundesdatenschutzgesetz gehandhabt werden muss. Aus eigener Erfahrung (49 Jahre) scheinen zuständige „Personalverantwortliche“ nach eigenem Ermessen zu handeln, ohne das die Firmenleitung sich damit befasst. Will sagen: die dezidierte Löschung der Unterlagen ( bei nicht weiterer Verwendung der Unterlagen) wird nicht an den Bewerber-Kandidaten gemeldet.

    Es muss dann davon ausgegangen werden, das evtl Daten vom Bewerber unerlaubt weitergegeben werden. Evtl sollte sich der Bewerber „Die Handhabung nach DSGVO“ vorab bestätigen lassen.

  • Martin Lehmann
    07.06.2019, 21:46 Uhr.

    Fachkräfte Mängel ist definitv ein Märchen der Geschäftsführung/Personalabteilung. Es geht hier lediglich darum die Honorare und Gehälter klein zu halten. Wie bereits in der Sendung festgestellt hat sich hier kaum etwas in Sachen Angebot und Nachfrage geändert. Dieses Märchen ist schlicht dummdreist! Zahlt ordentlich, dann gibt es auch Arbeitskräfte! Ich habe als Freelancer teilweise 3 Monate keinen Auftrag, weil ich vermeintlich zu teuer bin. Wer so Vorstellungen vom Bewerber hat wie 25 Jahre, abgeschlossenes Studium, 5 Jahre Berufserfahrung, gerne im Ausland, verheiratet, 2 Kinder und hohe Reisebereitschaft zu max. 3000€/Monat hat schlicht nicht alle Latten am Zaun. Ja das ist leicht (nur leicht!) überzogen, aber da darf man auch nicht jammern!

    • Martin Lehmann
      07.06.2019, 21:54 Uhr.

      Noch zu ergänzen wäre, dass Frau Nahles auch noch die Freelancer mit Ihrem Gesetz zur Scheinselbstständigkeit in die ANÜ zwingt, um dann für 50€/h statt 100€/h ausgenommen zu werden. Die Politik wundert sich, dass alle Fachkräfte abwandern? Tauscht die gesamten Minister aus, Frau Merkel kann von mir aus gerne noch 4 Jahre machen!

  • Rüdiger
    07.06.2019, 21:43 Uhr.

    Wer seriös über diese Thema berichten will muss eine Sendung über die Altenpflege und das Gesundheitswesen machen.

    Beispiel LKW-Fahrer:
    Der Deutsche stört nur auf dem deutschen Arbeitsmarkt, das gilt z.B. für LKW-Fahrer und Klein-LKW bis 7,5t . Osteuropäische Fahrer fahren für einen Bruchteil des tariflichen Lohns . Deswegen können die Löhne nicht steigen weil kein Mangel vorliegt.(In der Sendung wurde gefragt warum die Löhne nicht steigen)

    2.000, euro brutto
    Was kann der Staat tun? Der Staat expandiert kräftig, zusätzliche Abgeordnete durch Überhangmandate, Städte mit 4 oder gar 6 Bürgermeistern.
    In diesem Zusammenhang muss man nicht nur über einen Mangel sondern auch darüber reden was es in Deutschland zu viel gibt: das sind Parlamentarier und Abgeornete, die monatlich 10.000 euro und mehr bekommen.

    • Hilde Metzen
      07.06.2019, 21:45 Uhr.

      Sehr richtig

  • Wagner, M.
    07.06.2019, 21:41 Uhr.

    Leider ist dieses Wirtschaftssystem des Wachstums, der Globalisierung und der dadurch oder daraus resultierenden (erinnert an Ei und Henne) Firmenbündelung bis hin zu Großkonzernen, die in der Fläche keine Arbeitsplätze (mehr) schaffen NICHT nachhaltig.
    Zudem ist das Rentensystem einem Schneeballsystem gleichend. … immer mehr Schaffung von sozialpflichtigen Arbeitsplätzen, welche eine wachsende Zahl an Rentenansprüchen zur Folge hat. Außerdem sind die Pensionsfonds vergleichbar mit ungedeckten Schecks. Eigentlich logisch, dass kein Politiker an dem Risiko des „Platzens der Blase“ teilnehmen bzw. darin das erhaltene (nicht vediente) Geld „versenken“ will.
    Ich bitte und danke vorab um Kommentar/e und Fakten dazu. … mfG / Wagner, M.

  • Jens R.
    07.06.2019, 21:41 Uhr.

