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Blog der makro-Redaktion

Bei Reisbauer Jack

Reisbauer Jack auf dem stählernen Wasserbüffel

Reisbauer Jack auf dem stählernen Wasserbüffel

08.12.2009, 9. Drehtag

Abseits von den Reiserouten der Touristen besuchen wir den jungen Reisfarmer Jack. Man kann viel darüber lesen, dass es in Thailand wie in ganz Asien riesige Einkommensunterschiede gibt zwischen der armen Landbevölkerung und der Mittel- und Oberschicht in den großen Städten. Erlebt man dann aber Jack und die anderen Landarbeiter bei der harten Feldarbeit, ist dieser krasse Unterschied in der Entlohnung in keinster Weise gerechtfertigt.

Trotz aller Armut bleibt Jack seinem kleinen Heimatort Natapo im Norden Thailands treu – im Gegensatz zu seiner Schwester, die jetzt in Bangkok lebt und als Verkäuferin in einer Shopping Mall arbeitet. Viele junge Leute auf dem Land bleibt nur die Flucht nach Bangkok in der Hoffnung, dort irgendeine Arbeit zu finden.

Jack hat seine Arbeit. Der 24jährige will die Reisbauern-Tradition seines Vaters und Großvaters fortsetzen. Natürlich interessiert er sich auch für Handy und Computer – welcher junge Mann tut das nicht. Viel wichtiger aber ist für Jack, seine Landsleute mit dem wichtigsten Grundnahrungsmittel, dem Reis, zu versorgen. Diese Aufgage zu erfüllen, mache ihn stolz, erzählt er.

Der große Traktor ist sein wichtigstes Arbeitsgerät. Vor zwei Jahren war das eine riesige Investition, aber auch zuvor hatte sein Vater bereits einen kleineren Traktor. Der Wasserbüffel durfte schon vor 10 Jahren in den verdienten Ruhestand gehen.

Einerseits bräuchten Thailands Bauern mehr technischen Fortschritt, um mit Vietnam oder China mithalten zu können. Auf der anderen Seite aber arbeitet noch fast die Hälfte der Beschäftigten in der Landwirtschaft. Wo wären dann alternative Jobs? Das ist die ungelöste Frage.

Auch beim Reis-Saatgut geht Jack bereits neue Wege. Neben der lokalen Reissorte baut er auch eine Hybrid-Sorte an, die tatsächlich höhere Erträge bringt. Dieser hochgezüchtete Reis stammt vom staatlichen Reisinstitut. Thailand braucht bessere Erträge, denn die Kleinbauern müssen nicht nur ihre eigenen Landsleute ernähren. Thailand ist darüber hinaus auch der größte Reisexporteur der Welt und sichert so zum Teil auch die Ernährung des Milliardenvolkes in China.

Wegen der steigenden Nachfrage ist der Reispreis wieder gestiegen. Dadurch kommt etwas mehr Geld in die Kasse der Reisbauern. Doch auch für Jack ist es ärgerlich, dass Zwischenhändler und große Mühlen immer noch zu viel Geld in die eigene Tasche stecken. Wie fast alle Thais isst Jack zusammen mit seiner Großfamilie Reis zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen. Kein Wunder also dass die Thais im Jahr 200 Kilo Reis pro Kopf verbrauchen. Die Europäer dagegen bringen es gerade mal auf 3 Kilo.

Ist das kleine Thailand tatsächlich Exportweltmeister bei Reis? Ist es.
Reis: Produktion, Verbrauch, Lagerbestände
Reis: Importe, Exporte

Jacks Mutter kocht Reisgerichte.

Jacks Mutter kocht Reisgerichte

Kameramann Jürgen Rapp versteckt im Reisfeld

Kameramann Jürgen Rapp versteckt im Reisfeld

 

 

 

 

 

 

 

 

Jacks Vater stolz vor seinem neuen Haus

Jacks Vater stolz vor seinem neuen Haus

Keine Reisernte in Thailand mehr ohne Handy

Keine Reisernte in Thailand mehr ohne Handy

Jürgen Rapp als Jacks Kühlerfigur

Jürgen Rapp als Jacks Kühlerfigur

Der Bhumibol-Staudamm

Der Bhumibol-Staudamm im Norden Thailands

Der Bhumibol-Staudamm im Norden Thailands

07.12.2009, 8. Drehtag

Jedes Jahr, wenn der König Anfang Dezember Geburtstag hat, bekommen die Thais drei Tage frei. Das nutzen viele für einen Kurzurlaub im eigenen Land. Eine Touristenattraktion, die in kaum einem Reiseführer auftaucht, ist der Bhumibol-Staudamm im Norden. Wir mischen uns einfach unter die Touristengruppen, da wir keine Drehgenehmigung haben.

