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Blog der makro-Redaktion

Mit dem Fahrrad durch die Slums von Bangkok

01.12.2009, 2. Drehtag

Das kann nur die verrückte Idee eines Holländers sein. So ist es. Der Holländer heißt André, betreibt eine Fahrradvermietung und organisiert Radtouren durch Bangkok. Das macht er seit sechs Jahren – zunächst nur in der Hauptstadt, inzwischen aber auch in Chiang Mai im Norden des Landes. Sein Büro liegt in einem besseren Stadtviertel, nebenan stehen zwei Mercedes-Karossen vor der Tür.

Bei André stehen auf dem Autohof vor dem Haus rund 50 Mountainbikes in allen Größen sauber aufgereiht. Die Thais aber fahren in Bangkok so gut wie kein Fahrrad mehr. Nach den Fahrrad-Rikschas stirbt gerade auch die motorisierte Form aus, die dreirädrigen Tuk-Tuks. Und so reihen wir uns mit unserer achtköpfigen Fahrradgruppe am linken Straßenrand (in Thailand herrscht Linksverkehr) in den Verkehrsfluss der verbliebenen Mopeds ein. Sie kurzem gilt für ihre Fahrer die Helmpflicht. Zumindest in Bangkok.

Fahrradwege sind natürlich Fehlanzeige. Doch schnell verlassen wir den Autostrom und tauchen ein in die schmalen Gassen der Hinterhöfe Bangkoks. Hier passt kein Auto rein. Wir fahren mit unseren Fahrradrädern praktisch mitten durchs Wohnzimmer der Ärmsten, denn das Leben spielt sich vor allem draußen auf den Gassen ab. Schüchtern, fast beschämt schaue ich vom Rad aus in das dunkle Innere der Hütten. Fast überall ist der Fernseher das einzige Licht.

Trotzdem kommt uns von allen Seiten ein freundliches „Hello“ entgegen. André kennt inzwischen fast jeder hier. Vor 15 Jahren kam der Holländer aus Den Haag nach Thailand, als Verkaufsleiter für ein großes Textilunternehmen in Bangkok. Vor sechs Jahren sattelte der heute 50-jährige um. Die Touristen-Touren durch die Slums kommen ihren Bewohnern zugute. Aus den Einnahmen hat André den Bau eines Slum-Kindergartens mitfinanziert und ganz aktuell die Einrichtung eine Schule.

Mit kleinen gemieteten Booten geht es rüber auf die andere Seite des Chao Phraya, der sich in unzähligen Windungen durch Bangkok schlängelt. Der Fährmann verdient durch Andrés Touren seinen Lebensunterhalt. Nach rund 20 Kilometern der letzte Stop an einer Thai-Kick-Boxschule. Der Boxring steht unter einem offenen Wellblechverhau. Hier können Kinder aus dem Slum trainieren. Die Spenden der „seltsamen“ Fahrradtouristen aus dem fernen Europa bringen das Geld für die nötige Schulausbildung.

Im nächsten Eintrag gibt es mehr über Sozialarbeit im Slum und außerdem treffen wir die junge Architekturstudentin Ha, die im Slum geboren und dort auch heute noch zu Hause ist.

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Das 3sat-Team mit Kameramann Jürgen Rapp, Assistent Marcus Becker und Producerin Ratchada Chitrada.

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Kameramann Jürgen Rapp dreht während der gesamten Fahrradtour vom Moped aus und versucht, nicht runterzufallen.

Der Skytrain über den Straßen von Bangkok.

Blick ausnahmsweise mal nach oben statt nach vorne bei der Fahrradtour unter den Hochstraßen.

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Pause beim Thai-Essen mit dem Guide André im holländischen Orange.

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Der Kindergarten im Slum von Bangkok wurde den André mitgebaut.

Kindergarten in Bangkok

Aufstellen in Reih und Glied. Jedenfalls fast.