    Guten Abend Herr Sell,

    was meinen Sie: Ich habe seit 2011 nicht mehr sozialversicherungspflichtig gearbeitet, habe danach drei berufliche Rehas durchlaufen bzw. diese aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen, beziehe seit 2015 eine volle Erwerbsminderungsrente aufgrund Nichtbelastbarkeit und bin 53 Jahre alt: Würde ich in meinem ehemaligen Arbeitsgebiet, der IT, mindestens eine Teilzeitstelle erhalten? Ich habe als Supportmitarbeiter, technischer Redakteur und Softwaretester in der IT gearbeitet (sozialversicherungspflichtig). Oder bin ich trotz Fachkräftemangel trotzdem zu unattraktiv für IT-Arbeitgeber aufgrund meines Lebenslaufs? Würden mich diese Arbeitgeber in Ruhe arbeiten lassen trotz meiner relativen Nichtbelastbarkeit?

    Mit freundlichen Grüßen

    • Prof. Sell
      07.06.2019, 21:47 Uhr.

      Ich persönlich würde Ihnen das wünschen und finde, dass das ein Modell wäre, was unbedingt Schule machen sollte, vor allem, wenn man sich anschaut, wie die Zahl der Erwerbsminderungsrentner steigt. Aber ich würde nach meiner bisherigen Erfahrung leider nicht darauf wetten, dass Sie einen Arbeitgeber finden, der bereit ist, diesen Weg mitzugehen.

      • Jens R.
        07.06.2019, 21:55 Uhr.

        Hallo Herr Sell,

        vielen Dank für Ihre Antwort. Ich würde mich ja gerne in meinem Fachgebiet, der IT, wieder erwerbsmäßig einbringen, allerdings gehe ich davon aus, dass in der IT, zumindest in Deutschland, noch immer der so genannte Jugendwahn vorherrscht. So muss ich versuchen, mich anderweitig sinnvoll eigenständig zu beschäftigen, auch wenn ich mich phasenweise ziemlich langweile und gewisse Leute denken „Der sieht ja gesund aus, warum geht der nicht arbeiten? Der liegt mir auf der Tasche.“ Aber daran können Sie auch nichts ändern.

        Mit freundlichen Grüßen + ich wünsche Ihnen eine angenehme Heimreise/einen angenehmen Hotelaufenthalt

      • volker huhn
        07.06.2019, 22:14 Uhr.

        Wenn man im Vorruhestand die „freiheit“ hat selbst zubsteimmen wie man seine Zeit einsetzt, gibt es durchaus einige Möglichkeiten. Ich selbst (35) gebe gerade Nachhilfe in Mathe. Da ist man beschäftigt, kann im Rahmen seiner Möglichkeiten noch Geld dazuverdienen. Darüber hinaus gibt auch immer die Möglichkeite Ehrenamtlich tätig zu werden. Die meisten Fereine schätzen solche Dienste mehr wert als wenn es von einem ‚Arbeitgeber‘ erwartet wird.

  • Hilde Metzen
    07.06.2019, 21:40 Uhr.

    Hilde, 52, haette neben meinem Teizeitjob noch Zeit und INTERESSE Im Pflegebereich zu arbeite. Leider sind die Fort- und Weiterbildungsangebote viel zu teuer. Diese sollten Modul weise vom Staat eigentlich finanziert werden, dann werden sicher mehr Menschen sich auch noch in höherem Alter ausbilden lassen und Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Auch Die Flexibilität in diesem Bereich der Ausbildung sollte zeitlich gesehen auch fuer schon Arbeitende gewaehrleistet sein….Wie sehen Sie diese Entwicklung?

    • Prof. Sell
      07.06.2019, 21:45 Uhr.

      Hier wäre tatsächlich eine Menge mehr möglich, wenn eine aktive Qualifizierungspolitik gemacht werden würde.Die umfassende Förderung würde am Anfang Geld kosten, sich aber mehrfach auszahlen. Vor allem für die vielen Arbeitnehmer in den Klein- und Mittelbetrieben müssten deutlich bessere Weiterbildungsmöglichkeiten angeboten werden, denn deren Unternehmen sind damit oftmals völlig überfordert.

      • Hilde Metzen
        07.06.2019, 22:07 Uhr.

        Und hier ist wie Sie richtig sagten die Politik auch gefordert!

  • Thomas Wagner
    07.06.2019, 21:38 Uhr.