Mit modernen, zweistöckigen Reisebussen werden die Thais angekarrt für das entscheidende Foto fürs Familienalbum: Lächeln mit Stausee in Hintergrund. Unter diesen unzähligen Foto- und Videokameras fallen wir gar nicht groß auf. Der Stolz der Thais auf ihr gewaltigstes nationales Bauwerk ist heute digital. Der Baubeginn 1958 war praktisch der Startschuss für die Industrialisierung des Agrarlandes Thailand. Das erste große Infrastrukturprojekt des Landes  – damals eine Initiative von König Bhumibol.

Seit vier Jahrzehnten liefert er Wasser für den Reisanbau hier im Norden und Strom für die Industrie in Bangkok. Durch die Stauung des Ping-Flusses entstand auch der größte künstliche See Thailands mit einer Fläche von sagenhaften 300 Quadratkilometern. Die Berge im Hintergrund und der rege Bootsverkehr auf dem See sind eine malerische Kulisse für unsere Filmaufnahmen.

Und auf jeden Fall auch ein neuer Geheimtipp für deutsche Touristen. 400.000 besuchen Thailand pro Jahr, wenn auch bei weitem nicht die größte Gruppe unter den 6 Millionen ausländischen Gästen. Die wichtigste Touristengruppe sind mittlerweile die Thais selbst. Ihre zunehmende Reisefreudigkeit spült heute das meiste Geld in die Kassen der Touristikbranche.

40 Jahre Wasser und Strom für Thailands Wirtschaft

40 Jahre Wasser und Strom für Thailands Wirtschaft

Thailändischer Touristenstrom per Bus

Thailändischer Touristenstrom per Bus

Nationalstolz fürs Familienalbum

Nationalstolz fürs Familienalbum

 

Stausee in malerischer Kulisse

Stausee in malerischer Kulisse

Wegweiser Buddha am Staudamm

Wegweiser Buddha am Staudamm

Raus aus Bangkok

Staufreie Fahrt in den Norden Thailands

Staufreie Fahrt in den Norden Thailands

06.12.2009, 7. Drehtag

Nach einer Woche Dreharbeiten in Bangkok bin ich Megastadt-müde. Staus, Lärm und Gestank verlieren ihren exotischen Nimbus. Die Sehnsucht nach idyllischem Landleben wächst. Da die große Geburtstagsparty für den geliebten König abgedreht ist, also nichts wie raus aufs Land. Noch mal Stau auf dem Express-Highway (was für ein treffender Name) Richtung Norden. Der atemberaubende Blick auf die Hochaus-Skyline Bangkoks entschädigt jedoch.

Und dann ist es geschafft, Bangkok ade. Die dreispurige Autobahn scheint uns bald fast allein zu gehören, abgesehen von den buntverzierten Trucks. Das Bild der Landschaft hat sich schlagartig verändert. Grüne Reisfelder links und rechts der Autobahn so weit das Auge reicht – ähnlich meiner flachen norddeutschen Heimat.
Statt dem Wasserbüffel fahren Kleintraktoren auf den Feldern. Hier in der Zentralebene ist also der technische Fortschritt auch in der Landwirtschaft angekommen. Es ist die Reiskammer des Landes. Direkt neben der Autobahn tauchen aber auch immer wieder vereinzelte Fabriken auf, wichtige Arbeitsplätze außerhalb der Boomtown Bangkok. Wir passieren Ayutthaya, die alte Königsstadt des Siam-Reiches, vier Jahrhunderte lang der mächtigste Staat in ganz Südostasien.