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Fahrt über den Chao-Phraya.

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Die Räder kommen in ein zweites Boot.

 

Buddha feiert Weihnachten

Weihnachtsbaum im buddhistischen Thailand30.11.2009, 1. Drehtag

Am Abend bietet sich in den Shopping-Malls rund um den Siam Square ein befremdliches Bild. Überall riesige, kitschige Weihnachtsdekorationen und aus den Kaufhaus-Lautsprechern erklingt auch noch Weihnachtsmusik.

Die Thailänder sind voll auf dem Konsumtrip, zumindest wer es sich leisten kann. Die Weihnachtsidee dient nur dem Kommerz in einem Land, wo 95% der Bevölkerung Buddhisten sind. Die weltweite Wirtschaftskrise versucht auch Thailand mit einer großen Konsumwelle hinter sich zu lassen. Shoppen gehen ist besonders bei den jungen Leuten zur liebsten Freizeitbeschäftigung geworden.

Vor 15 Jahren, so erinnere ich mich, gab es nur ein paar wenige Hochhäuser. Heute wachsen unzählige Wolkenkratzer à la Manhattan in den Himmel. Dieses gigantische Wachstum der Mega-Städte in Asien, quasi im Zeitraffer, wo soll das noch hinführen? In Bangkok hat sich die Einwohnerzahl in zwei Jahrzehnten einfach mal so verdoppelt, gerade ist angeblich die Schallmauer von 10 Millionen durchbrochen worden.

Anders als im alternden Deutschland gibt in Bangkok die Jugend den Ton an. Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 30. Das wird auch in den ausufernden Slums Bangkoks deutlich, der armen Seite von Thailands einziger richtigen Stadt. Zusammen mit einem inzwischen einheimischen Holländer durchstreifen wir mit dem Fahrrad das andere Bangkok. Darum geht es im nächsten Blog-Eintrag.

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Thailändische Jugendliche in der neuen Glitzerwelt.

Blick über Bangkok, nicht etwa Manhattan

Blick über Bangkok, nicht etwa Manhattan.

Sunset über Bangkok

Sunset über Bangkok.

Nacht-Dinner über den Dächern von Bangkok

Nacht-Dinner über den Dächern von Bangkok.

Ankunft: Alles voller japanischer Autos

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30.11.2009, 1. Drehtag

Der neue Flughafen in Bangkok ist weitläufig – lange Laufbänder wie in den modernen Flughäfen Europas, in Madrid oder London. Auch draußen ist alles wohlgeordnet, das Taxi wird einem zugewiesen. Vor 15 Jahren war ich das letzte Mal hier. Statt im Stau, Krach und Lärm zu stehen, bin ich über den neuen Express-Highway nicht wie früher in 4 Stunden, jetzt in 30 Minuten Downtown am Siam Square. Diesmal keine schwülen Sauna-Temperaturen, es ist gerade Winter. 70.000 Taxen soll es jetzt geben statt 10.000 Mitte der 90er.  Die netten „Tuk-Tuk“ sind so gut wie verschwunden aus dem Straßenverkehr.

Rechts und links der  Stadtautobahn: Reklametafeln von Samsung und LG. Die Südkoreaner machen den Japanern auch hier Konkurrenz. Trotzdem: Auf den Straßen sind fast nur japanische Automodelle zu sehen. Thailand hat immer noch keine eigenen Marken, nicht nur bei Fahrzeugen, abgesehen vom Singha-Bier. Nicht nur die Werbebanner, auch die Straßenschilder sind heute alle zweisprachig, in Thailändisch und Englisch.

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Kameramann Jürgen Rapp erprobt die landesüblichen Fortbewegungsmittel. Zum ersten Mal in seinem Berufsleben dreht er vom Moped aus.

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Jürgen Natusch trifft seine Producerin Ratchada Chitrada, die bereits im Vorfeld Interviewtermine macht und nach geeigneten „Locations" sucht.