    In der Sendung hieß es, der Staats müsse doch nur die vielen Menschen ohne Berufsabschluss qualifizieren. Haben Sie sich schon mal darüber Gedanken gemacht, wie man Menschen, die sich nicht mal zu einem Abschluss gebracht haben, so einfach qualifizieren soll? Ich arbeite als Lehrer, meine Frau im Arbeitsamt. Was nie zur Sprache kommt, wir aber tagtäglich erleben, sind Jugendliche, die nicht den geringsten Ehrgeiz oder haben, „unangenehme“ Tätigkeiten zu übernehmen, also sie wollen nicht schmutzig werden, nicht schwitzen, usw. Also studieren alle und die Politik macht es durch dauernde Absenkung der Anforderungen auch noch immer leichter. So kann das nicht weitergehen. Daher: Anforderungen für Abschlüsse erhöhen!

    • volker huhn
      07.06.2019, 21:46 Uhr.

      mehr Wertschätzung gegeüber den einfachen Berufen könnte auch helfen die akzeptanz zu erhöhen. Unangenehme Ttätigkeiten werden nicht selten von Leiharbeiter zu billiglöhnen geleistet. Da hat nur wirklich keiner bock drauf..

    • Jörn
      07.06.2019, 21:55 Uhr.

      solche arbeitsscheue Kandidaten gibt es sicher. Man muss aber sagen, dass dies nicht die Regel ist. Nach meiner Erfahrung haben solche Leute auch ganz selten die Möglichkeit zu studieren. Die Motivation fehlt meistens schon in der Schule und ein schlechter Hauptschul- oder Realschulabschluss ist die Folge. Ansonsten sei aber auch den jungen Menschen erlaubt, je nach Fähigkeiten und Begeisterung einen Beruf zu erlernen, in denen sie gerne arbeiten möchten. Sie als Lehrer haben dies ja auch getan. Gerade wenn man wie Sie und Ihre Frau einen Beruf im öffentlichen Dienst ausüben, sieht man vlt. so manches etwas zu vereinfacht. Schließlich gibt es im öffentlichen Dienst Leiharbeit und Zeitverträge eher selten.

      • volker huhn
        07.06.2019, 22:03 Uhr.

        Der öffentliche Dienst beschäftigt sehr häufig nur befristet. Das liegt unter anderem auch daran dass in der Politk förderprogramme nur für wenige Jahre bewilligt werden und Komunen und Lädern sich nicht das Risiko einer unbefriteten Stelle eingehen wollen. Wenn man sich mal mit einem Lehrer über dieses Thema redet, kann der/diejenige stunden lang über seine eigenen geschichten erzählen…

  • Veronica
    07.06.2019, 21:38 Uhr.

    Bin seit Januar mit meiner Ausbildung fertig und möchte nun ab September in Teilzeit weiter machen mit dem Industriemeister Elektrotechnik. Mein Arbeitgeber jedoch versucht mir gerade deshalb nur Steine in Weg zu werfen wo dieser kann. Obwohl bereits in meiner Abteilung sowieso schon einige Mitarbeiter fehlen. So kann man natürlich auch seine engagierten selbstausgebildeten Mitarbeiter die bereit sind sich Weiterzubilden vertreiben.

    • Veronica
      07.06.2019, 21:57 Uhr.

      Ich frag mich natürlich da es mir bisher immer (mündlich) zugesichert wurde das ich Unterstützung erhalte ob ich mich nun nicht nach einem anderen Arbeitgeber umschauen sollte.

  • Peter
    07.06.2019, 21:36 Uhr.

    Zu den Kraftfahrern

    Ein Aspekt wurde nicht erwähnt – die Verschiebung von Transport und Lagerhaltung von der Schiene auf die Straße. Stichwort „just in time“.
    Wieviele LKW-Fahrer kann ein Lokführer ersetzen?

    • Prof. Sell
      07.06.2019, 21:42 Uhr.

      Das ist ein wichtiger Aspekt – viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren die Lagerhaltung auf die Straße verlagert. Jetzt stößt das an mehrere Grenzen, nicht nur der Fahrermangel, sondern auch fehlende Alternativen aufgrund des Nicht-Ausbaus der Schieneninfrastruktur und der Vernachlässigung der Bahn wären hier zu nennen.

  • Gabriele Zahn
    07.06.2019, 21:34 Uhr.