Das „Goldene Zeitalter“ endete vor fast 250 Jahren mit der Zerstörung Ayutthayas durch burmesische Truppen. Für die Thais war es die größte nationale Katastrophe in ihrer Geschichte und gleichzeitig die Geburtsstunde Bangkoks, das wir immer weiter hinter uns lassen.

Halt an einer thailändischen Autobahnraststätte. „24 hours open“, begrüßt uns ein Schild. Das sind aber auch die einzigen englischen Worte, ansonsten gibt es alle Speisen nur in Thai. Mit den Außenbezirken Bangkoks scheint die englische Sprachzone auch heute noch zu enden. Für die wirtschaftliche Entwicklung des viel ärmeren Nordens ist das ein großer Hemmschuh.

Weiterfahrt Richtung Norden. In unserem 10 Jahre alten Toyota-Bus werden wir kräftig durchgeschüttelt. Zur schlechten Federung gesellen sich Schlaglöcher. Nächster Stop an einer Autobahntankstelle. Anders als in Bangkok fallen wir als „farang“, so nennen Thais alle Ausländer mit weißer Haut, sofort auf. Gekicher der Tankwartinnen, die Scheiben säubern und Reifendruck prüfen. Service an der Tankstelle – das gab’s doch vor langer Zeit in Deutschland auch mal!

Direkt neben der Zapfsäule werden Panda-Bären verkauft. Unsere thailändische Producerin Ratchada klärt auf: Seit es vor kurzem mit dem Nachwuchs des Panda-Pärchens in Chiang Mai endlich geklappt hat, befindet sich ganz Thailand im Panda-Fieber.

Richtung Chiang Mai fahren wir dann auch weiter und erreichen nach 500 Kilometern Tak (gesprochen Taag), ein Verkehrsknotenpunkt an der Grenze zu Myanmar (das ehemalige Burma). Hier sind noch viel mehr Mopeds als Autos unterwegs, so wie früher in Bangkok.

Staufreie Fahrt in den Norden Thailands

Geselliges Beisammensein

Service-Paradies Thailand

Service-Paradies Thailand

Große und kleine Thais im Panda-Fieber

Große und kleine Thais im Panda-Fieber.

Der Toyota-Bus ist zu alt für die vielen Schlaglöcher.

Der Toyota-Bus ist zu alt für die vielen Schlaglöcher.

Im Norden des Landes gibt es noch mehr Mopeds als Autos.

Auf ein Moped passen mehr Passagiere als man denkt.

Im Norden des Landes gibt es noch mehr Mopeds als Autos.

Im Norden des Landes gibt es noch mehr Mopeds als Autos.

 

Der König hat Geburtstag

05.12.2009, 6. Drehtag

Das Königreich Thailand hat sich in nur zwei Generationen von der Agrar- zur Industriegesellschaft entwickelt. Dieser rasante Wandel, der mit den Konsumverführungen des modernen Kapitalismus einhergeht,  musste einfach die alten buddhistischen Werte wie Bescheidenheit und Genügsamkeit erschüttern. Immer mehr Thais geben sich ziemlich hemmungslos dem Konsum hin, was vor allem in Bangkok auffällt.

Wegen des niedrigen Einkommens der Mittel- und Unterschicht passiert das größtenteils auf Pump. König Bhumibol, zu dem alle Thais respektvoll aufblicken, mahnt ökonomische Maßhaltung an. Bisweilen müsse man zurückgehen, um vorwärts zu kommen. So wie auch Buddha darauf verweise, sich nicht an materielle Dinge zu klammern.

Der thailändische König (übrigens im US-Amerikanischen Cambridge, Massachussetts geboren) sitzt seit 1946 auf dem Thron. Damit ist er der dienstälteste Monarch der Welt. Für ihn zählt Materielles nicht mehr, seine Gesundheit liegt den Thais am Herzen. Sogar an seinem 82. Geburtstag, dem 5. Dezember, höchster Feiertag des Landes, darf König Bhumibol nur für eine kurze Audienz im Palast das Krankenhaus in Bangkok verlassen. Mit thailändischen Papierflaggen, in pink oder gelb gekleidet, die Farben des Königs, säumen die Thais die Straßen zwischen dem Siriaj Krankenhaus und dem Großen Palast. Ein kurzer Blick auf den König – für den König ein kurzer Blick auf sein Volk.

Der 82jährige Bhumibol wird in Thailand mehr als ein Popstar verehrt. Auf beiden Straßenseiten aufmarschiertes Militär achtet penibel darauf, dass hinter den Absperrgittern jeder auf dem Boden sitzt oder kniet, Sonnenbrillen und Mützen abgesetzt sind, keiner fotografiert. Nur unser Kameramann Jürgen Rapp darf ausnahmsweise stehen und dabei auch noch filmen. Bei Beleidigung des Königs und des Königshauses drohen übrigens in Thailand bis zu 15 Jahre Haft.

Die königstreue Bevölkerung wartet geduldig in der gleißenden Sonne. Dann rauscht plötzlich ohne große Vorankündigung der königliche Rolls-Royce vorbei, gefolgt von rund einem Dutzend knallroter Mercedes-Karossen. Zwei Stunden Warten für zwei Sekunden König, was tut man nicht alles für einen abwechslungsreichen Dokumentarfilm. Zumal alles so schnell ging, dass wir überhaupt keinen Blick auf den König erhaschen konnten.

Aber Kameramann Jürgen Rapp hat den Monarchen bestimmt mit seiner Kamera erwischt. So lässt sich ja der kurze Blick auf Bhumibol noch im Schnittraum in Mainz nachholen. Wenn es auch von Angesicht zu Angesicht nicht möglich ist – Happy Birthday König Bhumibol und die besten Genesungswünsche von unserer Delegation aus Deutschland.

Wer schon mal Thailand besucht hat, dem ist bestimmt aufgefallen, dass sein Portrait in jedem Restaurant und Hotel hängt, genau so wie in der armseligsten Hütte auf dem Land und der luxuriösesten Villa in Bangkok. Thailand braucht die unumstrittene Autorität und buddhistische Weisheit von König Bhumibol dringender den je, um den sozialen Frieden im Land zu wahren.

So. das war’s jetzt von mir aus Bangkok. Morgen verlassen wir den Mega-Moloch und fahren aufs Land.

Warten auf den König.

Warten auf den König.

Pink - die Farbe des thailändischen Monarchen.

Pink - die Farbe des thailändischen Monarchen.

ZDF-Fahrer Joe in pink.

ZDF-Fahrer Joe in pink.

Kollege des thailändischen Fernsehens.

Kollege des thailändischen Fernsehens.

Dreherlaubnis für das ZDF-Team.

Dreherlaubnis für das ZDF-Team.

 

Königstreues Militär

Königstreues Militär.

Waches Auge auf die Untertanen.

Waches Auge auf die Untertanen.

König Bhumibol im Rolls-Royce.

König Bhumibol im Rolls-Royce.

Der König als oberster Hüter des Buddhismus.

Der König als oberster Hüter des Buddhismus.

Höchste Verehrung für die Mönche.

Höchste Verehrung für die Mönche.

Königstreue fürs Familienalbum.

Königstreue fürs Familienalbum.

Mercedes: Frau am Steuer

Mercedes-Limousine

Mercedes-Limousine

04.12.2009, 5. Drehtag

Mercedes war der Vorreiter für den individuellen Autoverkehr in Thailand und damit natürlich auch in Bangkok, wo noch heute weit mehr als die Hälfte aller Autos im Land zugelassen sind. Mitte der 70er Jahre begann der inzwischen größte Mercedes-Händler in Thailand, die ersten Limousinen zu verkaufen. Benz Thonglor schraubte in 20 Jahren den Absatz hoch bis auf 10.000 Stück pro Jahr.

Der Mercedes-Stern brachte damals wie heute einen enormen Statusgewinn. Auch König Bhumibol erwarb mehrere Mercedes-Modelle. Doch in der Asienkrise 1997 stürzten die Verkaufszahlen auf weniger als die Hälfte ab, wovon sich Benz Thonglor bis heute nicht so richtig erholt hat. Die weltweite Wirtschaftskrise tat ihr übriges. Schwere Zeiten also für den Bangkoker Mercedes-Händler, zumal gerade jetzt ein Generationswechsel ansteht.