    In meinem Beruf u. Betrieb werden immer Fachkräfte gesucht, (Orthopädietechnik). Allerdings kann man froh sein alle 5-10 Jahre mit harten Verhandlungen eine Lohnerhöhung zu bekommen u. nicht gleich die Kündigung. Und als Frau über 50 muss man mit Kündigung o. untragbaren Versetzungen in andere Filialen rechnen. Oder als schwangere Frau erhält man einen Aufhebungsvertrag vorgelegt. Und das bei einer grossen Firma, die Rekordumsätze erzielt. Fachkräftemangel ist zum grossen Teil selbst verursacht. Aber wo kein finanzieller Anreiz u. keine anständige Wertschätzung stattfindet braucht man sich nicht wundern, dass manche wichtigen Berufe keinen Nachwuchs finden. Aber als erfahrene Fachkraft ist man zu teuer, wenn man irgendwann auch mal mehr Lohn möchte u. nicht im Reallohn sinken. Fazit ist, es wird nach (niedrigem)Lohn eingestellt, Wissen u. Können nicht erforderlich, merkt ja auch nicht jeder Kunde, wenn gepfuscht wird. Hauptsache wenig Ausgabe, viel Umsatz. Fachkraft ja, möglichst jung u. billig.

    • Hilde Metzen
      07.06.2019, 21:52 Uhr.

      So wird es auch im Pflegebereich immer schlimmer, mit den Alten und Dementen kann man es ja machen, nach dem Motto “Die Kien en ja froh sein, das ueberhaupt Jemand da ist”- Fachkräfte werden vorgegaukelt!

    • Prof. Sell
      07.06.2019, 21:52 Uhr.

      Sie sprechen leider einen sehr wunden Punkt an. Das fällt in die Kategorie hausgemachter Fachkräftemangel. In vielen Unternehmen ist immer noch eine Haltung zu erkennen, die aus Zeiten des Überflusses stammt. Es fällt natürlich schwer, sich nach langer Zeit umzustellen und das Verhalten gegenüber Mitarbeitern zu verändern. Aber da hätte man einen gewissen Gestaltungsspielraum.

  • Paola
    07.06.2019, 21:34 Uhr.

    Ich finde Deutschland braucht aktive Führungskraft, die sich neue Herausforderungen stellen. Neue Lösungen für Neue Probleme, suchen und ausprobieren. Die alten Herrschaften mögen, dass alles bei alten bleibt.

    • Hilde Metzen
      07.06.2019, 21:54 Uhr.

      Sehe ich auch so

  • volker huhn
    07.06.2019, 21:32 Uhr.

    Hallo Makro,

    Ich habe gerade Ihre Sendung zum Thema Fachkräftemangel gesehen und mich selbst macht allein die Diskussion darüber wütend. Ich selbst habe 2002 meinen Hauptschulabschluss gemacht als wir hierzulande eine hohe Arbeitslosigkeit hatten und der Abschluss keinen wert hatte. Als ich 2012 dann mein Abitur erreichte hat man mir gesagt ich sei mit „zu Alt“ für eine praktische Berufsausbildung.

    Danach habe ich studiert und 2017 meinen Studienabschluss in Elektrotechnik erreicht. Da ich aber auch schon seit mehr als zehn Jahren eine Psychische Beeinträchtigung habe ich vornehmlich nach einer Teilzeitstelle Ausschau gehalten, doch sagte man mir auch hier dass Teilzeitstellen in Ingenieursberufen eher unüblich seien.
    Anfang dieses Jahres hat man mich dann vorübergehend erwerbsunfähig erklärt.

    Mir macht das ganze eher den Eindruck das innerhalb der Wirtschaft vielen Unternehmen nicht klar ist, was nach 15 Jahren Harz Reformen mit einer ganzen Generation geschieht, der nie die Chance erhalten haben aus ihrem Leben etwas zu machen. Wenn nach 10 Jahren kollektiver Ausbildungsverweigerung noch 10 Jahre kollektiver Chancenverweigerung folgt darf man sich echt nicht darüber wundern wenn dann jede menge Leute im Niedriglohnsektor versauern.

    Und wenn die Leute dann aller zu Uni streben dann doch nur weil sie Angst haben nach einer beruflichen Ausbildung von einem Zeitvertrag zum nächsten zu hangeln wie es auch oft der Fall ist. Wenn die Wirtschaft es versäumt jungen Menschen eine echte Perspektive zu bieten dann wird sich dass in Zukunft wahrscheinlich auch nicht ändern.

  • Sven
    07.06.2019, 21:30 Uhr.

    Hallo. Habe 2007 …1800 € Netto Plus Spesen verdient. Würde gern wieder Lkw fahren. 2019 soll ich für 1400 Netto (nach 12 Jahren) mich auf den Bock setzen. Sowas geht gar nicht….