Doch die 29jährige Tochter Ploykarn geht unbekümmert ans Werk und zum Glück geht’s gerade wieder aufwärts mit der asiatischen Wirtschaft. Neben ihrem Hauptjob, S-Klasse und E-Klasse zu verkaufen, leistet sich Ploykarn auch noch einen Nebenjob. Der hängt mit ihrer großen Leidenschaft, dem Kochen zusammen. Jeden Sonntag moderiert die studierte Betriebswirtin ihre eigene Kochsendung im thailändischen Fernsehen.

Ansonsten hat Ploykarn fürs Kochen nur noch wenig Zeit, denn jetzt haben die Mercedes-Kunden Vorfahrt. Damit sich in Zukunft mehr Leute ein Auto und erst recht einen Benz leisten können, muss der Wohlstand weiter zunehmen. Ploykarn, die selbst drei Jahre in San Francisco studiert hat, sieht den Schlüssel dazu in besserer Bildung.

Auch ihr Vater hat vor 34 Jahren mit dem Verkauf seines ersten Mercedes in Bangkok mal klein angefangen. Heute zählt er zu den Reichen des Landes. Karrieren vom Tellerwäscher zum Millionär gibt es also nicht nur in Amerika sondern auch in Thailand.

Mercedes-Erbin Ploykarn überzeugt nicht nur beim Auto-Verkauf, sondern auch in ihrer Kochshow.

Mercedes-Erbin Ploykarn überzeugt nicht nur beim Auto-Verkauf, sondern auch in ihrer Kochshow.

Moderatorin Ploykarn sendet jede Woche aus einem anderen Bangkoker Restaurant - drinnen wir draussen.

Moderatorin Ploykarn sendet jede Woche aus einem anderen Bangkoker Restaurant - drinnen wir draussen.

Ploykarn vor der TV-Sendung.

Ploykarn vor der TV-Sendung.

Das 3sat-Team darf bei der Kochsendung mitdrehen.

Das 3sat-Team darf bei der Kochsendung mitdrehen.

BMW-Werk zwischen Palmen

03.12.2009, 4. Drehtag

Deutsche Firmen sind in Thailand nur wenig aktiv. Bei der Übermacht der japanischen Konzerne ist aber auch kaum mehr als ein Blumentopf zu gewinnen. Einzelne Ausnahmen sind Siemens, die Bangkoks ersten Nahverkehrszug, den Skytrain, mitgebaut haben. In der Innenstadt rauschen die Züge jetzt über die kilometerlangen Staus hinweg. Mitten im Verkehrsgewühl und der Masse der japanischen Marken taucht auch der ein oder andere Mercedes oder BMW auf.

Die beiden Hersteller von Luxusautos sind die deutschen Aushängeschilder in Thailand. Dafür erhält man als Deutscher immer wieder anerkennendes Kopfnicken und viele Thailänder scheinen zu denken, dass wir zu Hause alle nur Mercedes und BMW fahren.

BMW ist übrigens der einzige deutsche Autobauer mit einem eigenen Werk in Thailand. Und das schon seit zehn Jahren. Es liegt rund 100 km südöstlich von Bangkok in einem Industriepark. Umrahmt von gepflegtem Rasen, blühenden Blumensträuchern und aufgereihten Kokospalmen produziert BMW vier Modellreihen, den 3er, 5er, 7er und den X3. Das alles ist auf einer einzigen Fertigungsstraße möglich, weil statt Industrierobotern hier noch Handarbeit etwas zählt. Die ist hier nämlich noch bezahlbar.

Die Autokrise ist für BMW hier in Thailand schon seit dem Sommer vorüber. Seit einem halben Jahr müssen die 200 Mitarbeiter Überstunden schieben und sogar samstags Autos bauen – so groß ist die Nachfrage. Rund die Hälfte der Autoteile kommt dafür per Schiff aus Deutschland (schafft daheim Arbeitsplätze) und die andere Hälfte von Zulieferern aus Thailand. Viele sitzen im Industriepark gleich nebenan.

Das Land des Lächelns hat sich fast unbemerkt zum Land der Autobauer entwickelt, mit einer großen Zuliefererindustrie und gut ausgebildetem Fachpersonal. So versorgt Toyota von Thailand aus die Welt mit seinen Hybrid-Autos. Schon heute werden im Jahr 1,5 Millionen Fahrzeuge gebaut, bis 2014 sollen es 2,5 Millionen sein. Dafür stampfen japanische und amerikanische Autobauer neue Fabriken aus dem Boden. Überkapazitäten in der Automobilindustrie?! – Aber doch nicht in Asien!

Auch das BMW-Werk will in den nächsten Jahren mehr Autos ausliefern. Zur Zeit verkauft BMW rund 90% der Fahrzeuge an Thais, nur 10% gehen nach Malaysia und Indonesien. Doch man ist sicher, schon nächstes Jahr das Exportvolumen verdoppeln zu können, wenn in Südostasien die Importzölle fallen. Dann rollen vielleicht nicht mehr nur weiße und schwarze BMWs vom Band – die einzigen beiden Autofarben, die den Thais gefallen.

Im nächsten Blog-Eintrag geht es um den anderen deutschen Luxusautobauer. Beim größten Mercedes-Händler Thailands vollzieht sich gerade ein Generationswechsel. Doch die 29jährige Firmenerbin Ploykarn hat nicht nur Autos im Kopf sondern auch noch eine eigene Kochsendung im thailändischen Fernsehen.

Ohne Geduld läuft hier gar nichts.

Ohne Geduld läuft hier gar nichts. Wer im Skytrain über den Straßen von Bangkok fährt, ist klar im Vorteil.

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Das Fließband, an dem vier BMW Modellreihen mit 19 Modellvarianten gebaut werden können. Die menschliche Flexibilität macht's möglich.

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Die Türen gehören heute zu den kompliziertesten Einzelteilen eines Autos. Deshalb werden hier die besten Arbeitskräfte eingesetzt - thailändische Frauen.

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Teamwork bei BMW in Thailand.

Studentin Ha baut ein Steinhaus

0212_thailand1a.jpg02.12.2009, 3. Drehtag

Bangkoks Slums wuchern immer weiter, weil der Zustrom junger Leute aus dem ganzen Land unvermittelt anhält. Viele kommen aus dem Norden, dem Armenhaus Thailands. Aus der Innenstadt wurden die Slums immer mehr durch den Bauboom in die Außenbezirke verdrängt. Sie müssen Platz machen für gläserne Bürotürme, Luxushotels, Shopping-Malls und mehrspurige Schnellstraßen. Zwischen ein und zwei Millionen Thais leben in Bangkok in Slums, im ganzen Land an die 10 Millionen.

Die Regierungsorganisation CODI setzt sich dafür ein, dass die Slumbewohner bleiben können, statt umgesiedelt zu werden. Mit günstigen Staatskrediten ermöglicht die thailändische Regierung, dass in Nachbarschaftshilfe anstelle niedriger, dunkler Wellblechhütten ein zweistöckiges, helles Steinhaus entsteht.

Die Architekturstudentin Ha wohnt seit ihrer Geburt in einem Slum Bangkoks. Ihre Eltern hatten vor 40 Jahren ein kleines Stückchen Erde, das heute im Schatten von modernen Geschäftshäusern liegt, illegal besetzt. Sie kamen aus dem Isaan, dem Nordosten, der größten und ärmsten Region Thailands. Es war ein Weg, den viele Bauernsöhne und -töchter auch heute noch gehen.

Die 27jährige Ha sorgt jetzt dafür, dass ihre Eltern nach 40 Jahren Lebenszeit in einer dunklen, beengten Baracke ein „richtiges“ Haus bekommen. Von den gut 100 Unterkünften in Ha’s kleiner Gemeinde sind zehn schöne, zweistöckige Steinhäuser bereits fertig, 20 weitere werden gerade in Nachbarschaftshilfe gebaut. Danach kommen die anderen Slum-Bewohner dran.

Als Architekturstudentin kennt sich Ha schon ganz gut aus, welche
Baumaterialien gebraucht und welche Arbeiten in welcher Reihenfolge
notwendig sind. Jeweils acht Familien helfen sich beim Bau
untereinander. An das Finanzministerium, Eigentümer des Grund und
Bodens, bezahlt jeder Hausbesitzer inzwischen eine Pacht von
umgerechnet einem Euro pro Monat. Damit ist die Landbesetzung
legalisiert.