    • Michael
      07.06.2019, 21:32 Uhr.

      Sorry
      aber so einen Witz möchte doch keiner mitmachen,
      da hast du ja mehr davon Faul auf der Haut zu liegen und Hartz 4 zu bekommen.
      Ich finde gerade mit so einer Berufserfahrung ist das Respektlos.

      • Sven
        07.06.2019, 21:49 Uhr.

        Traurig aber Realität.

        • Michael
          07.06.2019, 21:54 Uhr.

          JA
          schwer einen Anreiz zu haben dafür zu arbeiten. All die vollen Autobahnen und keine Parkplätze nach der Arbeit, aber jeder Will Montag bei den Discountern die tollen angebote im Regal haben…

  • Thomas
    07.06.2019, 21:27 Uhr.

    Wie viele Millionen Büro-Jobs gibt es in Deutschland und wie viele sind entbehrlich? Ich meine damit nicht nur den Akademisierungswahn, es gibt auch viele andere unnötige Bürokratiejobs.

    • Hilde Metzen
      07.06.2019, 21:53 Uhr.

      In der Tat

      • Thomas
        07.06.2019, 22:18 Uhr.

        Bezeichnend, dass der gute Professor darauf nicht geantwortet hat. Warum wohl? Viele „Fragen“ in der Sendung waren ja eher lächerlich. Natürlich weiß der Professor, warum die Löhne nicht steigen.

        Es gibt keinen völlig freien Arbeitsmarkt. Löhne werden nach Machtverhältnissen gezahlt und da haben Bürofuzzis bessere Karten. Fachkräftemangel bestünde für mich erst, wenn die Geschäfte wirklich leer wären, sind sie aber nicht.

  • Michael
    07.06.2019, 21:25 Uhr.

    Guten Abend,
    als ehemaliger Arbeitgeber in der Gastronomie, wo es auch immer schwerer wird gutes Personal zu vernünftigen Gehalt einzustellen, hätte ich eine Idee was unsere Regierung mal machen sollte um dieses Problem zu lösen.

    Hätte ich damals als Arbeitgeber NICHT so hohe Abgaben vom Brutto Lohn für meine Angestellten gehabt, hätte ich den Betrieb noch und sicherlich auch mehr Personal einstellen können!
    Dies würde auch bewirken, dass der Angestellte am Ende des Monats mehr Gehalt hat und dadurch mehr ausgeben kann!

    Wäre dies kein Ansatz der funktionieren könnte???

    Wenn ich mir einen Koch anschaue, ist es für Ihn fast besser nicht zu arbeiten, wenn er z.b ein Kind hat und nur 2500€ Brutto verdient und eine Wohnung für 700€ pro Monat kalt… Wenn er Hartz 4 bekommt steht er fast genauso dar wie wenn er sich krum macht und arbeitet.

    • Prof. Sell
      07.06.2019, 21:39 Uhr.

      Die Belastung der Löhne mit Steuern und vor allem den Sozialabgaben ist tatsächlich ein großes Problem. Die Schere zwischen Brutto und Netto ist erheblich und gerade für die vielen Niedrigverdiener ist es ein Problem, dass hohe Sozialabgaben anfallen, was dann zu sehr niedrigen verfügbaren Einkommen führt.

      • Hilde Metzen
        07.06.2019, 21:43 Uhr.

        Genau…und selbst falls man noch im 2tberuf eine weitere Ausbildung machen moechte, koennten Viele das gar nicht bezahlen.

      • MiG
        07.06.2019, 21:47 Uhr.

        Gab es nicht einmal ein Modell von Prof. Bofinger, der damals forderte auf diese unsäglichen Mini-Jobs zu verzichten, den ersten verdienten Euro bereits zu versteuern, dafür aber die Steuersätze beträchtlich gerade im unteren Bereich zu senken?

        Wie stünden Sie dazu? Übrigens, im Bereich des Klimaschutzes haben sich ja schon Professoren mit der Jugend solidarisiert …

      • Michael
        07.06.2019, 21:47 Uhr.

        Vielen Dank,
        aber dieses Problem ist doch bekannt!
        Warum nehmen wir uns nicht Schweden oder die nordischen Länder ein wenig als Vorbilder???
        Wenn nicht nur mir das Problem auffällt, wäre dies doch sicher ein Ansatz den man weiterverfolgen sollte?
        Danke

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