Ha wird ihren Kindern einmal ein komfortables Eigenheim bieten können. Darauf kann sie schon heute stolz sein. Solche Hausprojekte von CODI, die im ganzen Land gefördert werden, sind zwar noch ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber eine wahnsinnig gute Hilfe zur Selbsthilfe, die immer mehr Schule machen sollte – nicht nur in Thailand.

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Ehemalige Slumbewohner, die uns stolz ihre neuen Häuser zeigen.

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Kinder, die anders als ihre Eltern jetzt in einem richtigen Haus aufwachsen.

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Architekturstudentin Ha zeigt uns eine Siedlung, die schon komplett fertig ist, mit viel Grün und einem betonierten Fußweg.

Mit dem Fahrrad durch die Slums von Bangkok

01.12.2009, 2. Drehtag

Das kann nur die verrückte Idee eines Holländers sein. So ist es. Der Holländer heißt André, betreibt eine Fahrradvermietung und organisiert Radtouren durch Bangkok. Das macht er seit sechs Jahren – zunächst nur in der Hauptstadt, inzwischen aber auch in Chiang Mai im Norden des Landes. Sein Büro liegt in einem besseren Stadtviertel, nebenan stehen zwei Mercedes-Karossen vor der Tür.

Bei André stehen auf dem Autohof vor dem Haus rund 50 Mountainbikes in allen Größen sauber aufgereiht. Die Thais aber fahren in Bangkok so gut wie kein Fahrrad mehr. Nach den Fahrrad-Rikschas stirbt gerade auch die motorisierte Form aus, die dreirädrigen Tuk-Tuks. Und so reihen wir uns mit unserer achtköpfigen Fahrradgruppe am linken Straßenrand (in Thailand herrscht Linksverkehr) in den Verkehrsfluss der verbliebenen Mopeds ein. Sie kurzem gilt für ihre Fahrer die Helmpflicht. Zumindest in Bangkok.

Fahrradwege sind natürlich Fehlanzeige. Doch schnell verlassen wir den Autostrom und tauchen ein in die schmalen Gassen der Hinterhöfe Bangkoks. Hier passt kein Auto rein. Wir fahren mit unseren Fahrradrädern praktisch mitten durchs Wohnzimmer der Ärmsten, denn das Leben spielt sich vor allem draußen auf den Gassen ab. Schüchtern, fast beschämt schaue ich vom Rad aus in das dunkle Innere der Hütten. Fast überall ist der Fernseher das einzige Licht.

Trotzdem kommt uns von allen Seiten ein freundliches „Hello“ entgegen. André kennt inzwischen fast jeder hier. Vor 15 Jahren kam der Holländer aus Den Haag nach Thailand, als Verkaufsleiter für ein großes Textilunternehmen in Bangkok. Vor sechs Jahren sattelte der heute 50-jährige um. Die Touristen-Touren durch die Slums kommen ihren Bewohnern zugute. Aus den Einnahmen hat André den Bau eines Slum-Kindergartens mitfinanziert und ganz aktuell die Einrichtung eine Schule.

Mit kleinen gemieteten Booten geht es rüber auf die andere Seite des Chao Phraya, der sich in unzähligen Windungen durch Bangkok schlängelt. Der Fährmann verdient durch Andrés Touren seinen Lebensunterhalt. Nach rund 20 Kilometern der letzte Stop an einer Thai-Kick-Boxschule. Der Boxring steht unter einem offenen Wellblechverhau. Hier können Kinder aus dem Slum trainieren. Die Spenden der „seltsamen“ Fahrradtouristen aus dem fernen Europa bringen das Geld für die nötige Schulausbildung.

Im nächsten Eintrag gibt es mehr über Sozialarbeit im Slum und außerdem treffen wir die junge Architekturstudentin Ha, die im Slum geboren und dort auch heute noch zu Hause ist.

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Das 3sat-Team mit Kameramann Jürgen Rapp, Assistent Marcus Becker und Producerin Ratchada Chitrada.

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Kameramann Jürgen Rapp dreht während der gesamten Fahrradtour vom Moped aus und versucht, nicht runterzufallen.

Der Skytrain über den Straßen von Bangkok.

Blick ausnahmsweise mal nach oben statt nach vorne bei der Fahrradtour unter den Hochstraßen.

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Pause beim Thai-Essen mit dem Guide André im holländischen Orange.

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Der Kindergarten im Slum von Bangkok wurde den André mitgebaut.

Kindergarten in Bangkok

Aufstellen in Reih und Glied. Jedenfalls fast.

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Fahrt über den Chao-Phraya.

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Die Räder kommen in ein zweites Boot.

 

Buddha feiert Weihnachten

Weihnachtsbaum im buddhistischen Thailand30.11.2009, 1. Drehtag

Am Abend bietet sich in den Shopping-Malls rund um den Siam Square ein befremdliches Bild. Überall riesige, kitschige Weihnachtsdekorationen und aus den Kaufhaus-Lautsprechern erklingt auch noch Weihnachtsmusik.

Die Thailänder sind voll auf dem Konsumtrip, zumindest wer es sich leisten kann. Die Weihnachtsidee dient nur dem Kommerz in einem Land, wo 95% der Bevölkerung Buddhisten sind. Die weltweite Wirtschaftskrise versucht auch Thailand mit einer großen Konsumwelle hinter sich zu lassen. Shoppen gehen ist besonders bei den jungen Leuten zur liebsten Freizeitbeschäftigung geworden.

Vor 15 Jahren, so erinnere ich mich, gab es nur ein paar wenige Hochhäuser. Heute wachsen unzählige Wolkenkratzer à la Manhattan in den Himmel. Dieses gigantische Wachstum der Mega-Städte in Asien, quasi im Zeitraffer, wo soll das noch hinführen? In Bangkok hat sich die Einwohnerzahl in zwei Jahrzehnten einfach mal so verdoppelt, gerade ist angeblich die Schallmauer von 10 Millionen durchbrochen worden.

Anders als im alternden Deutschland gibt in Bangkok die Jugend den Ton an. Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 30. Das wird auch in den ausufernden Slums Bangkoks deutlich, der armen Seite von Thailands einziger richtigen Stadt. Zusammen mit einem inzwischen einheimischen Holländer durchstreifen wir mit dem Fahrrad das andere Bangkok. Darum geht es im nächsten Blog-Eintrag.

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Thailändische Jugendliche in der neuen Glitzerwelt.

Blick über Bangkok, nicht etwa Manhattan

Blick über Bangkok, nicht etwa Manhattan.

Sunset über Bangkok

Sunset über Bangkok.

Nacht-Dinner über den Dächern von Bangkok

Nacht-Dinner über den Dächern von Bangkok.

Ankunft: Alles voller japanischer Autos

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30.11.2009, 1. Drehtag

Der neue Flughafen in Bangkok ist weitläufig – lange Laufbänder wie in den modernen Flughäfen Europas, in Madrid oder London. Auch draußen ist alles wohlgeordnet, das Taxi wird einem zugewiesen. Vor 15 Jahren war ich das letzte Mal hier. Statt im Stau, Krach und Lärm zu stehen, bin ich über den neuen Express-Highway nicht wie früher in 4 Stunden, jetzt in 30 Minuten Downtown am Siam Square. Diesmal keine schwülen Sauna-Temperaturen, es ist gerade Winter. 70.000 Taxen soll es jetzt geben statt 10.000 Mitte der 90er.  Die netten „Tuk-Tuk“ sind so gut wie verschwunden aus dem Straßenverkehr.

Rechts und links der  Stadtautobahn: Reklametafeln von Samsung und LG. Die Südkoreaner machen den Japanern auch hier Konkurrenz. Trotzdem: Auf den Straßen sind fast nur japanische Automodelle zu sehen. Thailand hat immer noch keine eigenen Marken, nicht nur bei Fahrzeugen, abgesehen vom Singha-Bier. Nicht nur die Werbebanner, auch die Straßenschilder sind heute alle zweisprachig, in Thailändisch und Englisch.

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Kameramann Jürgen Rapp erprobt die landesüblichen Fortbewegungsmittel. Zum ersten Mal in seinem Berufsleben dreht er vom Moped aus.

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Jürgen Natusch trifft seine Producerin Ratchada Chitrada, die bereits im Vorfeld Interviewtermine macht und nach geeigneten „Locations" sucht.